Telekom will Hochleistungsnetz auf dem Land ausbauen – stellt aber Bedingungen.

Crailsheim - Schnelles Internet mit VDSL-Technik gibt es aus Kostengründen nur in Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern. Jetzt will Deutschlands größter Anbieter, die Telekom, mit VDSL auch in die Fläche - und startet dazu einen etwas merkwürdigen Probelauf.

Zwischen Crailsheim und der Telekom läuft eine Wette, die im Südwesten einzigartig ist. Gewinnt die Stadt, surfen die Bürger von Sommer 2011 an schneller im Internet als jetzt. Die Telekom verspricht, das Datennetz der Stadt flächendeckend auf eigene Kosten für 3,5 Millionen Euro mit VDSL aufzubauen. Im Gegenzug müssen die Bürger bis 5. Dezember 2000 Vorverträge abgeschlossen haben, mit denen sie sich 24 Monate an die Telekom binden. 1985 Bürger haben das bis gestern schon getan.

VDSL überträgt Daten schneller als DSL, womit die Stadt zurzeit versorgt ist. Bald könnten die Bürger mit bis zu 50 statt maximal 16 Megabit pro Sekunde surfen. VDSL gilt als die derzeit schnellste verfügbare Internet-Technik. Die Telekom stellt sie aus Kostengründen nur in Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern bereit. Auch andere Telekommunikationsunternehmen bieten VDSL an. Dazu greifen sie auf die Infrastruktur der Telekom zurück.

Crailsheim wirbt kräftig für das Projekt. Im Internet erklärt die Stadt die Initiative, Infoveranstaltungen finden statt, und auch die Wirtschaftsförderung unterstützt das Projekt. "Der Bedarf nach schnellen Übertragungsraten steigt. Schnelles Internet ist vor allem in den Ortsteilen ein Problem", sagt Oberbürgermeister Rudolf Michl. Er unterzeichnete sofort den Vorvertrag. Das Thema werde schon länger diskutiert, "finanziell kann die Stadt den Ausbau aber nicht stemmen". Sie habe vergebens versucht, Telekommunikationsfirmen zu bewegen, schnelles Internet im gesamten Stadtgebiet anzubieten. Michl hofft nun, dass die nötige Anzahl Verträge zustande kommt. "Anfangs stieg die Zahl rasant. Gerade läuft es schleppend", bedauert er. Bleibt die Zahl unter 2000, sind die Vorverträge nichtig.

Verbraucherschützer halten VDSL-Technik für zukunftssicher

Nach eigenen Angaben baut die Telekom überall dort das Netz auf eigene Kosten aus, wo es möglich ist. "In Städten, in denen das wirtschaftlich nicht möglich ist, beteiligt die Stadt sich finanziell", sagt Sprecherin Cordelia Hiller. In kleinen bis mittelgroßen Orten seien die Investitionen zu hoch, wenn man nicht wisse, wie viele Kunden sich für einen VDSL-Anschluss entscheiden. Um das finanzielle Risiko zu reduzieren, setze man auf Kooperationen. Wie in Crailsheim oder mit anderen Anbietern. "Wir haben die Stadt ausgesucht, weil sie in puncto Wettbewerbssituation und Größe repräsentativ ist. Sie bietet uns Voraussetzungen, die uns im Bundesgebiet immer wieder begegnen."

Verbraucherschützer nennen VDSL zukunftssicher. Es ist so schnell, dass es sich auch für Fernsehen und Video eignet, sagt Christian Gollner von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Er kritisiert aber, dass Verbrauchern wenig Auswahl gegeben wird. "Entweder man nutzt VDSL über die Telekom oder man hat lahmes Internet." Gollner weist darauf hin, dass die Bürger mit einem Vertrag den Ausbau unmittelbar mitbezahlen. Die Angebote der Telekom - das günstigste kostet 44,95 Euro - seien teurer als die der Konkurrenten und teurer als DSL-Angebote.

In Crailsheim und der Nachbargemeinde Satteldorf, die ebenso von VDSL profitieren soll, gibt es auch Kabel BW. Der Kabelnetzbetreiber steht mit der Telekom im Infrastruktur-Wettbewerb. Die Initiative nimmt er gelassen. "Wir sind schon weiter und bieten 100 Megabit pro Sekunde an", sagt Sprecher Maurice Böhler. In Crailsheim versorgt der Betreiber 83 Prozent der Haushalte mit Kabel, in Satteldorf 50 Prozent. Wie viele Haushalte Kunden von Kabel BW sind, gibt das Unternehmen nicht preis. Auch die Telekom schweigt zu solchen Angaben.

Das bundesweit erste Projekt dieser Art startete die Telekom im Mai in Halberstadt (Sachsen-Anhalt) mit 40000 Einwohnern. Bis Ende September galt es, 1000 Vorverträge zu unterschreiben. "Wir hatten die Zahl schon im August zusammen", sagt Oberbürgermeister Andreas Henke. Die Bauarbeiten laufen. Henke sagt, dass man die Straßen nur an einzelnen Stellen aufreißen müsse, da die technische Infrastruktur vorhanden sei. Die Hauptarbeit bestehe darin, die Schaltkästen zu ersetzen.

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