Mathias Mieg (links) und sein Cousin Jochen Mieg vor einer 1,20 Meter großen Tipp-Kick-Figur – natürlich mit DFB-Trikot. Gemeinsam freuen sie sich über das Firmen-Jubiläum. Foto: Marina Schölzel

Dieses Spiel kennt wohl fast jede Familie: Tipp-Kick. Die Schwenninger Firma rund um das kultige Fußball-Spiel feiert in diesem Jahr das 100. Jubiläum. Anlässlich dieser Feier hat sich das Unternehmen etwas Besonderes ausgedacht.

Es ist ein Spiel für die ganze Familie und hat die Familien über die Grenzen Schwenningens hinaus seit Generationen und seit Jahrzehnten treu begleitet.

 

Das Spiel besteht aus Kicker, einem Torwart und natürlich einem Ball. Gespielt wird zwei Mal fünf Minuten, die Farbe auf dem Ball – schwarz oder weiß – gibt an, wer als nächstes am Zug, oder besser, mit dem Kicken dran ist.

Die Rede ist von Tipp-Kick. Das beliebte Fußball-Spiel, das auf jeden Küchentisch passt, feiert in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag – mit einer besonderen Aktion. Doch was macht das Spiel so beliebt?

Früher waren sie aus Blei, jetzt aus Zinn

1924 startete Edwin Mieg das Tipp-Kick-Imperium. In Nürnberg wurden die Kicker im Kokillenguß – also mit Blei – gegossen. Heutzutage benutze man Zinn, denn zur Zeit des Zweiten Weltkriegs wurde Blei „für etwas anderes genutzt“, wie Mathias Mieg erzählt, der heutzutage mit seinem Cousin Jochen Mieg das Familienunternehmen weiterführt.

Gibt es in verschiedenen Ausführungen – die Tipp-Kick-Figuren. Foto: Marina Schölzel

So haben die kleinen Kicker mit dem roten Knopf über dem Kopf in ihrer 100-jährigen Geschichte bereits viel durchlebt – den Nationalsozialismus, die ersten Schritte der Menschheit auf dem Mond, den Bau und Fall der Berliner Mauer sowie die Gründung der Europäischen Union, um einige zu nennen. Doch eins habe sich nicht verändert: Die Funktionsweise der Spielfiguren und der Spaß am Spiel.

Ein simples Spielfür die ganze Familie

„Die Leute lieben unser Spiel, weil es so simpel ist“, erklärt Mathias Mieg. Die Regeln orientieren sich natürlich am „echten“ Fußball, wenn auch in abgeschwächter Form.

Wie sehr die Leute ihr Spiel lieben, wurde den Cousins Mieg erst kürzlich auf der weltgrößten Spielwarenmesse in Nürnberg wieder bewusst, wo sie bereits seit 73 Jahren mit einem Messestand vertreten sind. „Die Leute kamen zu uns an den Stand und haben sich bei uns für das Spiel bedankt“, lächelt Mathias Mieg glücklich. „Ein Vater hat uns erzählt, dass er das Spiel jeden Abend mit seinem Sohn spielt.“

Auch Fans gibt es natürlich für den Rand des Spielfelds – die auf Knopfdruck entweder jubeln oder Buh-Rufe schreien. Foto: Marina Schölzel

Aus diesem Grund sieht er auch digitale Fußball-Spiele wie „Fifa“ als keine Gefahr für ihr Tipp-Kick. „Zu jeder Entwicklung gibt es auch eine Gegenentwicklung“, erklärt Mieg. Und Tipp-Kick sei diese analoge Gegenentwicklung. „Es gibt sonst kein Spiel, wo ein Opa solch leuchtende Augen bekommt, weil er es immer mit seinen Enkeln spielt“, schätzt sich der Tipp-Kick-Geschäftsführer froh.

Tipp-Kick erkannte früh den Trend zum Online-Handel

Doch gab es auch schlechtere Zeiten für die Schwenninger Firma. Der Fachhandel tue sich schwer, nicht nur in Schwenningen, auch in der ganzen Bundesrepublik sei das die Entwicklung, wie Mieg als Geschäftsführer beobachtet hat. Glücklicherweise habe man bei Tipp-Kick frühzeitig einen Online-Shop eingerichtet, jetzt werde über verschiedene Online-Kanäle verkauft. Zu Anfangs sei das nur Kundenservice-Gründen eingerichtet worden: So fragte etwa ein Tipp-Kick-Spieler aus Hamburg an, wo er denn eine spezielle Spielfigur herbekommen würde. Mittlerweile mache der Online-Handel 80 Prozent des Umsatzes aus.

Auslagerung der Produktionnach Fernost

In den Jahren 2016 bis 2018 kam dann der größte Umbruch für die Firma in der Schwenninger Dickenhardtstraße. Ein Großteil der Produktion wurde nach Fernost ausgegliedert. Das habe sich so ergeben, da die Nachfrage stark schwankend sei, erklärt Mieg. Die einzelnen, feinen Details werden jedoch noch in Schwenningen vorgenommen. Firmen könnten so Figuren mit einem speziellen Look bestellen, die dann in Schwenningen ihr Trikot aufgemalt bekommen. „Uns ist es wichtig, mit einer kleinen Mannschaft noch hier vor Ort zu agieren“, beteuert Mieg.

WMs wie in Katar wirken sich auf das Geschäft aus

Das Geschäft mit dem Tipp-Kick-Spiel wird jedoch auch von gesellschaftlichen Ereignissen beeinflusst: In diesem Jahr sei wieder ein starkes Umsatzjahr angesagt, denn schließlich finde die Fußball-EM in Deutschland statt. Zu diesem Zweck wurde ein neues Tipp-Kick-Spiel im DFB-Look herausgebracht, die Tipp-Kick-Figuren erstrahlen im Trikot der Nationalmannschaft. „Die Lizenz dafür zu bekommen, war schon schwierig und langwierig“, plaudert Mieg aus dem Nähkästchen. Vergangene, unbeliebtere, Weltmeisterschaften, wie die in Katar, haben sich auf das Tipp-Kick-Geschäft ausgewirkt. Zum Zeitpunkt des ersten Corona-Lockdowns habe das Geschäft floriert, weil jeder plötzlich zu Hause saß.

Und auch eine andere Sache floriert – die Tipp-Kick-Fans haben eine regelrechte Tipp-Kick-Community gebildet. Sogar einen deutschen Tipp-Kick Verband gibt es. Dieser hat aus dem Familienspiel einen echten Sport gemacht: Rund 50 Clubs nehmen derzeit am Liga- und Pokalspielbetrieb teil –ganz wie die großen Fußballer. Dabei sei für die Geschäftsführer stets wichtig zu betonen, dass der Verband und die Fan-Communitys unabhängig vom Unternehmen fungieren, wie Mieg betont.

Turnier im Juni

Anlässlich des 100-jährigen Firmenjubiläums wird am Wochenende des 8. Junis und 9. Junis in der „Geburtsstadt von Tipp-Kick“ eine Tipp-Kick-Meisterschaft stattfinden. Hier spielt Spieler gegen Spieler und das in verschiedenen Runden. Ein Startgeld gibt es keins, der Anmeldeschluss ist der 24. Mai. Über zwei Tage lang wird in der Schwenninger Neckarhalle eins gemacht – leidenschaftlich getipp-kickt.