Der schwere Unfall auf dem Zebrastreifen in der Hauptstraße in Nordstetten entfacht eine Debatte: Sollte es auf der Ortsdurchfahrt Tempo 30 geben, weil zu viele Fahrzeuglenker dort zu schnell fahren? Wir haben mit Ortsvorsteher Markus Bok gesprochen.
Am Donnerstagmorgen wurde ein siebenjähriges Mädchen auf dem Schulweg von einem Auto erfasst. Seither berichteten unserer Redaktion Anwohner, dass es schon in der Vergangenheit zu heiklen Situationen auf der Hauptstraße gekommen sei. „Viele Autofahrer rasen hier durch“, berichtet ein Vater zweier Kinder.
Man lebe als Anwohner in ständiger Sorge. „Die Leute sind noch rücksichtsloser geworden. Und manche machen sich gar keine Gedanken, dass sie damit Menschenleben gefährden.
Im Ortschaftsrat ist die Meinung bisher geteilt
Im Ortschaftsrat war man dem Ortsvorsteher Markus Bok zufolge in der Vergangenheit geteilter Meinung, wenn es um eine Tempo 30-Zone auf der Durchfahrtsstraße gehe. „Bisher gab es eine Mehrheit dafür, dass der Verkehr rollen soll“, erklärt er die Position der Befürworter von Tempo 50.
Deren Sorge sei, es könne mit einer 30er-Zone schwieriger werden, schnell einmal beim Bäcker anzuhalten. Andere Räte haben diese Befürchtung nicht. In der Initiative Lebenswerte Städte und Gemeinden sind beispielsweise 1011 Gemeinden aus ganz Deutschland vertreten, die selbst gerne Tempo 30 als Höchstgeschwindigkeit innerorts anordnen wollten. Dem Bündnis beigetreten sind Horb, Empfingen, Eutingen, Freudenstadt, Sulz, aber auch Rottenburg.
Zwei Zebrastreifen sollen reaktiviert werden
Dort, wo die reguläre Innerort-Geschwindigkeit 50 Kilometer betrage, gebe es an beiden Straßenseiten Fußgängerwege sowie einen Zebrastreifen, erläutert Bok. „Wir machen uns dafür stark, einen ehemaligen Zebrastreifen wieder zu reaktivieren sowie einen neuen anzulegen“, verrät er. Sollte beides gelingen, hätte der Ort beim katholischen Kindergarten und Nordstetten-West zwei zusätzliche Fußgängerüberwege.
Bok: Wenn Tempo 30, dann auch strenge Kontrollen
Würden sich alle Verkehrsteilnehmer an die geltenden Regeln halten – und etwa an einem Zebrastreifen anhalten, sollte die Verkehrssicherheit auch mit Tempo 50 gewährleistet sein, stellt Bok fest. Für eine 30er-Zone hält er strenge Kontrollen für unerlässlich. „Dann braucht es auch einen Blitzer, der Geschwindigkeitsübertretungen misst“, fordert er. Andernfalls sei das Aufstellen eines Tempolimit-Schildes nur ein „zahnloser Tiger“.
Laut Auskunft der Polizei kann das Gutachten des hinzugezogenen Experten noch mehrere Wochen in Anspruch nehmen. Unterdessen gibt es gute Nachrichten. Das betroffene Kind soll laut Rektorin Annekathrin Scharf noch in dieser Woche wieder in die Schule zurückkommen. Auch Scharf macht sich aktuell Gedanken, wie die Sicherheit auf den Schulwegen verbessert werden könne.