Trotz steigender Unfallzahlen gab es 2023 weniger Verkehrstote. Das geht aus der Statistik des Polizeipräsidiums Offenburg hervor. Abgesehen von der „Corona-Delle“ gab es noch nie so wenige Verletzte und Tote. Kritisch sieht die Polizei die Cannabis-Legalisierung.
Rund 16 780 Mal hat es 2023 im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Offenburg – Ortenaukreis, Landkreis Rastatt und Baden-Baden – gekracht. Das sind 400 Unfälle mehr (fast 2,5 Prozent) als 2022.
Die Zahl der Unfälle in der Ortenau stieg um 3,5 Prozent auf 9084. Trotzdem zeigten sich Polizeivizepräsident Norbert Schneider, Günther Preis, Chef der Verkehrspolizei, und Verkehrsreferent Tobias Dohl bei der Präsentation der Zahlen zufrieden.
Denn zum einen fiel der Anstieg in der Region geringer aus als im Land (fünf Prozent). Zum anderen liegen die Zahlen „immer noch deutlich unter dem Vor-Corona-Niveau“, so Preis. Allerdings sei auch die „Jahresfahrleistung“ – also wie viel Kilometer Menschen auf der Straße zurücklegen – nicht auf dem Vor-Pandemie-Level angekommen. Die Polizeibeamten hatten trotzdem einige „echte Rückgänge“ zu präsentieren.
Weniger Menschen kommen zu Schaden: Die Zahl der Unfälle, bei denen Menschen verletzt oder getötet wurden, ging um 182 auf 2246 zurück – trotz steigender „Fahrleistung“. Damit wurden gegenüber des Vor-Corona-Jahrs 2019 rund 13 Prozent weniger Menschen verletzt. Dazu haben laut Preis auch Polizeikontrollen beigetragen. Im Ortenaukreis kamen 94 weniger Menschen zu Schaden (minus sieben Prozent) – 1370 wurden leicht, 235 schwer verletzt. Zehn verloren ihr Leben – darunter auch ein Kind. Insgesamt starben in der Ortenau fünf Menschen weniger als 2022. „Mit Ausnahme der Corona-Delle hatten wir noch nie so wenige Verletzte und Getötete“, betonte Preis.
Ein Motorradunfall bleibt besonders im Gedächtnis: Die Zahl der Motorradunfälle ging um 22 auf 349 zurück – eine „sehr erfreuliche Entwicklung“, betonte Preis. Die „massiven Kontrollen auf den Schwerpunktstrecken“ sollen beigetragen haben. Die allermeisten Motorradfahrer seien regelkonform unterwegs, betonte Preis. Die Zahl der getöteten Biker sank um die Hälfte auf drei – alle in der Ortenau. „In Spitzenzeiten war jeder dritte Verkehrstote ein Motorradfahrer“, gab Preis zu bedenken. Zwei der drei tödlichen Zusammenstöße seien selbst verschuldet gewesen. Ein tragischer Unfall behielt Preis besonders in Erinnerung: Ein Elternpaar Anfang 30 war im Mai 2023 auf dem Motorrad bei Gutach tödlich verunglückt. Schuld war ein 54-jähriger Autofahrer, der in einer Rechtskurve einen anderen Wagen überholen wollte.
Geschwindigkeit bleibt häufigste Unfallursache: Bei den meisten Verkehrsunfällen mit Verletzten war die Geschwindigkeit der Auslöser. „Dabei geht es meist nicht so sehr um den Verstoß gegen das Tempo-Limit“, erläuterte Preis. Viel mehr sei „nicht angepasste Geschwindigkeit“ das Problem. Auf den weiteren Plätzen folgen dicht hintereinander Vorfahrtsmissachtungen, Unfälle beim Abbiegen, Wenden oder Rückwärtsfahren sowie mangelnder Abstand zum Vordermann.
Polizei blickt mit Sorge auf Cannabis-Entscheidung: Jeder zehnte Verkehrsunfall wurde durch mangelnde Verkehrstüchtigkeit verursacht. Das heißt, Fahrer waren betrunken, standen unter Drogen, waren übermüdet oder sonst seelisch oder körperlich beeinträchtigt. Die Polizei zählte 375 Unfälle mit Alkohol – die Tendenz sei jedoch rückläufig. Unfälle unter Drogeneinfluss waren es 68, einer weniger als 2022. Die nun beschlossene Teillegalisierung von Cannabis löst bei der Offenburger Polizei Sorge aus. „Cannabis-Legalisierung ist der Verkehrssicherheit nicht zuträglich – das passt nicht zusammen“, konstatierte Schneider. Er gehe davon aus, dass „Drogenunfälle“ seine Kollegen zunehmend beschäftigen werden. Preis forderte hinsichtlich Grenzwerten „Handlungssicherheit“ von der Politik. „Die Polizei orientiert sich am bestehenden Recht und wir werden nach wie vor konsequent kontrollieren und anzeigen“, betonte er.
Fünf von sechs getöteten Radlern ohne Helm unterwegs: Die Polizei verzeichnete 2023 rund 882 Unfälle mit Fahrrädern oder Pedelecs – fast neun Prozent weniger. Bei einem Drittel der Unfälle waren nur die Radfahrer selbst beteiligt. Sechs Radfahrer starben, einer weniger als 2022. Besonders tragisch: Laut Dohl trugen fünf von ihnen keinen Helm. „Ein Helm wiegt nichts, kostet nicht viel, sehen mittlerweile richtig gut aus. Es gibt kein Argument, das gegen das Tragen eines Helms spricht“, mahnte Preis.
75 000 Fahrzeuge täglich
Das Polizeipräsidium ist zuständig für 82 Autobahnkilometer. Laut Günther Preis sind dort täglich 75 000 Fahrzeuge unterwegs. 1034 Mal krachte es 2023 auf der A 5 (2022: 1094). 213 Menschen wurden dabei leicht, 33 schwer verletzt – zwei starben. Auffällig sei, dass Wetterphänomene wie Schlagregen immer häufiger zu Unfällen führten. Preis mahnte zu angepasster Geschwindigkeit und genügend Abstand – der sei lebensrettend auf der Autobahn.