Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes der deutschen Industrie und neue Aufsichtsratsvorsitzende des VfB Stuttgart: Tanja Gönner Foto: BDI

Sie prägte die baden-württembergische Landespolitik in den Nuller-Jahren entscheidend mit, ehe sie die Seiten wechselte. Nun rückt Tanja Gönner an die Spitze des Aufsichtsrats beim VfB Stuttgart.

Politische Neutralität wird in der Satzung des VfB Stuttgart groß geschrieben. Weshalb es in der Vergangenheit stets Vorbehalte gab, prominente Politiker wie Günther Oettinger oder Cem Özdemir mit einem Amt im Verein zu betrauen. Nun ist aber genau das eingetreten: Mit Tanja Gönner führt eine ehemals hochrangige Politikerin den Aufsichtsrat des VfB Stuttgart an.

 

Nach der Dimission von Präsident Claus Vogt in Folge des Porsche-Einstiegs und dem Wunsch nach Veränderung im Kontrollgremium des Fußball-Bundesligisten rückt die 54-Jährige auf den Vorsitz vor. Eine jahrelange Vollblut-Politikerin in Diensten der CDU, die nach ihrem Abschied aus der aktiven Politik 2012 beruflich die Seiten gewechselt hat.

VfB-Fan aus Sigmaringen

Zunächst und für zehn Jahre als Vorstandssprecherin für Internationale Zusammenarbeit tätig, steht sie seit 2022 dem mächtigen Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) vor. Die Juristin und gebürtige Sigmaringerin soll helfen, die deutsche Wirtschaft wieder flott zu bekommen. Und nun auch, den VfB in der Erfolgsspur zu halten. „Ich freue mich über das große Vertrauen und die neue Herausforderung. Ich versichere allen Mitgliedern, in engem Austausch mit ihnen die Interessen des Vereins bei allen wichtigen Entscheidungen zu vertreten“, wird Gönner zitiert. Der schwäbische Traditionsclub ist ihr eine Herzensangelegenheit, Gönner ist lebenslanges Mitglied. Von ihrer Vorstellung beim BDI existiert ein Video, wie sie auf ihrem Schreibtisch ein weißes Trikot mit rotem Brustring ausbreitet. Ihre Kindheit habe sie vor allem auf Fußballplätzen verbracht, steht in ihrer Vita. Ihr Vater war Schiedsrichter.

Später entwickelte Gönner schnell ein Gespür dafür, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. 2004 wurde sie von Ministerpräsident Erwin Teufel zur Sozialministerin berufen, was als damals junge Frau im CDU-Dünkel einer kleinen Sensation gleichkam. Günther Oettinger machte sie zur Umweltministerin, Stefan Mappus später zur Verkehrsministerin. Der 2011 abgewählte Ministerpräsident zählte zu den engsten Vertrauten Gönners – genauso wie Alt-Bundeskanzlerin Angela Merkel. In Wirtschaft und Politik ist die Schwäbin bis heute bestens vernetzt.

Enge Vertraute von Angela Merkel

Mit der Macht-Übernahme durch die Grünen in Baden-Württemberg 2011 ging auch die politische Karriere Gönners langsam zu Ende. Mitglied der CDU ist sie weiterhin. Mit Grabenkämpfen kennt sich die langjährige Bundestagsabgeordnete also aus. Und dürfte insofern keine Startschwierigkeiten haben, wenn es darum geht, den elfköpfigen Aufsichtsrat des VfB Stuttgart an der Spitze zu führen. Seit sie im September 2022 in das Gremium eingezogen war, lehnte sie Interviewanfragen ab. Nun wird sicher wieder öfter von Tanja Gönner zu hören sein.