30 Sternrochen wie diese wurden am Freitag in der Schutter bei Kuhbach gefunden. Foto: Polizeipräsidium Offenburg

Die toten Salzwasserfische im Bach bei Lahr haben die Tierrechtsorganisation alarmiert: „Fische sind fühlende Lebewesen“

Ein Unbekannter hat in der Vorwoche 30 Sternrochen und eine Meerbarbe in die Schutter bei Kuhbach geworfen. Ein Polizeisprecher sagte, dass die Tiere möglicherweise noch lebten und erst im Bach gestorben seien, da es sich um Salzwasserfische handelt.

 

Um den Fall aufzuklären, hat Deutschlands größte Tierrechtsorganisation Peta am Dienstag eine Belohnung von 1000 Euro für Hinweise ausgesetzt, die zur rechtskräftigen Verurteilung der oder des Verantwortlichen führen. Wer etwas beobachtet hat oder weiß, soll sich demnach bei der Polizei (Telefon 0781/21 27 17) oder bei Peta melden – unter Telefon 0711/8 60 59 10 oder per E-Mail an info@peta.de. Auch anonyme Hinweise seien möglich.

„Wir sollten Fische einfach in Ruhe lassen, anstatt sie, egal ob für Aquarien oder für unsere Ernährung, ihrer Heimat, dem Meer, zu entreißen“, so die Meeresbiologin Tanja Breining, Fachreferentin für Fische und Meerestiere bei Peta, laut einer Mitteilung der Tierrechtsorganisation. „Mit unserer Belohnungsauslobung möchten wir darauf aufmerksam machen, dass Fische ebenso fühlende Lebewesen sind wie Hunde und Katzen. Es muss endlich ein Umdenken stattfinden – wir dürfen Fische nicht länger als Dekorations- und Unterhaltungsobjekte einsperren oder sie für eine kurze Mahlzeit qualvoll töten.“

Tierquälerei sei kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat nach Paragraf 17 des Tierschutzgesetzes, und könne mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren geahndet werden, wird in der Mitteilung von Peta betont. Fachleute aus der Psychologie und Justiz seien sich mittlerweile einig, dass Vergehen an Tieren vermehrt Aufmerksamkeit verlangen. Aggressionsforscher Christoph Paulus von der Universität des Saarlandes sagt dazu: „Geschätzte 80 bis 90 Prozent aller extremen Gewalttäter haben vorher bereits Tiere gequält.“

Experten schätzen den Fall ein

Was könnte hinter der Tat stecken? Unsere Redaktion hat sich bei lokalen Experten umgehört. Diplom-Biologe Peter Rudolph hört im Gespräch mit der LZ zum ersten Mal von dem obskuren Fund. „So etwas ist mir noch nie untergekommen“, sagt der Wissenschaftler hörbar überrascht. „Das ist wirklich ein starkes Stück.“ Rudolph kennt sich mit ausgesetzten Fischen aus: Vergangenen Herbst hatte er teils riesige Fische aus dem Teich im Lahrer Kleinfeldpark geholt, in dem die Population zu groß geworden war.

Der Biologe glaubt, dass sich die Person, die die Fische in der Schutter ausgesetzt hat, gut mit ihnen auskannte. Zu ihrer Haltung sei schließlich ein recht großes Salzwassergehege notwendig. „Ein Standardaquarium reicht da nicht“, erklärt er. Für den Biologen ist die Tat vollkommen unverständlich. Wer so viele Tiere besitze, müsse doch eine große Leidenschaft für sie haben.

Fische werden häufiger ausgesetzt

Dass Fische häufiger ausgesetzt werden, bestätigt Martin Spirgatis, Vorsitzender des Tierschutzvereins Lahr. In den Seen der Region lebten viele Fische, die dort nicht hingehören. Wer die Tiere loswerden wolle, solle sich zuerst an Bekannte und dann an einschlägige Homepages wenden. Als letzte Möglichkeit kämen jene Tierheime in Betracht, die Fische aufnehmen. In seinem Verein sei dies aber nicht möglich. Spirgatis hält es für möglich, dass hinter dem aktuellen Fall ein Gastronom oder ein Lebensmittelhändler steckt.

Die toten Fische bestätigen Spirgatis in seiner Forderung, eine verpflichtende Sachkunde für Tierbesitzer zu etablieren. Geplant sei dies aktuell nur für Hunde. „Das nächste Haustier ist aber aktuell nur einen Mausklick entfernt“, kritisiert er.