Mit vermeintlich luxuriösen Schuhen zeigte sich ein mutmaßlicher Verbündeter von Boki beim Landgericht. Von Zwangsprostitution will er aber nichts gewusst haben. Foto: Silas Stein/dpa

Zur Prostitution gezwungen? Davon möchte der Angeklagte beim Prozess gegen die United Tribuns aus VS nichts wissen. Der mutmaßliche Vertraute von Boki lässt verlauten, dass man vielmehr von einer Hochzeit gesprochen hat.

Der Prozess wegen Menschen- und Drogenhandel in Villingen-Schwenningen, in den auch mutmaßliche Mitglieder der United Tribuns verwickelt gewesen sein sollen, biegt auf die Zielgerade ein. Kurz vor Ende der Beweisaufnahme bricht auch ein mutmaßlicher Vertrauter von VS-Rotlichtkönig Boki sein Schweigen.

 

Der 33-Jährige, dem besonders schwere Zwangsprostitution vorgeworfen wird, hatte sich im Gerichtssaal bislang kaum geäußert. Aber: Die ermittelnden Beamten waren davon überzeugt, dass der bullige Typ auf Tuchfühlung mit der Spitze der United Tribuns war.

Einen eigenen Safe habe er in der Villa des Culum-Clans in Bosnien-Herzegowina gehabt, so der Ermittler vor Gericht. Ihm wurde vorgeworfen, eine Frau zur Prostitution gezwungen zu haben, um einen Teil der Erlöse der kriminellen Vereinigung rund um Boki zuzuführen.

Gemeinsam mit Bokis Sohn und einem 23 Jahre alten Angeklagten habe der 33-Jährige laut den Ermittlungen den Menschenhandel in Gang gebracht. Erwirtschaftet worden seien dadurch 540 000 Euro. Geld, welches größtenteils nach Bosnien-Herzegowina geflossen sein soll.

Ein Leben zwischen Heim und Obdachlosigkeit

So weit zumindest die Sicht der Ermittlungsbehörden. Vor Gericht stellt sich der 33-Jährige hingegen in ein ganz anderes Licht. Aufgewachsen sei er in Berlin in bescheidenen Verhältnissen – den Vater kenne er nicht, der zwischenzeitliche Lebensgefährte der Mutter sei gewalttätig gewesen.

Als Teenager sei er im Heim und teilweise sogar ohne Obdach gewesen, er habe zudem unter Depressionen gelitten. Es kam zu ersten Inhaftierungen, dann die Vorwürfe wegen Menschenhandel. Zukünftig möchte er familiäre Verbindungen nach Spanien nutzen und sich dort in einer Immobilienfirma ein neues Leben aufbauen.

Nur Ratschläge, keine Hilft zur Zwangsprostitution

Doch was sagt er zu dem Vorwurf des Menschenhandels? Über seinen Verteidiger lässt er verkünden, dass er mit dem 23-Jährigen in dieser Angelegenheit keine gemeinsame Sache gemacht hat. Stattdessen habe er ihm „Ratschläge“ gegeben, als es um Probleme mit der „Freundin“ ging – dass diese Ratschläge genutzt wurden, um eine Prostituierte weiter zum Sex zu zwingen, habe er nicht gewusst.

Und auch dass er eine aktive Rolle bei der Zwangsprostitution gespielt haben soll, verneint der 33-Jährige. Die mutmaßliche Geschädigte habe er auf einer Party in einem Ferienhaus kennengelernt. Er wisse, dass sie erst 19 oder 20 Jahre alt war – bei der Ausübung der Prostitution habe er sie „unterstützt“, betont der Anwalt des Angeklagten.

Kein eigener Tresor in Bokis Villa

Heißt: Er habe sich um Buchungen in Hotels und Ferienwohnungen gekümmert, zudem über einschlägige Portale Annoncen geschalten. Ihre Tätigkeiten habe er lediglich gebilligt, unter einer Prämisse: Sie soll ihren Job als Prostituierte an den Nagel hängen, wenn sie heiraten.

Tatsächlich sei er zum vorgeworfenen Tatzeitraum Mitglied der United Tribuns gewesen, das mit dem eigenen Safe neben Bokis Tresor entspreche aber nicht der Wahrheit. Vielmehr handle es sich dabei um einen kleinen Tresor im Gästezimmer der Villa, der für eigene Wertgegenstände gedacht war. Geld an die United Tribuns habe er keines abgetreten.

Sucht führt zu Straftaten

Einer der Hauptangeklagten (27), der aufgrund von Drogenhandel eine Haftstrafe von bis zu sieben Jahre erwartet, machte derweil insbesondere seine Rauschgiftsucht und seine belastende Vergangenheit für die Straftaten verantwortlich. Der Sachverständige empfahl der Kammer seine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt, um eine Therapie zu ermöglichen. Andernfalls sei es nicht auszuschließen, dass seine Sucht erneut in einer Drogenbeschaffungskriminalität endet.

Am Dienstag sollen beim Prozess gegen die fünf Angeklagten die ersten Plädoyers gesprochen werden. Mit einem Urteil ist möglicherweise in der kommenden Woche zu rechnen.