Die Tübinger Crona-Kliniken, wo Covid-Patienten behandelt werden, und die Kinderklinik stehen in diesem Herbst stark unter Druck. Foto: Marie-Luise Koschowsky/Uniklinik Tübingen

Die Tübinger Uniklinik ist unter Druck. Weil einzelne Pflegekräfte aufgrund von Überlastung gekündigt oder ihre Arbeitszeit reduziert haben, gibt es weniger Intensivbetten. Zusätzlich zu Corona bringt jetzt noch das RS-Virus die Kinderklinik an den Rand der Belastungsgrenze.

Kreis Tübingen - Die gute Nachricht vorneweg: Noch muss das Uniklinikum Tübingen (UKT) keine geplanten Operationen verschieben. Doch dieser Fall wird aller Voraussicht nach in den kommenden Wochen eintreten. Helene Häberle, leitende Oberärztin der Intensivstation, berichtet unserer Zeitung: "Das Universitätsklinikum stellt sich darauf ein, dass die Kapazitäten der Intensivstation in den nächsten Wochen ausgeweitet werden müssen. Das kann durch ein verändertes OP-Programm erreicht werden, um zusätzliches Personal auf die Intensivstation zu rekrutieren. Dadurch kann die Anzahl der freien Intensivbetten stufenweise angepasst werden."

 

Alle Intensivpatienten sind ungeimpft

Laut Intensivregister des Robert Koch Instituts sind aktuell nur noch zwei Intensivbetten im Kreis Tübingen frei. Wer als Covid-Patient auf der Intensivstation landet, ist nach wie vor in der Regel ungeimpft. Anica Heipl, Pressesprecherin am UKT, berichtet: "Alle 15 Intensivpatientinnen und -patienten sind ungeimpft, das Durchschnittsalter beträgt hier ungefähr 46 Jahre." Auf der Normalstation seien sowohl geimpfte wie auch ungeimpfte Patienten in Behandlung. Von elf Corona-positiven Personen seien dort fünf geimpft und sechs ungeimpft.

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Erschwert ist die Versorgungslage in diesem Herbst und Winter aber nicht nur durch die steigende Zahl an Covid-Patienten. Die fast zweijährige Pandemie hinterlässt ihre Spuren am Krankenhauspersonal. Heipl teilt mit: "Aufgrund von Reduzierung der Arbeitszeit einzelner Mitarbeitenden und dem aktuellen Krankenstand stehen nicht so viele Intensivbetten zur Verfügung wie vor der Pandemie." Einzelne Intensivpflegekräfte hätten aufgrund von Überlastung durch die Corona-Pandemie gekündigt.

Fünf bis zehn Tage im Krankenhaus wegen RS-Virus

Ein weiterer großer Unterschied zum vergangenen Jahr ist, dass noch ein weiteres Virus hinzukommt: Das RS-Virus (Respiratorische Synzytial-Virus) führt zu Erkrankungen der oberen und unteren Atemwege. Besonders häufig betroffen sind Kinder, die zum Teil schwer erkranken. Wenn Kinder mit einer Atemwegserkrankung stationär aufgenommen werden, werden sie zunächst auf das RS-Virus, Influenza und das Coronavirus getestet. Wie ernst die Krankheit ist, beschreibt Heipl: "Kinder mit RSV bleiben in der Regel fünf bis zehn Tage bei uns. Etwa ein Drittel benötigt Sauerstoff, ein Drittel benötigt eine Atemhilfe und ein Drittel eine Intensivtherapie." Das Virus bringt die Kinderklinik an den Rand der Belastungsgrenze. "Wir hatten dieses Jahr bereits Situationen, in denen wir dankbar waren, dass uns die Krankenhäuser in Reutlingen und Böblingen ausgeholfen hatten", sagt Heipl.

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Dass die Infektionswelle mit RSV in diesem Herbst und Winter besonders stark ausfällt, sei allerdings keine echte Überraschung. Heipl sagt: "RSV fiel letzten Winter durch die Corona-Maßnahmen praktisch aus. Dieses Jahr haben wir weniger konsequente Maßnahmen plus die Tatsache, dass die Grundimmunisierung der Kinder abgenommen hat."