In Neuhausen im Enzkreis erinnert ein Ghostbike an den verunglückten Radaktivisten Andreas Mandalka. Foto: StZN

Der Tod des Radaktivisten Andreas Mandalka macht seine Community betroffen. Am Unfallort hatte er sich hingegen keine Freunde gemacht. Wer war der überzeugte Radler? Und woher kommt die Wut?

Ein weiß lackiertes Mountainbike, Blumen, Gedenktafeln und Erinnerungsstücke – in Neuhausen im Enzkreis erinnert am Straßenrand ein Ghostbike an Andreas Mandalka, den Radaktivisten, der hier vor rund zwei Wochen bei einem Verkehrsunfall starb.

 

Es ist eine typische Landstraße, auf der der im Netz Natenom genannte, 43 Jahre alte Pforzheimer ums Leben kam. Bis zu 100 Kilometer pro Stunde sind hier erlaubt. „Aus noch unbekannter Ursache kollidierte ein Citroën-Fahrer mit dem vorausfahrenden Mountainbikefahrer“, hieß es in einer ersten Mitteilung der Polizei kurz nach dem Unfall am 30. Januar. Andreas Mandalka soll sich auf seinem Heimweg in Richtung Pforzheim befunden haben, als es gegen 19.20 Uhr zu dem tödlichen Unfall kam. Gegen den 77-jährigen Autofahrer ermittelt die Polizei wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung.

Auf seinem Blog schrieb er über gefährliche Überholmanöver und forderte mehr Sicherheit. „Innerhalb der deutschen Rad-Community hatte er sich einen Namen gemacht“, heißt es in einem Nachruf für ihn.

Von „provokantem Fahrstil“ ist die Rede

In Neuhausen und Umgebung hingegen hatte er sich in den vergangenen Jahren mit seiner Liebe zum Rad unbeliebt gemacht. Für viele im Ort war Mandalka eine Reizfigur im Straßenverkehr. Mit der Kamera am Helm filmte er Vergehen im Straßenverkehr und zeigte sie bei der Polizei an. Offen sprechen die Menschen hier über seinen „provokanten Fahrstil“. Er sei auf der Mitte der Spur gefahren, nicht am Rand. Allzu betroffen zeigt sich im Ort kaum jemand. „Das haben ihm viele prophezeit“, drückt es sogar jemand aus. Angeblich soll Andreas Mandalka auch versucht haben, sich auf der Straße nicht überholen zu lassen, wie gleich mehrere Menschen im Ort erzählen. Ob er das tat, um die Autofahrer zu ärgern – wie hier manch einer andeutet – oder weil er sich gefährdet sah? Das wird sich nie mehr klären lassen.

Heftige Äußerungen fallen aber auch auf der anderen Seite. Im Netz wird der am Unfall beteiligte 77-jährige Autofahrer von so manchem als „Mörder“ und „Totmacher“ bezeichnet. Auch die Bürgermeisterin in Neuhausen, Sabine Wagner, sieht sich und ihre Verwaltung teils heftigen Anfeindungen ausgesetzt: „Das hat inzwischen wirklich die Grenze erreicht.“

„Selbst im Tod schlägt Andreas noch Hass entgegen“

Zugespitzt hat sich die Stimmung offenbar vor wenigen Tagen nach einer Raddemo zum Andenken an den Aktivisten. Unbekannte verwüsteten die Erinnerungsstätte – zum großen Entsetzten der lokalen Rad-Community. Die Polizei ermittelt wegen Störung der Totenruhe. „Selbst im Tod schlägt Andreas noch Hass entgegen von – wir können es nur vermuten – gewaltbereiten Autofahrern“, sagt Martin Mäschke vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) in Pforzheim. Er hofft, dass die Polizei den Vorfall „ernster nimmt als die Anzeigen, die Andreas gegen gewalttätige und gefährdende Autofahrer gestellt hatte“. Diese seien fast immer abgewiesen oder eingestellt worden, behauptet Martin Mäschke.

Die Polizei will sich zu solchen Vorwürfen im Detail nicht äußern, das sei aus „Datenschutzgründen nicht möglich“. Ein Sprecher der Polizei erklärt jedoch: „Wir nehmen Anliegen von jedem Verkehrsteilnehmer ernst und ermitteln bei Straftaten sorgfältig.“ Andere Behörden wie das Landratsamt oder auch die Stadt Pforzheim erklären auf Anfrage, dass Andreas Mandalka bei ihnen bekannt gewesen sei, etwa wegen seiner Anzeigen gegen Autofahrer und seinen Anliegen rund um die Verkehrslage.

Auch die Pforzheimer Straße, auf der Mandalka verunglückte, war Teil der Auseinandersetzungen mit den Behörden. Im Jahr 2021 erwirkte der Aktivist gegenüber der Verkehrsbehörde im Landratsamt, dass Radlerinnen und Radler nicht mehr verpflichtet sind, den schmalen Weg, der parallel verläuft, benutzten müssen. Sie können entscheiden, wo sie fahren wollen.

Dürfen Radler die Straße nutzen?

„Mandalka hat sich hier – wie viele andere Radaktivisten es tun – für diese Freiheit eingesetzt“ , erklärt Oliver Müller, Leiter des Straßenverkehrs und Ordnungsamts des Landkreises. Eine „dokumentierte Gefährlichkeit“ müsse vorliegen, um Radlern die Fahrt auf der Straße zu untersagen. „Grundsätzlich darf ich als Verkehrsteilnehmer alle Straßen nutzen, für die mein Fahrzeug zugelassen ist“, erklärt Müller.

Die Frage danach, ob Mandalka nicht einfach den Radweg hätte nutzen können, treibt viele in Neuhausen und Umgebung um. Bürgermeisterin Sabine Wagner findet, der Weg sei „in einem guten Zustand“. Er weise zwar an ein paar Stellen kleinere Löcher auf, gehöre aber „zu den beliebtesten und frequentiertesten Radwegen“ der Gemeinde.

Andreas Mandalka sah das anders. In einem Blogeintrag schrieb er: „Ich werde mich auch weiterhin für die Fahrbahn entscheiden, die alle paar Jahre saniert wird und im Gegensatz zum Weg rechts eine gute Qualität aufweist.“ Nun erinnern dort neben dem weiß lackierten Fahrrad kleine Elefanten auf Pappschildern oder kleine Kuscheltiere an den Aktivisten. Denn Andreas Mandalka war meist mit seinem „Kagube“, einem 14 Zentimeter großen Kuscheltierelefanten bei seinen Touren unterwegs. Für seinen Blog machte der Pforzheimer sogar Fotos von ihm bei seinen Ausflügen. Die Rad-Community will Andreas Mandalka und ihn in Erinnerung halten und nutzt den kleinen Elefanten nun im Netz als Symbol für mehr Verkehrssicherheit.