Auf der Schillerhöhe gibt es einen Frühstücksservice. Serviert werden halbierte Hühnerflügel auf dem Balkon des Sulzers Peter Gayer. Ein ausgefallenes Frühstück – allerdings nicht für die Zielgruppe: ein Rotmilan-Pärchen.
Seinen Frühstücksgast empfange er seit mehr als einer Woche, teilt Gayer mit. Von einem Bekannten aus Hochdorf habe er mitbekommen, wie der einen Rotmilan zutraulich gemacht hatte. Der Bekannte habe vier Wochen gebraucht, bis der Rotmilan zu ihm gekommen ist, bei ihm hingegen habe das sofort am ersten Tag funktioniert, berichtet der 71-Jährige begeistert.
Ein plötzlicher Schlag
Dafür habe er eine Hundepfeife gekauft mit einem hohen Ton. Auf diese Weise – so scheint es ihm zumindest – könne er mit den Greifvögeln kommunizieren. Wenn ein Rotmilan also morgens um 9.30 Uhr über den Dächern seines Wohngebiets kreise, dann pfeife er ihm mit seiner Hundepfeife hinterher und lege ihm einen halbierten Hühnerflügel in die Ecke seines Balkons. „Dann gehe ich rein und setze mich an meinem Laptop. Auf einmal tut es einen Schlag, und ich sehe, wie er wegfliegt und den Schlegel mitnimmt“, erklärt Gayer.
Schon seit mehreren Jahren beobachte er das Vogelpaar und eignete sich einiges an Wissen über das Internet an. Er vermute, dass das Vogelpaar im Bereich vom alten Steinbruch wohnt. Im Winter sei es stets abgezogen – nach Spanien, wie er annimmt. „Wenn es erfolgreich gebrütet hat, kommt es in sein altes Nest zurück. Ist das nicht der Fall, sucht es sich wohl ein neues“, erklärt der Vogelflüsterer. Derzeit habe das Vogelpaar Junge.
Nicht verboten
Über das Füttern habe er sich im Vorfeld Gedanken gemacht. Gerade weil die Rotmilane momentan Junge hätten, bräuchten sie viel Futter, um diese zu versorgen, sagt Gayer. Dabei könne es für die Greifvögel problematisch werden, ausreichend Futter zu finden.
Entstehendes Aas werde sofort zur Seite geräumt und stehe so den Vögeln nicht zur Verfügung. „Es ist nicht verkehrt anzufüttern und da was zu tun.“ Auch sei es in Deutschland, im Gegensatz zur Schweiz, rechtlich nicht verboten, Vögel auf eigenem Areal Futter anzubieten.
Kurze Besuche
Der Rotmilan sei eine „imposante Erscheinung“ mit einer Spannweite von 1,80 Metern und einer Größe von 70 Zentimeter. „Ein Riesentier“, bemerkte der 71-Jährige.
Besonders interessant ist für Gayer, der selbst Gleitschirmflieger ist, die Flugtechnik der Greifvögel zu beobachten. Zunächst kreise dieser über dem Balkon auf der Suche nach dem Futter und ziehe dann die Flügel zusammen, um dann kurz vor dem Balkon „auszuflaren“, sich den Happen zu schnappen und sich dann Richtung Steinbruch runterfallen zu lassen, wo er, so vermutet Gayer, das Weibchen samt Junge füttert.
Auch seine elfjährige Tochter ist von den Greifvögeln begeistert. „Für mich und meine Tochter ist es eine Bereicherung“, so der 71-Jährige. Insbesondere beim ersten Besuch eines Rotmilans habe es bei beiden kein anderes Thema mehr gegeben, auch wenn die Besuche kurz ausfallen.
„Er ist vielleicht nur drei Zehntelsekunden da, wenn der kommt“, erläutert Gayer. Er setze sich nicht auf den Balkon, sondern schnappe sich sein Frühstück im freien Flug. „Es ist schon ein Schauspiel“. Entsprechend schwer sei es, den Besucher mit der Kamera festzuhalten. Dies gelinge nur über laufende Filmaufnahmen.