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Unfall auf Schwenninger Steige Mann und Kind verloren: Überlebende will Raser wachrütteln

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Luana Montuori zeigt ein Bild aus glücklichen Zeiten: Die 25-Jährige verlor bei einem Verkehrsunfall ihren Mann sowie ihren Sohn. Foto: Marc Eich

Bei einem dramatischen Raser-Unfall auf der Schwenninger Steig verlor Luana Montuori im Juli 2019 ihren Mann und ihren Sohn, während sie selbst überlebte. Wie die junge Mutter die schreckliche Zeit erlebte, neuen Lebensmut fasste und wie sie nun Raser wachrütteln möchte, lesen Sie in unserem (SB+)Artikel.

Villingen-Schwenningen - Es ist ein Bild aus unbeschwerten Zeiten: Luana lacht gemeinsam mit ihrem Mann Francesco in die Kamera, sie haben dabei die Tochter Joleen und den kleinen Sohn Enrique in ihren Armen. Doch dieses junge Familienglück wurde am 6. Juli 2019 jäh zerstört.

Mann und Sohn sterben, Tochter wird schwer verletzt

Denn an jenem Abend krachte ein junger BMW-Fahrer mit 146 Stundenkilometern auf der Schwenninger Steig in einen überbesetzten Ford, in dem Familie Montuori, aber auch zwei Nachbarskinder mit ihrem Vater, der den Wagen fuhr, saßen. Der 39-jährige Fahrer, Francesco (29) und der kleine Enrique (1) starben – die 25-jährige Luana Montuori sowie ihre vierjährige Tochter Joleen wurden ebenso schwer verletzt wie die beiden Nachbarskinder.

Heute sitzt Montuori am Küchentisch ihrer Mutter, lässt die schreckliche Zeit Revue passieren – und will mit ihren Erzählungen dafür sorgen, dass "nicht auch andere Familie leiden müssen". Von dem folgenschweren Zusammenstoß habe sie nichts mitbekommen. Auch wie es dazu kam, dass mehr Menschen als erlaubt in dem Fahrzeug saßen, weiß die heute 25-Jährige nicht mehr.

Nach dem Koma vom Tod ihrer Liebsten erfahren

Nach ihrem Koma habe sie im Klinikum erfahren, was passiert war – und konnte es nicht fassen. "Ich habe meinen Mann und mein Kind im Traum am Bett gesehen und habe dem Arzt gesagt, dass sie doch da sind", blickt sie zurück. In ihrer unfassbaren Trauer hätten insbesondere die Familie und der engste Freundeskreis dafür gesorgt, dass die eigentlich lebensfrohe Frau nicht abdriftet, den Lebensmut nicht gänzlich verliert. "Als sie im Klinikum war, mussten wir auf sie aufpassen", erzählt ihre beste Freundin Elinda Haxha.

Denn neben den psychischen hat sie auch mit den körperlichen Folgen zu kämpfen. 17 Operationen waren bisher notwendig, um ihre gravierenden Verletzungen zu behandeln. Am seidenen Faden hat ihr Leben dabei gehangen, immer wieder musste sie bei den Eingriffen reanimiert werden, bis sich einige Zeit später ihr Zustand stabilisierte.

Weitere Operationen sind notwendig

Ende August 2019 stand sie das erste Mal wieder, im Januar dieses Jahres folgten aber wieder schwerwiegende Eingriffe an ihren Beinen – laufen wie früher wird sie dennoch nie mehr können. Das steht bereits jetzt fest - und das, obwohl noch weitere Operationen anstehen. "Mein Wunsch war es mal, Polizistin zu werden, das ist jetzt vorbei", erzählt die junge Mutter und betont: "18 Jahre lang war ich im Kickboxen, jetzt fühl ich mich wie im Seniorenleben."

Während sie sich in das Leben zurückkämpft, beginnt auch die juristische Aufarbeitung dieses verhängnisvollen Unfalls. Vor dem Amtsgericht in Villingen begegnet sie zum ersten Mal jenem Mann, der den Crash und damit den Tod ihrer beiden Liebsten verursacht hat. "1000 Gefühle" seien damals in ihr hochgekommen, als sie dem jungen BMW-Fahrer, den sie als "Mörder" bezeichnet, erstmals gegenüber saß.

Montuori legt Rechtsmittel gegen Urteil ein

Vor Gericht tätigte sie ihre Aussage, die allen Beteiligten durch Mark und Bein ging, dann verließ sie weinend den Gerichtssaal. Das Urteil – dreieinhalb Jahre Haft – ist noch nicht rechtskräftig, auch weil Montuori damit nicht einverstanden ist. Über ihre Rechtsanwältin habe sie Rechtsmittel eingelegt, ebenso wie die Verteidigung des BMW-Fahrers. Denn für den 24-Jährigen fordert sie eine "gerechte Strafe". Sie wünsche dem Täter nichts Schlechtes, "auch er leidet bestimmt" – aber sie sei sich sicher, dass er für immer ein Raser bleiben wird. Montuori: "Er soll nie mehr Auto fahren!"

Doch wie schafft es die junge Frau, bei all dem Leid, das sie erfahren hat, neuen Lebensmut zu fassen? "Ich sehe meine Tochter wachsen", antwortet sie. Die Vierjährige hatte den Unfall miterlebt, erzählte von den grausamen Bildern und Eindrücken, die sich nach dem Aufprall im Auto bei ihr eingebrannt hatten.

Junge Mutter sucht eine Wohnung

"Ohne Joleen würde ich heute vermutlich nicht mehr leben", sagt sie unumwunden. Auch ihr neuer Lebensgefährte sowie die neue Arbeitsstelle würden ihr viel Kraft geben. Einziger Wermutstropfen sei derzeit die Suche nach einer neuen Bleibe, nachdem die 25-Jährige kurzfristig wieder bei ihrer Mutter unterkommen konnte. Eine bereits zugesagte Wohnung wurde ihr aus unerfindlichen Gründen kurzfristig verwehrt.

Dass sie mit ihrem schweren Schicksalsschlag auch gegenüber dem Schwarzwälder Boten offen umgeht, ist nicht selbstverständlich – doch für die junge Mutter ist klar: Ihre Geschichte soll dazu beitragen, dass Raser ihr Verhalten auf der Straße überdenken. "Wenn ihr rasen wollt, dann geht zur ­Formel  1", sagt sie bestimmt. Und meint damit ebenso jene, die sich trotz des schrecklichen Unfalls auch auf der Schwenninger Steig noch immer nicht an das Tempolimit halten. Kopfschüttelnd berichtet sie von ihren regelmäßigen Eindrücken an der Unfallstelle: "Die fahren wie die Gestörten da hoch."

Fahrlehrer will beim Aufklären mithelfen

Die jungen Menschen sollen, noch bevor sie überhaupt ihren Führerschein machen, wachgerüttelt werden. Gemeinsam mit ihrem Fahrlehrer, Güngör Tercanli, will sie deshalb mit ihrem Beispiel über die Gefahren der Raserei aufklären. "Ich will, dass die Leute wissen, was da draußen passieren kann", so Tercanli von der Fahrschule Rann in Villingen, der als "Günni" besser bekannt ist.

Immer wieder musste er während der vergangenen zehn Jahre als Fahrlehrer, aber auch bei seinem vorherigen Job als Lkw-Fahrer, über das Verhalten mancher Autofahrer den Kopf schütteln: "Ich könnte da ein Buch darüber schreiben!"

Härtere Strafen für Raser gefordert

Das Duo möchte nun Videos erstellen, diese der breiten Masse zu Verfügung stellen und unter anderem an Schulen für Aufklärung sorgen. Tercanlis Grundsatz: "Fahre mit Kopf, nicht mit Herz und Emotionen!" Er plädiert aber ebenso für härtere Strafen, nimmt das Urteil für den Unfallfahrer von der Steig dafür als Beispiel.

Für ihn sei nicht verständlich, warum die Höchststrafe von zehn Jahren trotz des Todes von drei Menschen nicht ansatzweise ausgeschöpft wurde. "Kein Menschenleben kann mit der Strafe wieder gutgemacht werden, aber für was haben wir sonst dieses Strafmaß?", fragt er. Grundsätzlich sei er nicht dafür, die Menschen zu maßregeln – bei Rasern sehe er aber keinen anderen Weg. Mit Blick auf die drakonischen Strafen in der Schweiz sagt er: "Dort fahren sie ja auch wie die Lämmer!"

Auftritt in SWR-Sendung

Eine erste überregionale Plattform wurde der jungen Mutter und dem Fahrlehrer bereits gegeben. In der SWR-Sendung "Mal ehrlich" zum Thema "Wer stoppt die Autoraser?" erzählte die 25-Jährige von dem schrecklichen Unfall und den Folgen, berührte damit die Herzen der Zuschauer. "Viele Menschen haben sich danach bei mir gemeldet und mir positive Rückmeldung gegeben", erzählt Montouri. "Das gibt mir den Mut zu leben."

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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