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Sulz a. N. Selbst "Gehilfen" des Todes sterben

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Während des Dreißigjährigen Kriegs wütete die Pest besonders stark.Fotos: dreissigjähriger-krieg.de Foto: Schwarzwälder Bote

Verglichen mit der Corona-Pandemie hatten andere Epidemien wie die Pest in der Vergangenheit weitaus schlimmere Auswirkungen. Der Schwarze Tod hatte im Spätmittelalter und der jüngeren Neuzeit immer wieder auch die Stadt Sulz heimgesucht.

Sulz. Die Jusitinianische Pest 542 nach Christus in Konstantinopel gilt als die größte Epidemie in Europa. Ausgebrochen in Ägypten, breitete sie sich vom Mittelmeerraum bis nach Irland aus. Danach verschwand die Pestilenz mehrere Jahrhunderte aus Europa, bis sie um 1347 mit aller Wucht zurückkehrte. Eine Schiffsbesatzung hatte die Krankheit vermutlich von der Krim eingeschleppt. Dieser Pandemie fielen bis 1353 geschätzt 25 Millionen Menschen in Europa zum Opfer. Inwiefern Sulz davon betroffen war, darüber gibt es keine Aufzeichnungen.

Der Marschalkenzimmerner Pfarrer Friedrich August Köhler (1768 bis 1844) erwähnt in seiner Sulzer Chronik erstmals 1564 das Auftreten der Pest. Allerdings fand er keine Hinweise, wie viele Menschen daran erkrankten und starben. Damals habe Sulz keinen Arzt gehabt, auch sei noch kein Totenbuch geführt worden. Die Seuche trat, wie er anmerkt, in ganz Deutschland und in der Schweiz auf, besonders "mörderisch" in Basel und Straßburg. In Württemberg hielt sich die Pest bis 1565.

Ein Schreckensgespenst

In einem bis dahin nie bekannten Ausmaß wütete die Pest in den 30er-Jahren des 17. Jahrhunderts. Der Dreißigjährige Krieg, ausgelöst durch den Prager Fenstersturz 1618, hatte seinen Höhepunkt erreicht. Die Stadt Sulz leistete nicht nur hohe Kontributionen, sondern musste auch Söldner einquartieren. Köhler nennt dafür das Jahr 1630.

In jenem Jahr verzeichnete die Stadt 47 Tote, darunter, wie vermutet wurde, zehn Opfer der Pest. Das war erst der Beginn der Epidemie, die in den folgenden Jahren zu einem Schreckgespenst wurde.

Handel und Gewerbe kamen aufgrund der Kriegsereignisse und des Geldmangels zum Erliegen. Flüchtlinge, so Köhler, verschlimmerten die Situation.

Menschen starben aber nicht nur an der Pest. Köhler erwähnt einen Bürger, der von Reitern erschossen wurde. Ein junger Mann aus Mönchweiler, der nach Sulz fliehen wollte, wurde tot im Neckartal entdeckt. Ein Mann aus Wittershausen lag tot unter den Salzkästen, ein weiterer Toter wurde auf der Wintersteige gefunden. Köhler schreibt: "So starben hier viele ganz unbekannte fremde Leute, besonders Kinder, welche ihre Eltern verloren hatten, aus Mangel an Nahrung und Obdach und abgezehrt von Angst und Kummer."

Seuche erfasst alle Stände

Die Pest aber machte keine Ausnahmen und verschonte, so Köhler, Beamte, Adelige, Honoratioren und Wohlhabende ebenso wenig wie die Verarmten und Bettler. In der ersten Hälfte des Jahres 1635 hatte Sulz 77 Todesopfer, in der zweiten Jahreshälfte 1635 erlagen 289 Erwachsene und 225 Kinder der Seuche.

591 Verstorbene verzeichnete Köhler in diesem Schreckensjahr, das im September mit 170 Gestorbenen seinen traurigen Höhepunkt hatte.

Diese Verluste konnten durch Geburten bei weitem nicht ausgeglichen werden. Zumal das Sterben auch im folgenden Jahr weiterging. Zwar sank die Zahl der Verstorbenen 1636 auf 61, doch die Pest hatte die Bevölkerungszahl bereits erheblich vermindert. Ganze Familien seien ausgestorben. Eine Folge der Seuche und des Schreckens, nimmt Köhler an, seien auch viele Fehlgeburten gewesen.

Die erste Bevölkerungszählung hatte der württembergische Herzog Ulrich 1538 in Sulz veranlasst. Diese ergab 630 Erwachsene sowie 460 Jugendliche und Kinder, insgesamt also 1090 Einwohner. Sulz konnte für die damalige Zeit von der Bevölkerungszahl her als eine ansehnliche Kleinstadt betrachtet werden.

Doch dann stagnierte die Einwohnerzahl: 1622 hatte Sulz immer noch rund 1200 Einwohner. Das führt Ursula Klaiber Haug im Sulzer Stadtbuch von 1984 auf die Pestseuche zwischen 1610 und 1611, auf die Hexenverbrennungen (bis zu zwölf im Jahr) und die Erhöhung der Bürgeraufnahmegebühr zurück.

Die Pestepidemie in der zweiten Hälfte des 30-jährigen Kriegs brachte jedoch die bei weitem höchsten Todesopfer. Sulz verlor durch die Epidemie etwa die Hälfte der Bevölkerung. 1654 hatte die Stadt 680 Einwohner. 1676 stieg die Bevölkerungszahl in etwa auf den Stand vor der großen Pest wieder an.

Der Schwarze Tod hielt dann noch einmal Einzug in Sulz, und zwar 1688 in Folge der französischen Kriege.

Kein Kraut gewachsen

Gegen die durch Rattenflöhe übertragene Pest war im Mittelalter kein Kraut gewachsen. Gegenmaßnahmen waren unter anderem Almosen, Fasten, Messen und Prozessionen, wobei gerade diese zur Ausbreitung der Seuche beigetragen haben. Wirksamer dürften Quarantäne und Pesthäuser zur Isolation der Kranken gewesen sein.

Wie in Sulz die Kranken behandelt wurden, darüber hatte Köhler keine schriftlichen Befunde. Wohl aber berichtet er, dass die Pest auch die "dienstfertigen Gehilfen" des Todes dahin raffte. Am 17. Juli 1635 starb der langjährige Totengräber Hanus Jung und am 9. August 1635 sein Nachfolger.

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