Die Verbindungsstraße zwischen Bol und Langenwand ist wieder schrankenlos. Ein Unfallgeschehen schließt die Stadtverwaltung aus. Foto: Roth/Roth

Alle Jahre wieder: Binnen weniger Monate wurde die Bol-Schranke an der Verbindungsstraße zum Wohngebiet Langenwand aus der Halterung gerissen. Ein Unfall wird von der Stadt ausgeschlossen. Der Verdacht auf Vandalismus liegt nahe.

Der Anblick an der Einfahrt zur Straße zwischen dem Truchtelfinger Wohngebiet Bol und der Tailfinger Langenwand ist kein neuer. Statt Autofahrern die Durchfahrt zu versperren, liegt die Schranke als Überbleibsel im Gras. Schaut man sich das demolierte Stück Metall genau an, wird deutlich: Für den Schaden waren rohe Gewalt oder schweres Werkzeug nötig. Eine Unfallmeldung jedenfalls liegt der Stadtverwaltung laut Pressesprecherin Sarah Braun nicht vor.

Binnen eines Vierteljahres zweimal demoliert

Die Stadt ist gar erst infolge der Anfrage unserer Redaktion auf die kaputte Schranke aufmerksam geworden. Braun hält sich aber bedeckt – will Vandalismus als Ursache nicht in den Mund nehmen. Die Stadt will sich erst „ein ausführliches Bild der Lage machen“. Schwer zu glauben ist, dass die Schranke aus heiterem Himmel von der Halterung abgebrochen sein soll. Braun bestätigt: „Wir gehen davon aus, dass es kein Unfall.“

 

Den Verdacht mutwilliger Randale erhärtet ein weiterer Fakt: Nicht zum ersten Mal müssen Mitarbeiter des Betriebsamtes zum Tatort Bol ausrücken. Erst Ende 2022 wurde die Barriere zerstört – auch damals gab es laut Braun von einem Unfall keine Spur. Das Betriebsamt reparierte die Schranke. Der Ersatz ist binnen eines Vierteljahres schon wieder demoliert.

Wird die Polizei eingeschalten?

Zum Jahreswechsel 2011/2012 ging das Pendant auf der Tailfinger Seite zu Bruch. Die Stadt hatte damals Strafanzeige gestellt. Ein Täter wurde nicht ermittelt. Der Sachschaden: 1500 Euro. Ob erneut die Polizei eingeschaltet wird, lässt Braun offen. Zuerst müssten Hinweise gesammelt und abgewogen werden, ob sich die rechtlichen Schritte lohnten. Immerhin: Die Schranke auf Langenwand ist noch funktionstüchtig, eine Durchfahrt mit dem Auto unmöglich.

Warum die Schranke auf dem Bol? Gut möglich, dass Täter sich dort ungestörter fühlen als auf der Langenwand, ist das Areal um die Schranke dort von den Grundstücken wesentlich besser einsehbar.

Straße bei Fußgängern sehr beliebt

Dass die Verbindungsstraße für privaten Autoverkehr gesperrt ist, kommt wohl nicht bei allen gut an. Sie ist seit jeher dem öffentlichen Personennah- und Radverkehr sowie Feuerwehr und Rettungsdienst vorbehalten. Beliebt ist die rund 800 Meter lange Straße bei Spaziergängern. Und daran wird sich in naher Zukunft – so Braun – auch nichts ändern.

Die Halterung der Schranke ist vollends zerstört. Foto: Roth

Der Grund: „Die Verbindungsstraße wurde mit GVFG-Mitteln gefördert, der Zuwendungsbescheid verpflichtet zur zweckgebundenen Nutzung der Trasse, das heißt, neben Linienbussen und Radfahrern sind nur Rettungsfahrzeuge im Einsatz sowie die Zufahrt für Landwirte, die anders nicht zu ihren Feldern kommen, gestattet.“ GVFG steht für Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz und rückt die Förderung des ÖPNV in den Fokus.

Autoverkehr ist aus Sicherheitsgründen nicht möglich

Erschwerend hinzu kommt: Die Straße ist für den Busverkehr nur auf 3,5 Meter Breite ausgebaut. Reibungslos fließender Autoverkehr wäre aus Sicherheitsgründen nicht zu gewährleisten, so die Stadt.

Was bleibt sind die sich häufenden Reparaturen durch das Betriebsamt. Kurz vor Ostern wird sich laut Braun an der Schranke nichts mehr tun. Ob nicht eine andere Dauereinrichtung das Problem lösen könnte? „Auch da müssen wir zunächst intern besprechen, welche Optionen umsetzbar wären“, betont Braun. So lange gilt es abzuwarten – ob die Schranke wieder demoliert wird.