Kaum eine öffentliche Gemeinderatssitzung in Loßburg verpasst Peter Holze. Im Gespräch mit unserer Redaktion verrät er, wie er zu diesem ungewöhnlichen Hobby kam. Und, wieso er nie selbst als Gemeinderat kandidiert hat.
Wenn Peter Holze einen Wunsch frei hätte, dann diesen: „Ich hätte so gerne neben mir noch ein paar mehr Zuhörer.“ Meistens ist er der einzige Besucher der öffentlichen Sitzungen des Gemeinderats in Loßburg. Seit vielen Jahren sitzt er vorne links, in der Nähe des Pressetischs, und verfolgt die Beratungen, Diskussionen und Entscheidungen zu den unterschiedlichsten Themen im Gremium.
Holze hat das Sanitärhandwerk gelernt, sein erster Chef war stellvertretender Bürgermeister des legendären Schultes Walter Schmid. Der „regierte“ in Loßburg 41 Jahre lang, von 1958 bis 1999. Holzes Chef wiederum erzählte seinem Stift – so wurden die Azubis damals noch genannt – was es Spannendes aus dem Gemeinderat zu berichten gab. Keine Geheimnisse natürlich, aber in den Aufbruchzeiten der 60er-Jahre gab es viele Veränderungen für die wachsende Gemeinde. Und seit dieser Zeit interessiert sich Holze für die Arbeit des Gemeinderats, das oberste Entscheidungsgremium einer Gemeinde.
Ringen um Entscheidungen
Am Anfang eher sporadisch, da ließen Familie und Beruf nur wenig Zeit. Aber seit seinem Ruhestand, vor elf Jahren hat er seine Berufstätigkeit bei der Firma Arburg beendet, ist er ständiger und gerngesehener Gast bei nahezu allen Sitzungen. „Ich interessiere mich für die Gemeindepolitik, die damals immer öfter von Bauthemen bestimmt wurde“, erinnert sich Holze. In dieser Zeit wuchs die Gemeinde und es entstanden die ersten Neubau- und Gewerbegebiete. „Gerade bei diesen Themen bekommen die Volksvertreter oft Gegenwind“, schildert Holze. Seine Mitbürger fordert er immer wieder auf: „Ihr müsst mal mit zu den Sitzungen des Gemeinderats kommen, um zu sehen, wie da manchmal um Entscheidungen gerungen wird.“
Wahrnehmung in der Öffentlichkeit
Auf die Frage, ob er nie darüber nachgedacht hat, selbst einmal als Gemeinderat zu kandidieren, sagt Holze: „Jetzt bin ich zu alt dafür.“ Früher habe er mit dem Gedanken gespielt, aber er sei sich bewusst, dass man als Volksvertreter in der Öffentlichkeit anders wahrgenommen wird. „Da muss man viel mehr auf das achten, was man sagt. Und man wird viel mehr beobachtet.“ Das wollte er für sich nicht. Gleichzeitig bedauert Holze, dass in vielen politischen Gremien, ob Gemeinderat, Landtag oder Bundestag, das Handwerk extrem unterrepräsentiert sei.
Holze hat in dieser langen Zeit drei unterschiedliche Bürgermeister erlebt. Auf Walter Schmid folgte Thilo Schreiber bis 2012. Seit 2013 ist Christoph Enderle Chef im Rathaus. „Bürgermeister Enderle erklärt sehr gut die zum Teil schwierigen Sachverhalte, das macht er wesentlich besser als seine Vorgänger.“
Komplex und bürokratisch
Und er sagt: „Gemeinderatsmitglied zu sein ist harte Arbeit und kostet viel Zeit.“ Das werde in der Öffentlichkeit nicht immer wahrgenommen und gewürdigt. Wie komplex und bisweilen bürokratisch viele Themen heute seien, auch das habe sich im Laufe der Jahre sehr gewandelt. Im Gegenzug steige die Zeiterfordernis, die für Beratungen, Diskussionen und die Beschlussfassung benötigt werde.
In diesem Jahr sind wieder Kommunalwahlen. Damit wird sich auch die Zusammensetzung der Städte- und Gemeindeparlamente ändern. „Deshalb ist es jetzt besonders wichtig, dass sich auch jüngere Menschen für das interessieren, was in ihrer Gemeinde passiert, bereit sind mitzuentscheiden und Verantwortung zu übernehmen“, appelliert er. Und wartet gespannt, ob er bei der nächsten Sitzung einen Sitznachbarn begrüßen darf.