Die aus Horb-Mühringen stammende Jana Kesenheimer ist seit Längerem eine der besten Ultradistanz-Radfahrerinnen der Welt. Jetzt macht sie sich auf zu einem besonderen Abenteuer.
In diesem Jahr hat Jana Kesenheimer bereits vier in der Szene sehr bekannte Ultrarennen bestritten – und fuhr bei allen Vieren aufs Podium.
Erste Station in diesem Jahr war das „Dead Ends and Dolci“ rund um Bellinzona im Tessin. Die 480 Kilometer mit ihren fast genau 9000 Höhenmetern bewältigte die Ex-Mühringerin auf ihrem Rennrad in genau 23:45 Stunden und musste sich als zweite Frau im Ziel nur der Ex-MTB Weltmeisterin Natalie Schneitter geschlagen geben.
„Viel wichtiger als die Platzierung war aber für mich, mein persönliches Sub-24h-Ziel, also unter 24 Stunden das Ziel zu erreichen,“ freut sich Kesenheimer im Rückblick.
Filmstar in „No Dead Ends“
Ihre Erfahrungen im Rennen wurden in einem kurzen Film festgehalten – wie bereits 2020 im Dokumentarfilm „Three Peaks & In Between“, den auch das Subiaco-Kino gezeigt hatte. Der jetzige Film „No Dead Ends“ bringt neben tollen Eindrücken auch eine ganz persönliche Botschaft mit sich. Auf Youtube ist der neue Film über Jana Kesenheimer unter https://www.youtube.com/watch?v=iVgQ2-XCqWU bereits zu sehen.
Top-Leistung auch auf dem ungewohnten Mountainbike
Nach ihrem erfolgreichen Saisoneinstand stand mit dem „The Memory Bike Adventure“ bereits die nächste Herausforderung an. Dieses Rennen ist Teil eines Festivals zum Gedenken an die Schrecken des ersten Weltkrieges. Es führt von Bassano del Grappa nach Asiago über rund 720 Kilometer und 20 000 Höhenmeter entlang der damaligen Frontlinie zwischen Österreich und Italien und durch ehemalige Kriegsschauplätze des Ersten Weltkriegs. Dieses Rennen ist als reines Mountainbike-Rennen deklariert, und so musste Jana Kesenheimer eigens dafür das Sportgerät wechseln. Immer wieder durch heftige Gewitter unterbrochen, zeigte sie trotz der widrigen Bedingungen und des ungewohnten Mountainbikes ihre ganze Klasse und kam hinter der Amerikanerin Cynthia Frazier, dem Superstar der Ultraszene, auf Platz zwei.
Jana Kesenheimer dazu: „Nachdem wir unsere Bikes nachts durch alte Schützengräben schoben, wagte danach niemand mehr zu leiden. Die Abbruchquote bei diesem Rennen lag bei etwa 50 Prozent.“
800 Kilometer beim Badlands-Klassiker
Danach kehrte die Wahl-Innsbruckerin aber dem Mountainbike erst einmal wieder den Rücken zu und stieg beim Badlands, einem der international prestigeträchtigesten Ultrarennen, vergleichbar mit Wimbledon im Tennis, wieder auf ihr Gravel-Rennrad. Rund 800 Kilometer und insgesamt 16 000 Höhenmeter sind beim bei diesem Klassiker in Spanien zu bewältigen – durch Europas einzige Wüste, die Gorafe und Tabernas, und auf Europas höchstgelegener Straße, dem Pico del Veleta.
Heftige Temperatur-Unterschiede
Dazu kam, dass das Rennen den seit Langem einzigen Regentag in der Wüste erwischte und die Pedaleure dadurch mit Temperaturen von 2 bis 42 Grad Celsius zu kämpfen hatten. Wieder musste sich Jana Kesenheimer nach einer Fahrzeit von etwas über drei Tagen der Amerikanerin Frazier geschlagen geben. Allerdings war auch die Britin Cara Dixon vor Kesenheimer im Ziel. Dixon, die bis vor Kurzem noch unter dem männlichen Namen Cameron bekannt war, sorgt allerdings wie einige andere Transgender-Frauen in der Leichtathletik und im Schwimmsport weltweit für Kontroversen, da sie sich jüngst einer Geschlechtsumwandlung unterzogen hatte und nun als Cara in die Frauenklasse wechselte.
Das wohl größte Abenteuer des Jahres wartet nun aber in Japan auf Jana Kesenheimer, die „Japanese Bike Odyssey“. Dieses 2700 Kilometer lange Ultrarennen führt quer über die japanische Hauptinsel von der für ihr Wagyu-Rind bekannten Stadt Kagoshima im Südwesten Japans bis nach Hachinohe im Norwesten Japans und verspricht neben den 20 000 zu bewältigenden Höhenmetern auch sehr vielseitige Streckenbedingungen über die voraussichtlichen zwölf Tage auf dem Rennrad.
Selbstversorgung ist angesagt
Wie bei allen dieser Ultra-Rennen muss auch hier völlig jeder Athletin und jeder Athlet selbst für sich sorgen – ohne fremde Hilfe, selbst bei Pannen. Zum ersten Mal wird Jana Kesenheimer in einem Zweierteam starten, zusammen mit ihrem Partner Alex. „Das wird also sicherlich nicht nur kulturell, sprachlich, und kulinarisch eine ganz neue Erfahrung“ blickt die 28-Jährige schon voller Enthusiasmus voraus. Am Freitag ging der Flieger nach Japan, Start ist am kommenden Dienstag, 24. Oktober.
Wer Lust hat, kann Jana Kesenheimers Abenteuer per Tracking online verfolgen: https://japaneseodyssey2023.maprogress.com/. Sie geht mit Startnummer 52 ins Rennen durch das Land der aufgehenden Sonne.