An der B 29 bei Lorch sollen Rüttelstreifen falsch abbiegende Autofahrer wortwörtlich wach rütteln. Gegen den Unfall auf der A 81 am Dienstagmorgen hätte das allerdings nicht geholfen. Foto: dpa/Daniel Maurer

Etwa ein Drittel aller Falschfahrerunfälle gehen auf das Konto von Senioren. So wie am Dienstagmorgen, als ein 80-jähriger Mann bei Ilsfeld ums Leben gekommen ist.

Ilsfeld - Ein Lieferwagen mit Pferdeanhänger fährt in der Nacht zum Dienstag auf der Autobahn 81 in Richtung Stuttgart. In Höhe der Anschlussstelle Ilsfeld wendet das Gespann plötzlich und fährt entgegen der Fahrtrichtung zurück. Ein Lastwagen kann dem Wendemanöver gerade noch ausweichen und kracht rechts in die Leitplanken. Kurz darauf ist der Falschfahrer tot. Ein Auto erfasst den 80 Jahre alten Mann auf der Fahrbahn. Offenbar hatte er den Unfall mit dem Lastwagen bemerkt, hatte sein Gespann auf der linken Spur abgestellt und war ausgestiegen, ohne auf den Verkehr zu achten.

 

Der Fahrer und die Beifahrerin im Auto seien mit leichten Verletzungen ins Krankenhaus gebracht worden, sagte eine Sprecherin der Polizei in Heilbronn. An dem Fahrzeug und an dem Lastwagen entstand ein Schaden von zusammen 30 000 Euro. Der Lieferwagen und der Pferdeanhänger wurden nicht beschädigt. Die beiden Pferde konnten unverletzt aus dem Anhänger geführt werden. Die Autobahn blieb für fünf Stunden gesperrt.

1732 Meldungen im Verkehrsfunk

Der 80-Jährige Unglücksfahrer sei offenbar auf dem Heimweg gewesen, sagte die Sprecherin zu dem tödlichen Unfall, der sich gegen 4 Uhr in der Nacht ereignet hatte. Der Mann stamme aus dem Raum Pforzheim. Wie lange er vorher unterwegs gewesen sei, müsse noch ermittelt werden.

Im Verkehrsfunk wird mit erschreckender Regelmäßigkeit vor sogenannten Geisterfahrern gewarnt. Im Jahr 2020 waren es bundesweit 1732 solcher Meldungen. Allerdings geht es meistens glimpflich aus. Im Jahr 2019, als rund 1900 Falschfahrten gemeldet wurden, führten 61 davon zu Unfällen. Neun Kollisionen verliefen tödlich, elf Menschen kamen dabei ums Leben. Die Hälfte der Falschfahrten ereignete sich demnach bei Dunkelheit, 40 Prozent der Meldungen wurden am Wochenende ausgestrahlt.

Gefährdet: Alte, aber auch Junge

Bei den Falschfahrern gebe es zwei auffällige Gruppen, sagte Julian Häußler vom ADAC Württemberg: „Junge Fahrer unter Alkohol- und Drogeneinfluss, sowie ältere Fahrer über 65 Jahre, die durch Medikamente beeinträchtigt sind.“ Allerdings gibt es laut der Polizei bisher keine Hinweise, dass Medikamente beim Ilsfelder Unfall im Spiel waren. Vorsorglich wurde ein Sachverständiger eingeschaltet.

Die Frage der Fahrtüchtigkeit von Senioren sei ein „schwieriges Thema“, sagte der Landesvorsitzende des Seniorenrates, Eckart Hammer. Eine generelle Altersgrenze sei nicht sinnvoll. Oft könnten ältere Fahrer Einschränkungen durch Erfahrung und angepasstes Verhalten – zum Beispiel langsameres Fahren – ausgleichen. Zudem seien öffentliche Verkehrsmittel häufig immer noch nicht barrierefrei zugänglich, die Bedienung der Fahrkartenautomaten sei zu kompliziert, Haltestellen lägen zu weit entfernt. „Das Auto garantiert gerade für Ältere die Mobilität.“

Mut zum Sicherheitstraining

Allerdings sei es gut, wenn Senioren von ihren Angehörigen ermutigt würden, regelmäßig ein Fahrsicherheitstraining zu absolvieren. In 17 europäischen Ländern sind Nachprüfungen verschiedener Art mit 65, 70 oder 80 Jahren Pflicht. Sechs Länder setzen solche Tests sogar noch früher an, in Portugal bereits bei 50-Jährigen.