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Trauerfeier für Manfred Rommel Stuttgart dankt einem mutigen OB

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Die offizielle Trauerfeier in der Stiftskirche wird für Normalbürger auf eine riesige Leinwand in St. Eberhard übertragen. Foto: Max Kovalenko

Stuttgart - Stuttgart hat Abschied genommen von einem ehemaligen Oberbürgermeister, der schon zu Lebzeiten fast eine Legende war. Etwa 800 Gäste gedachten Manfred Rommels noch einmal bei der offiziellen Trauerfeier. Tausende von Bürgern verfolgten die Übertragung.

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Die Landeshauptstadt stand am Donnerstag ganz im Zeichen des Abschieds von Manfred Rommel. In den politischen Machtzentralen in Stuttgart hielt man inne – die Spitzen von Land und Stadt nahmen sich Zeit, würdevoll des toten Weggefährten zu gedenken.

Die Trauerfeier

In der Evangelischen Stiftskirche stehen am späten Donnerstagvormittag nicht nur die Trauer und das Abschiednehmen von Rommel im Vordergrund. Hier bricht sich auch Dankbarkeit Bahn, dass Rommel mit seinen besonderen Gaben Jahrzehnte in Stuttgart wirkte. Ganz besonders mit seinem Mut, notfalls auch gegen den Strom zu schwimmen und gegen die öffentliche Meinung aufzutreten. Dankbarkeit auch für Rommels Humor und Menschlichkeit.

Allein schon die vielen Trauerkränze sprechen Bände. Neben Rommels Frau Lilo und der Familie erweisen damit viele andere dem verstorbenen Alt-OB und ehemaligen CDU-Politiker ihre Reverenz – vom Bundespräsidenten und dem Auswärtigen Amt bis zum amtierenden OB und dem Gemeinderat. Vom Haus Württemberg bis zur US-Army der Standortgemeinde Garrison. Vom VfB Stuttgart bis zum Verband Afrika-Korps, der sich Manfred Rommels Vater, dem Generalfeldmarschall und „Wüstenfuchs“ Erwin Rommel, immer noch verbunden fühlt. Auch die CDU von Land, Landtag und Stadt hat Kränze geschickt. Sie spielt an diesem Tag darüber hinaus aber keine Rolle. Ebenso wenig der Bund, der bei Rommels Abschied aus dem OB-Amt 1996 mit dem Kanzler Helmut Kohl in Stuttgart vertreten war.

Rund 800 nehmen in der Stiftskirche Abschied

Viele andere sind aber zum Abschied von Rommel in die Stiftskirche gekommen, insgesamt rund 800. Darunter ist der einstige Stuttgarter Theaterchef Claus Peymann, dem Rommel im sogenannten Deutschen Herbst während der Turbulenzen um Terroristen seine Stelle gerettet hat. Auch die ehemaligen CDU-Ministerpräsidenten Erwin Teufel, Lothar Späth und Stefan Mappus haben in der Stiftskirche Platz genommen, der Historiker Eberhard Jäckel, Herzog Friedrich von Württemberg und Ex-Finanzminister Gerhard Mayer-Vorfelder, ein enger und treuer Freund Rommels. Auf der Empore dürfen auch spontan gekommene Bürger Zeugen der Trauerfeier werden, obwohl die Stiftskirche eigentlich geladenen Gästen vorbehalten ist.

Sie können miterleben, wie Württembergs Evangelischer Landesbischof Frank Otfried July Rommels „demokratisches Rückgrat“ und die „innere Freiheit seines Handelns“ herausstreicht. Rommels Humor sei getragen gewesen von tiefen Einsichten ins menschliche Leben – „und Humor ist auch ein Fenster zum lieben Gott“. Ein Hornquartett der Stuttgarter Philharmoniker spielt Wagner und Bruckner. Thomas von Lüdinghausen (Flöte) und Andreas Gräsle (Orgel) spielen Mozart.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann hebt hervor, dass „wir den Verlust einer Leitfigur zu beklagen haben, von der Faszination ausging“. Land und Stadt verlören einen „begnadeten Integrator“, der in seiner aktiven Zeit „Ideologien in pragmatische Politik überführte“. Seine Machtbefugnisse habe Rommel uneitel und sehr gelassen ausgeübt. Noch einmal lobt der Regierungschef Rommels Distanz zur eigenen Person, sein Augenmaß, seine Absage an Pathos und seinen Humor. Ganz besonders aber die Fähigkeit, mit wenigen mutigen Sätzen Konflikte in der Stadtgesellschaft „niederzuschlagen“.

Kretschmanns einfühlsame Rede

Drei Sätze hebt Kretschmann besonders hervor: dass im Tod alle Feindschaft enden müsse, gesprochen im Streit um das Begräbnisrecht für drei tote Terroristen. Dass der wirre Mann, der auf der Gaisburger Brücke mehrere Polizisten tötete, auch ein Schwabe hätte sein können. Und den „dritten ganz bedeutenden Satz“ in Rommels Amtszeit: „Deutschland ist ein Einwanderungsland.“

Mit seiner einfühlsamen Rede macht Kretschmann deutlich, dass er sich Rommel in vielem verbunden fühlte. Dann hält er vor dem Rommel-Porträt mit Trauerflor inne, ehe er Rommels Tochter Catherine sein Beileid ausspricht, ganz besonders aber der tapferen Witwe Lilo Rommel, die gefasst wirkt, vom Verlust ihres Mannes nach fast 60 Jahren gemeinsamen Lebensweges aber gezeichnet ist.

OB Fritz Kuhn (Grüne) zollt Rommel als einem „couragierten und mutigen Mann“ Respekt. Sein Vorvorgänger, sagt Kuhn, habe den Mut aufgebracht, „nicht unbedingt das Erwartete zu sagen, aber das Nötige“. Was diesen Politiker und Staatsmann von großem Rang ausgemacht habe, „kann uns niemand nehmen“, sagt Kuhn fast ein wenig trotzig. Auch der Tod schaffe das nicht, will Kuhn damit sagen. Er bringt auch einen Rommel-Spruch zur Sprache, der heute noch im Rathaus die Runde mache: „Den Löffel abgeben muss jeder – nur nicht im November – da sind die Blumen zu teuer“. Rommel selbst allerdings starb am 7. November. Unwillkürlich schweift der Blick der Trauergäste wieder zu den vielen Kränzen und Blumen.

Enkelin Sarah rührt die Trauernden

Mehr Emotion ist zu spüren, als Rommels unmittelbarer Nachfolger und politischer Ziehsohn Wolfgang Schuster (CDU) dem toten Freund für die politische Lehre und die Förderung dankt. Mit seiner Toleranz und seiner authentischen Persönlichkeit habe Rommel viel zu einem positiven Bild von Deutschland im Ausland beigetragen.

Rommels Enkelin Sarah (11), die neben der trauernden Liselotte Rommel sitzt, will in der Stunde des offiziellen Abschieds ungeplant ihr Herz erleichtern. Mit ihrer Mutter Catherine geht sie zum Mikrofon und dankt ihrem Plüscheisbären Fred. Ihn hatte sie vor elf Wochen ins Krankenhaus gebracht, damit er auf der Intensivstation über den Opa wache. Die Hoffnung, dass der Großvater nach 18 Jahren Kampf gegen die Schüttelkrankheit Parkinson die Folgen eines schweren Sturzes bewältigen und nach Hause zurückkehren könnte, ging allerdings nicht in Erfüllung. Rommel starb am Donnerstag vergangener Woche 84-jährig.

Für eine andere Denkwürdigkeit in der Trauerfeier hatte Rommel selbst noch vorgesorgt: dass in der Feier aus dem fünften Buch Mose gelesen wurde. Dort wird das Volk Israel angehalten, mit den Fremden in ihrem Land gut umzugehen und sie zu lieben, denn auch sie seien einmal Fremde in Ägypten gewesen.

Diese Passage lässt noch einmal aufblitzen, was Rommel wichtig war und warum Stuttgart für seinen menschlichen Umgang mit Flüchtlingen bekannt werden konnte. Vielleicht kann es auch als letztes Signal des ehemaligen Oberbürgermeisters an seine Stuttgarter gewertet werden, die sich ihm in großer Zahl immer so verbunden fühlten. Viele dürften das Signal empfangen haben, schließlich übertrug der Südwestrundfunk die Trauerfeier live im dritten Fernsehprogramm. Außerdem hätten rund 2500 Zuschauer den Livestream im Internet abgerufen, teilte die Stadtverwaltung mit. Das seien im Vergleich sehr viele.


Eine Bilderschau, die auf einer Leinwand Stationen von Rommels Leben zeigt, empfängt die Besucher der Domkirche St. Eberhard. Die offizielle Trauerfeier in der Stiftskirche wird für Normalbürger auf eine riesige Leinwand in das 200 Jahre alte Gotteshaus an der Königstraße übertragen.

26 Fotos, im Wechsel mit erklärendem Text, stimmen die rund 400 meist älteren Gäste auf die Feier ein. Rommel als Baby, als vierjähriger Bub, als Jugendlicher in Wiener Neustadt, als Flakhelfer, dann als Oberbürgermeister. Das letzte Foto zeigt ihn bei seinem 80. Geburtstag, milde lächelnd.

Draußen hasten die Menschen bei Schmuddelwetter zu ersten Einkäufen über die Einkaufsmeile. Drinnen im Dom ist es still und gut geheizt. Keiner verdreht hier auf der Suche nach Prominenz den Kopf, Die Reihen sind nicht sehr dicht besetzt, aber in der Stiftskirche wäre für diese Trauergemeinde kein Platz mehr gewesen. Die Bürger hätten auf der Stiftstraße vor dem Gotteshaus in Regen und Kälte gestanden. Da ist die Übertragung die bessere Lösung.

Auf der Königstraße erzählt man sich von Rommel

Kurz vor der Übertragung spricht Hubert Hiller, Leiter des Verwaltungszentrums des Katholischen Stadtdekanats, ein paar Worte. „Sterben – lieber nicht. Aber wenn, dann in Würde.“ Diese Worte habe Rommel auf eine Karte des Hospizes St. Martin drucken lassen. „Wir verneigen uns in Dankbarkeit und Ehrfurcht vor einem Menschen, dem das Wohl der Menschen in der Landeshauptstadt ein Anliegen war“, sagt Hiller, und verlässt das Rednerpult. Einen Augenblick später erscheint Landesbischof Otfried July auf der Leinwand. Alle erheben und bekreuzigen sich. Das Vaterunser wird auch hier gesprochen, das Lied „Bewahre uns Gott“ vor dem Schlusssegen mitgesungen. Nach dem Ende der Übertragung, nach eindreiviertel Stunden, verlassen die Menschen ruhig die Kirche. Draußen auf der Königstraße bilden sich noch ein paar Grüppchen, erzählen von ihren Begegnungen mit Rommel.

Der Empfang

Im Großen Sitzungssaal des Rathauses ergreift nach der Trauerfeier ein weiteres Mitglied der Familie Rommel spontan das Wort: Catherine Rommel, die Adoptivtochter des Alt-Oberbürgermeisters und seiner Frau. Beim Empfang von Land und Stadt für die Gäste der offiziellen Trauerfeier zeigt sie sich dankbar für die Hilfe, die Manfred Rommel und den Angehörigen vor und nach Rommels Tod im Katharinenhospital geleistet wurde. Und sie zeigt sich beeindruckt von den Würdigungen und Auszeichnungen, die ihrem Vater im Lauf von Jahrzehnten zuteil wurden – bis zuletzt. Die Frau, die nach Manfred Rommels Verstummen künftig für die Familie sprechen muss, leiht ihrem Vater jetzt ihre Stimme. Sie zitiert ihn mit den Worten, mit denen Rommel sich selbst über die Fülle der Ehrungen belustigt hat: „Die Zahl der Titel will nicht enden. Am Grabstein stehet: bitte wenden!“

Viele, die das im Sitzungssaal hören, kennen das noch gut von Rommel selbst. So wie es die Land und Stadt mit dem Empfang bezweckt haben, finden viele noch einmal im Gespräch über den Alt-OB zusammen, ehe sie gehen: Altbürgermeister der Stadt, amtierende oder ehemalige Abgeordnete und Stadträte sowie frühere Mitarbeiter von Rommel wie die damaligen Messedirektoren Rainer Vögele und Walter Gehring. Auch der Theatermann Claus Peymann ist dazu eingeladen, der es bedauert hatte, dass er in der Stiftskirche nicht reden konnte. Als Grund hatte die Stadtverwaltung den Wunsch der Familie nach einer kompakten Trauerfeier genannt.

Als sich der Sitzungssaal gegen 15 Uhr leert, ist der öffentliche Abschied von einem großen Mann der Politik vorbei – nun ist es an der Zeit für die Familie, den Abschied vom ganz privaten Manfred Rommel zu vollziehen. Wann er mit der Urnenbeisetzung auf dem Sillenbucher Ostfilderfriedhof seine letzte Ruhestätte erhalten wird, lässt die Familie am Donnerstag offen.

 
 

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