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Unterkirnach Leder für Hunderte von Dichtungen

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2255 Stunden restauriert haben (von links) Johann Storz, Roland Dufner, Wolfgang Armbruster, Hugo Weißer und Manfred Ragg. Fotos: Schimkat Foto: Schwarzwälder Bote

Das Restaurations-Team um Wolfgang Armbruster hat in ehrenamtlicher Arbeit das "Piano Flöten Orchestrion", das Wolfgang Blessing 1926/27 erbaute, restauriert. In 2255 Arbeitsstunden wurden viele Teile nachgebaut und wieder gangbar gemacht.

Unterkirnach. Das geniale Orchestrion wird am Sonntag, 8. Dezember, in einem Exklusivkonzert den 61 Spendern als Premiere zu Gehör gebracht. Damit halten die Männer ihr Wort, als sie vor vier Jahren den Spendern versprachen: "Wenn wir das Orchestrion gangbar gemacht haben, laden wir euch zum ersten Konzert ein."

"Wir haben alle Spender angeschrieben und sind sicher, dass 45 bis 55 Gäste zu dem Konzert kommen werden", freut sich Wolfgang Armbruster und ergänzt, dass das Orchestrion 2016 in der Schweiz von einem Sammler für eine Kaufsumme von 23 000 Euro gekauft wurde. 48 Prozent der Kaufsumme kam von den Spendern, 30 Prozent vom Regierungspräsidium und 22 Prozent aus der Vereinskasse des Vereins für Heimat- und Orchestriongeschichte: "Das war nicht einfach für uns", so Armbruster. "Vier Jahre haben wir in zwei Werkstätten – in meiner und der von Hugo Weißer – an dem Orchestrion gearbeitet. Mal waren wir zu fünft, dann wieder der harte Kern von drei Männern. Oft sind wir fast an den Schwierigkeiten verzweifelt. Aber der Gedanke, dass Unterkirnach die Wiege des Orchestrions ist und Wolfgang Blessing einer der genialen Erfinder und Erbauer, hat uns weitermachen lassen", betont Armbruster. Da das "Piano Flöten Orchestrion" von 1926 bis 1927 gebaut wurde, waren viele der unzähligen Teile nicht mehr in einem guten Zustand. "Sie mussten von uns nachgebaut werden", fährt er fort. Das Orchestrion hat ein 88-saitiges Klavier, 29 Violinpfeifen und 29 Flöten, alleine 150 kleine Blasebälge haben wir in Fließbandarbeit wieder gebaut, so Armbruster. Er fertigte Zeichnungen an und las sich ein. Dann mussten Teile, wie sie früher verwendet wurden, wieder hergestellt werden, also Leder für Hunderte Dichtungen und Ventile, zum Beispiel für die Windlade. Mahagoni-Holz wurde für den Kasten verwendet. Den Aufsatz fertigte Hugo Weißer in seiner Werkstatt an. Bleiröhrchen für die Luft wurden bei Restauratoren, unter anderem in Neu Isenburg, gekauft. Farben, Lacke, Schrauben wurden besorgt. Es durfte kein Silikon verwendet werden, sondern Warmleim wie Knochenleim und Hautleim, zählt er auf.

Armbruster erzählt die tragische Geschichte, wonach der Verkäufer Hilfe angeboten hatte. Dazu kam es aber nicht, da er einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Es habe immer wieder Rückschläge gegeben, so musste die Wandlade neun Mal auseinander- und wieder zusammengebaut werden, da auch die beiden Drucksysteme – Unterdruck und Überdruck für die Pfeifen – nicht funktionierten. Auch der Blasebalg wurde zweimal auseinandergebaut. "Unsere Gesichter wurden immer länger, wenn wir nur falsche und schwache Töne hörten", berichtet er, und die anderen vier Männer nicken mit den Köpfen.

Im Mai hörten wir zum ersten Mal musikalische Töne und ließen den Orgelbauer zum Stimmen der Pfeifen kommen, erzählt Armbruster und berichtet, wie er die Pfeifen aus Kirschholz während des Stimmens eine nach der anderen noch kürzen musste: "Ich bin stundenlang hin- und hergerannt", schmunzelt er. "Jetzt kommt die Generalprobe", erklärt er und spannt eine Rolle ein: Der Gefangenenchor von Nabucco erklingt, es ist ein hervorragender Klang – und die fünf Männer lauschen ergriffen: Vier Jahre unermüdlicher Einsatz haben sich gelohnt.

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Cornelia Spitz

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