In seiner Show bei Amazon Prime darf der Comedian Teddy endlich alles machen, was er will: Zum Beispiel ungeniert schwäbeln, seiner Mössinger Heimat ein Denkmal setzen und Iris Berben bei einem Casting wie eine Anfängerin behandeln.
Seit diesem Dienstag sind bei Amazon Prime die beiden finalen Episoden der „Teddy Teclebrhan Show“ verfügbar. Im Interview spricht der Comedian über seine Begeisterung für den schwäbischen Dialekt und verrät, dass er auch seine Hater liebt.
Herr Teclebrhan, Sie setzen in Ihrer Show einem Jugendhaus in Mössingen-Bästenhardt ein Denkmal. Ich habe früher mal in Mössingen gearbeitet und glaube, der Stotzenhof sah überhaupt nicht so aus wie Ihr Bühnenbild.
Nee, stimmt. Der Stotzenhof war nur ’ne Scheune, eine Baracke.
Eine Baracke aber, die für Sie so wichtig war, dass diese jetzt das Herzstück Ihrer Show darstellt.
Ich liebe Mössingen, und ich bin sehr verbunden mit dem Schwabenland, weil das die Heimat ist, die mich geprägt hat. Und die Zeit im Stotzenhof war so schön, dass ich mich dafür entschieden habe, dem noch mal so einen Moment zu geben. Der Stotzenhof war zwar eine Baracke, war total runtergekommen, aber es ging um das Innenleben, um das Gefühl, das wir damals dort hatten. Und das spiegelt das Studio in seiner Buntheit wider.
Werden Sie auch nostalgisch, wenn Sie an Ihre Rolle in der Mundartserie „Laible und Frisch“ denken, in der Sie vor 15 Jahren mitgespielt haben?
Klar, das stand ich das erste Mal richtig vor der Kamera. Das bedeutet mir total viel. Ich hatte damals zwar nur zwei Drehtage, aber ich werde trotzdem immer wieder danach gefragt. Ich weiß noch, wie ich zum Dreh gefahren bin und dachte: Ey krass, ich verdiene jetzt zwei Tage lang ein bisschen Geld.
Und außerdem durften Sie schwäbeln.
Ich mag das Schwäbische schon sehr. Der Dialekt löst immer ein schönes Gefühl bei mir aus. Wenn ich jemand schwäbeln höre, egal, wo ich bin, habe ich das Bedürfnis hinzugehen und zu fragen, woher er kommt. Sie wissen ja, wie das ist, man hört heraus, aus welcher Region der vielleicht sein könnte.
Inzwischen haben Sie schon in einigen Filmen und Serien mitgespielt und waren der Gastgeber mehrerer Shows. Was ist nun das Besondere an der „Teddy Teclebrhan Show“?
Eine TV-Show, die durchgehend und durchweg Teddy ist, gab es so noch nie. Dass mir Prime Video die Möglichkeit gibt, mit einem tollen Team so eine Show zu bauen, ist echt krass.
Vor allem, weil Sie ständig neue Ideen haben, gerne mal das Konzept umwerfen und damit – wie man hört – die Produzenten der Show immer wieder vor Herausforderungen stellen. Sind Auftritte von Teddy Teclebrhan denn überhaupt planbar?
Man kann mit mir planen, den Rahmen festlegen. Wie ich den bespiele, weiß ich anfangs zwar selber noch nicht, aber ich weiß, dass ich den bespielen kann. Das ist so wie bei einem Fußballer: Ich gehe gut vorbereitet aufs Spielfeld, und dann guck ich, was passiert, das eigentliche Spiel lässt sich nicht planen.
Durften Sie wirklich einfach machen, was Sie wollten?
Total. Ich bin eigentlich zurückhaltend, was Fernsehen betrifft. Ich hab mal da was gemacht, tauch mal dort auf, sage aber auch viele Sachen ab. Die bei Prime Video haben aber bei der ersten Staffel von „LOL“ kennengelernt, wie ich arbeite, dass ich reingehe und einfach mache. Und ich glaube, die Beziehung, die wir da aufgebaut haben, hat dazu geführt, dass die gesagt haben: Teddy, mach einfach dein Ding! Ich glaube, die größte Herausforderung für alle, die mit mir arbeiten, ist, mir zu vertrauen.
Vertrauen Sie sich immer selbst?
Ja! Ich weiß aber auch, dass ich an manchen Tag vielleicht nichts finde. Aber das ist okay. Wichtig ist, dass ich fürs Publikum auf die Suche gehe – auch live. Ich improvisiere für den ganz besonderen Moment.
Wie viel von Ihren Shows ist improvisiert?
Ich habe immer einen roten Faden, es gibt immer eine Dramaturgie, aber ich rede auch viel mit dem Publikum. Und wenn jemand da ist, der ein Talent hat und das teilen will, dann teile ich gerne meine Bühne mit ihm. Und ey, da tauchen manchmal Leute auf! Zum Beispiel bei der letzten Tour in Stuttgart in der Schleyerhalle. Die Arena war voll, und ich habe gefragt, wer hat Lust, was zu machen? Und dann hat so ein sympathischer, hünenhafter Typ gestreckt. Der hat dann was gesungen – und die Leute sind ausgerastet. So ein Talent! Unglaublich! Es gibt so viele Talente, dass ich manchmal auf der Bühne stehe und mich frage: Was mache ich hier?
In der ersten Episode der „Teddy Teclebrhan Show“ überlassen Sie gewissermaßen auch der Schauspielerin Iris Berben die Bühne. Eine Ihrer Figuren, Antoine Burtz, veranstaltet da ein Casting für einen Film, und Iris Berben ist als Bewerberin urkomisch.
Iris Berben hat mich total geflasht. Alle Schauspielerinnen und Schauspieler, die da mitgemacht haben, haben mich geflasht. Das war ja alles improvisiert. Was die plötzlich ausgepackt haben! Ich hab immer gedacht: Wie großartig seid ihr eigentlich? Und die beste Szene mit Iris konnten wir leider gar nicht verwenden: Als die Szene zu Ende war und sie rausgegangen ist, kam sie nämlich noch mal rein, und es entstand was Einmaliges. Weil sie aber was gesungen hat und es Schwierigkeiten mit den Musikrechten gegeben hätte, konnten wir das nicht nehmen.
Sie können aber auch ernst: Als eine Correctiv-Recherche aufgedeckt hat, dass es dieses rechtsextreme Geheimtreffen mit AfD-Funktionären gab, haben Sie auf Instagram ein persönliches, nachdenkliches Video veröffentlicht. Macht Ihnen Angst, was derzeit in Deutschland und der Welt passiert?
Nein, Angst macht es mir nicht. Ich frag mich nur, was wir als Menschen da eigentlich gerade machen. Ich informiere mich über die aktuellen Geschehnisse, aber sorge dafür, dass ich mich nicht in einer Nachrichtenspirale bewege, damit mein Geist sauber und klar bleibt. Ich habe zu Hause auch keinen Fernseher. Aber ich war da im Hotel und habe Nachrichten geschaut. Da dachte ich nur: Was passiert da? Was ist nur los mit uns? Ich bin überzeugt davon, dass man anders Politik macht, wenn sie von Menschlichkeit bestimmt wird. Stattdessen wollen viele ihr Ego durchsetzen. Umso mehr passiert, was gerade passiert, umso mehr sollten wir doch darauf aufmerksam machen, dass wir hier gemeinsam leben, dass wir zugewandt bleiben sollten. Alles andere spaltet nur. Ein bisschen Herz aufmachen.
Unter dieses Instagram-Reel hat jemand geschrieben: „Schade, Teddy, dass du jetzt auch auf die Mainstreammedien reinfällst!“
Jeder hat seine Meinung und seine Überzeugung. Jeder lebt seine ganz eigene Realität. Es ist okay, dass wir diskutieren. Das ist auch wichtig. Der darf das schreiben, wenn er das fühlt und denkt. Ich schicke ihm trotzdem Liebe!
Teddy und „Die Teddy Teclebrhan Show“
Person
Teddy Teclebrhan (40) wächst als Sohn eritreischer Flüchtlinge im schwäbischen Mössingen auf. Erstmals auf sein komisches Talent machte er in der Mundartserie „Laible und Frisch“ (2009–2010) auf sich aufmerksam. Inzwischen zählt er zu den erfolgreichsten Comedians Deutschlands. In seinen Programm schlüpft er immer wieder in unterschiedliche Rollen. Am beliebtesten sind die Figuren Antoine Burtz, Percy, Lohan Cohan und Ernst Riedler.
Show
„Die Teddy Teclebrhan Show“ startet am 20. Februar beim Streamingdienst Prime Video. Wöchentlich werden zwei Folgen veröffentlicht. Die Staffel hat insgesamt sechs Episoden.
Live
Teddy geht im Jahr 2025 auf große Deutschlandtournee. Auftakt ist am 9. April in der Festhalle Frankfurt. Das Finale findet am 11. Juli in der MHP-Arena in Stuttgart statt.