Im Institut für Tiergestützte Therapie in Sasbachwalden im Ortenaukreis helfen Hund und Esel mit, Menschen in schwierigen Lebenssituationen zu unterstützen.
Stress abbauen, aktiver sein, mehr mit der Natur leben, Ruhe ausstrahlen, ein Begleiter gegen Einsamkeit und Seelentröster sein: Menschen können ganz schön viele Wünsche und Erwartungen an Tiere haben. Auch setzen sie sie gezielt für Therapien und in Coachings ein. Über einen reichen Erfahrungsschatz in diesem Bereich verfügen Bettina Mutschler und Dr. Rainer Wohlfarth in ihrem Institut für Tiergestützte Therapie „Ani.Motion“ in Sasbachwalden im Ortenaukreis. Dort lebt und arbeitet das Paar mit vier Eseln und einem Hund zusammen.
Der achtsame Umgang mit Tieren soll die eigenen Ressourcen hervorbringen
In ihrem Institut geht es zum einen um den achtsamen Umgang mit den Tieren, der die eigenen inneren Ressourcen hervorbringen soll. Zum anderen richten sich die Therapieangebote an Personen, die psychische Beschwerden haben, in schwierigen Lebenssituationen stecken und Unterstützung benötigen.
Wie muss die Mensch-Tier-Beziehung gestaltet sein, dass wir Tiere ethisch vertretbar als Co-Therapeuten einsetzen dürfen? Diese Frage ist für das Paar zwischenzeitlich zum Lebensthema geworden. „Jeder kennt die Delfintherapie, aber nur wenige wissen, dass auch Hund, Pferd oder Esel Ähnliches vollbringen können.“ Im Gegensatz zu Delfinen sei dieser Einsatz auch noch tiergerechter, erläutert Bettina Mutschler (Jahrgang 1968). „Therapien mit Wildtieren wie dem Delfin lehne ich komplett ab“, sagt die Expertin. Durch die Aquariumhaltung habe das Tier keine Möglichkeit, das Treffen mit dem Menschen von sich aus abzubrechen. „Wenn unsere Esel keine Lust mehr haben, dann verziehen sie sich in den Stall. Oder der Hund läuft einfach davon.“
Kuschelhormon
„Tiere scheinen uns auf intuitive Weise positiv zu beeinflussen. Mann muss nur Kinder beobachten, die ihrem Haustier all ihre Nöte und Sorgen anvertrauen oder zuschauen, wie sie lernen, Verantwortung für andere zu übernehmen, wenn sie sich um ihr Haustier kümmern“, schreibt das Paar in seinem neuesten Buch „Wie Tiere uns gesund machen“. Die Wissenschaft beginne erst allmählich zu verstehen, wie die Wechselwirkung der Mensch-Tier-Beziehung wirke.
„Die heilende Wirkung von Tieren ist kein esoterischer Quatsch“
Dabei gebe es zwei seltsam auseinanderdriftende Haltungen: „Zum einen tun viele Menschen die heilende Wirkung der Tiere als esoterischen Quatsch ab. Und auf der anderen Seite schreiben viele spirituelle Menschen den Tieren einen besonderen siebten Sinn zu. Aus unserer Sicht stimmt beides nicht. Die positive Wirkung von Tieren lässt sich sehr wohl wissenschaftlich beschreiben, und Tiere brauchen keinen siebten Sinn“, so Mutschler. Denn sie beeinflussen den Menschen über neuronale, physiologische und hormonelle Prozesse. Als Beispiel nennt der Coach die wohlige Wirkung, wenn man ein Tier streichelt.
Tieren geht es um die Person, nicht um deren Verhalten
Das „Kuschelhormon“ (Oxytocin) sorgt für Vertrauen, wärmere Beziehungen und macht uns empfänglicher für zwischenmenschliche Signale. Konkret: Oft kommt ihre Barbet-Hündin, ein französischer Wasserhund, in den Sitzungen auf ihre Klienten zu, legt ihnen den Kopf auf die Knie und suggeriert damit: Hast du ein Problem? Dann kannst du mich jetzt gerne streicheln. „Tiere doktern nicht am Verhalten der Menschen rum, es geht ihnen immer um die Person.“ Dies mache den Unterschied, so Mutschler.
Farbratte für Kinder
Dass Tiere den Menschen körperlich und seelisch gesünder machen, schlage sich auch in Zahlen nieder. Das Paar bezieht sich auf Studien aus Kanada. Darin wird beschrieben, dass Tierbesitzer weniger Leistungen von Krankenkassen beziehen und Pflegedienst oder Krankenhaus weniger in Anspruch nehmen als Menschen, die kein Tier besitzen. Besonders gut dokumentiert ist demnach der Einfluss von Hunden auf die Gesundheit und Zufriedenheit ihrer Besitzer: Diese leiden weniger häufig an Depressionen, Angst oder Einsamkeit.
Katzen sind für ältere Personen die richtige Wahl
Für ältere Menschen sei oft eine Katze die richtige Wahl, für Kinder seien Farbratten ideal. „Diese sind sehr zahm und pflegeleicht“, so Mutschler. Vom Kaninchen für den Einstieg rät sie eher ab: „ Sie kommen leicht in Stress, verfallen dann in eine Schockstarre – und ihre Besitzer interpretieren dies fälschlicherweise als zahm.“
Zur Person
Bettina Mutschler
ist Spezialistin für tiergestützte Therapie. Als Coach setzt sie Hunde und Esel in ihrer Arbeit mit ihren Klienten ein. Neben ihrer Tätigkeit als Referentin bei „Ani.Motion“, dem Institut für tiergestützte Therapie in Sasbachwalden, leitet sie eine eigene Schule zur bindungsgeleiteten Hundeerziehung.
Dr. Rainer Wohlfarth
ist Psychologicher Psychotherapeut mit Schwerpunkt Verhaltenstherapie und Neuropsychologie. Er besitzt eine eigene Praxis und leitet das Institut „Ani.Motion“.