Christin Löhner setzt sich für Mensch ein, die im falschen Körper geboren worden sind. Sie leitet eine Selbsthilfegruppe, in der über alles Mögliche, aber auch Wege zur Geschlechtsangleichung geredet wird. Das erste Treffen findet am Samstag, 24. Februar, statt.
Der Raum ist lichtdurchflutet, die helle Holztäfelung gibt ihm ein warmes Ambiente. „Hier finden die Treffen der Selbsthilfegruppe statt“, verrät Christin Löhner und setzt sich vor die große Regenbogen-Fahne.
Löhner ist Vorsitzende der Vereinigung von Menschen mit Variante der Geschlechtsentwicklung (VDGE) und kürzlich von Radolfzell nach Fischingen gezogen.
Widerspruch von Körper und Wissen
„Stell dir vor, du bist ein Polizist, der in einem unglaublich hässlichen Clownskostüm steckt, dass er nicht ausziehen kann“, wählt sie ein Beispiel.
Bei Transmenschen stimme das „Gehirngeschlecht“ nicht mit dem Geschlecht des Körpers überein. „Ich hatte einen naturgegebenen männlichen Körper, aber meine Gefühle und mein Wissen sind weiblich“, erläutert sie. Dieser Widerspruch führe bei Betroffenen oftmals zu Depressionen bis hin zu Suizidversuchen.
Ein großer Freundeskreis
20 Prozent der Transmenschen versuchten, sich umzubringen, führt Löhner mit Bezug auf statistische Daten aus. „Wenn ich in Frieden mit mir leben will, muss ich meinen Körper meinem Wissen angleichen“, erklärt sie die Konsequenz.
Bei ihren monatlichen Treffen redeten sie über Gott und die Welt, gäben sich Tipps, wenn es darum geht, Anträge für die Krankenkasse oder eine geschlechtsangleichende Operation zu stellen. „Wir sind wie ein großer Freundeskreis“, beschreibt Löhner die Atmosphäre.
Geschlechtsangleichung kein Wunschkonzert
2016 hatte sie am Bodensee die erste Selbsthilfegruppe für Menschen gegründet, die sich ihrem von Geburt an zugewiesenen Geschlecht nicht zugehörig fühlten. Seither bildeten sich deutschlandweit weitere Gruppen.
„Viele Menschen denken, wir machen die Geschlechtsangleichung zum Spaß“, spricht sie ein häufiges Vorurteil an. Doch sei solch ein Prozedere definitiv kein Wunschkonzert.
Angestarrt wie im Zoo
„Wir zerstören unseren Körper mit der Hormonersatz-Therapie und verlieren Familienmitglieder oder Freunde, die nicht mit unserer Entscheidung klarkommen“, gibt sie Einblicke in die Situation von Transpersonen.
„In der Öffentlichkeit werden wir angestarrt, als wären wir im Zoo“, geht die Webentwicklerin auf Begegnungen im Alltag ein.
Ausflüge und Grillabende
Bis vor kurzem hatte Löhner noch die Selbsthilfegruppe in Radolfzell geleitet, doch nun hat es sie nach Fischingen verschlagen, wo sie mit ihrem Engagement weitermachen möchte.
„Wir können auch gemeinsame Grillabende veranstalten oder Ausflüge machen“, spinnt sie ihre Gedanken weiter. Auch fände einmal im Jahr ein großes Treffen in Frankfurt statt, das man besuchen könne.
Anonyme Beratung möglich
„Früher kamen bis zu 20 Personen in die Selbsthilfegruppe“, blickt sie zurück. Es könne aber auch sein, dass an dem Tag niemand komme. „Da ist es gut, dass es bei mir zuhause stattfindet“, meint sie schmunzelnd. Denn sei einmal niemand da, könne sie sich einfach an ihren Rechner setzen und arbeiten.
Darüber hinaus gibt sie auch Beratungen von Betroffenen für Betroffene. „Die Gespräche laufen anonym ab und selbstverständlich überliege ich der Schweigepflicht“, erklärt Löhner.
Treffen am 24. Februar
Jeder aus der Region, der sich davon angesprochen fühle oder sich für das Thema interessiere, könne zur Beratung oder dem Gruppentreffen kommen.
Das erste Treffen der Selbsthilfegruppe findet am Samstag, 24. Februar, um 18 Uhr, Hofgärtenstraße 13 in Sulz-Fischingen statt.