Der Schwarzwald ist bekannt für sein durchwachsenes und regional sehr unterschiedliches Klima. Foto: PhotoGranary - stock.adobe.com

Die Gartenschau steht vor schwierigen klimatischen Herausforderungen. Wie die Planer damit umgehen, haben Geschäftsführerin Cornelia Möhrlen, Marketing-Experte Heiko Klumpp und Landschaftsgärtnerin Philippa Stolle unserer Redaktion verraten.

Harte Winter, viel Regen, relativ milde Temperaturen im Sommer: Dafür steht der Schwarzwald. Mit diesem regional sehr unterschiedlichen Klima muss sich auch die Gartenschau im Jahr 2025 auseinandersetzen.

 

Drei Arten von Vegetation wird es deshalb bei der Gartenschau geben – das verrät Landschaftsgärtnerin Philippa Stolle. Dazu gehören Daueranlagen wie Bäume und Wiesen sowie einzelne Ausstellungsbeiträge, bei denen sich der Aussteller Gedanken darüber macht, was er mit seiner Fläche darstellen möchte.

Dazu kommt der sogenannte Wechselflor. „Das sind relativ spektakuläre Pflanzungen, die optisch auch was hermachen“, so Stolle. Was den Planern wichtig ist: Klimaverträglichkeit. Bei den Daueranlagen lösen sie dieses Problem mit Klimabäumen.

Was sind Klimabäume?

„Das sind Bäume, die mit den steigenden Temperaturen, aber auch mit den Bedingungen im urbanen Raum, klarkommen.“ Es handle sich dabei vor allem um Arten aus Osteuropa oder Amerika, wie die Landschaftsgärtnerin berichtet. Dort sei das Klima im Sommer besonders heiß und trocken, im Winter hingegen sei es sehr kalt.

Als Beispiel zeigt der Marketingexperte Heiko Klumpp den Amberbaum und die amerikanische Roteiche. Er ergänzt: „Wir nehmen viele Bäume und wollen damit vermeiden, dass man nur eine Art pflanzt und dann kommt ein Schädling. Deswegen wollen wir vielfältig sein, ganz nach dem Motto der Gartenschau ‚Vielfalt im Tal‘.“

Ungefähr 20 verschiedene Baumarten möchten sie anpflanzen. „Es ist eine Gartenschau der Umwelt-Themen“, fügt Geschäftsführerin Cornelia Möhrlen hinzu. „Das versuchen wir durch die Vegetation mitabzubilden.“

Wechselflor als Lösung

Durch die klimatischen Bedingungen des Schwarzwalds benutzen die Planer viel Wechselflor. Beim Wechselflor handelt es sich um eine Bepflanzungsart, bei der typischerweise zwei- bis dreimal jährlich die Bepflanzung gewechselt wird. Auf diese Weise soll eine möglichst hohe Blütendichte und -dauer ermöglicht werden. Grundsätzlich wird in Frühjahrs-, Sommer- und Herbstflor unterschieden. Die Landschaftsgärtner bei der Gartenschau verzichten bewusst auf den Frühjahrsflor: „Der wäre ja nur noch ganz kurz da und dann käme schon der Sommerflor“, berichtet Stolle. Würde der Sommerflor jedoch zu früh gepflanzt, stirbt er. Deswegen müsse kurz vor Eröffnung der Gartenschau viel gepflanzt werden.

Landschaftsgärtnerin Philippa Stolle weiß: „Man kann vorher nie wissen, was das Wetter macht. Darauf muss man dann einfach reagieren.“ Foto: Vanessa Lehmann

Späteres Eröffnungsdatum

Viele Gartenschauen öffnen be reits im April. Die Eröffnung der Gartenschau in Freudenstadt und Baiersbronn erfolgt jedoch erst Ende Mai. „Die Überlegung war es, so spät zu starten, damit man dem Thema Spätfrost aus dem Weg gehen kann“, erklärt die Expertin. „Dafür haben wir aber bis Mitte Oktober geöffnet“, fügt sie ergänzend hinzu.

Um diese Frostthematik zu umgehen, stehen die Planer vor einer zeitlichen Herausforderung: „Wir haben nur wenige Tage, in denen wir sehr, sehr viele Quadratmeter pflanzen müssen.“ Deswegen würde sich das gesamte Gartenschau-Team über zahlreiche Unterstützung und helfende Hände freuen, um die Pflanzen rechtzeitig in die Beete zu bringen.

Viele Herausforderungen

Und auf was muss noch geachtet werden? Die Expertin nennt unter anderem das Fontänen-Feld auf dem Freudenstädter Marktplatz. „Je nachdem wie der Wind weht, wird ein Beet ja ständig bewässert.“ Es sei auch viel Aufklärungsarbeit nötig. „Hier wächst halt kein Pfirsich, im Friedrichstal wachsen andere Obstsorten.“

Deshalb müsse man schauen, was funktioniere und was kurzfristig noch geändert werden könne. Auch die Pflanztermine stellen eine Herausforderung dar, denn ein Rasen brauche Zeit, sich zu entwickeln. „Wenn der Winter erst im April endet, fehlt eben ein Monat, den die Wiese zum Wachsen gehabt hätte.“

Bessere Lebensqualität

Beide Stadtgärtnereien, Freudenstadt und Baiersbronn, als Partner zu haben – das empfindet das Team der Gartenschau als sehr wertvoll. „Die wissen, was in ihren Orten funktioniert und was überhaupt möglich ist“, so Stolle.

Ein großes Ziel, welches die Planer zudem anstreben, sei, dass die angelegten Beete wiederverwertet werden können. Entweder sie verbleiben dort oder wechseln an eine andere Stelle im Stadtgebiet. Cornelia Möhrlen ist sich sicher: „Die Klimabäume, die Wiesen und Pflanzen – das bleibt und wird das Tal, die Vegetation und die Lebensqualität nachhaltig verbessern.“

Die Tipps der Expertin

Passt gut zusammen
Laut der Landschaftsgärtnerin Philippa Stolle gibt es verschiedene Sorten, bei denen sich ein gemeinsames Einpflanzen lohnen würde. „Karotten und Zwiebeln zusammen pflanzen, das vertreibt die Schädlinge der Karotten.“ Außerdem würde Kapuzinerkresse Blattläuse anziehen, was sich günstig auf umliegende Pflanzen auswirke. Ein weiterer Tipp: Zum örtlichen Gärtner gehen und nachfragen. „Die, die das schon länger anbauen, haben viel Ahnung.“ Es sei auch wichtig zu schauen, in welche Richtung der Balkon oder der Garten geht. Was sie zudem empfiehlt: Die Infos auf den Samentütchen aufmerksam lesen.

Profis vor Ort
Bei der Gartenschau können sich Interessierte Tipps vom Profi holen. Bei den verschiedenen Ausstellungen seien Landschaftsgärtner da. Zudem bekommen die Pflanzen Steckschilder, damit man sich bis zu einem gewissen Grad selbst informieren kann. Geschäftsführerin Cornelia Möhrlen sagt: „Ich kann die Gartenschau für mich selbst zu Nutzen machen.“