Das ursprüngliche Bachbett verlief direkt an der Straße. Wegen des Ausbaus musste die Glatt verlegt werden. Foto: Steinmetz

Mehrere hundert Meter Strecke verändert. Viel vorhandenes Material wiederverwendet.

Sulz-Glatt - Am Ufer ist es noch ziemlich kahl, teilweise zeigt sich aber schon Bewuchs. Was unwirtlich aussieht, dürfte sich bald in üppiges Grün verwandeln. Die Glattverlegung an der Kreisstraße zwischen Neckarhausen und Glatt ist abgeschlossen. Lediglich das Ufer muss noch begrünt werden. Aber dazu sollte es erst einmal längere Zeit feucht sein. Oberhalb ist schon eingesät worden, dort kommen nach einem Regenschauer schon zarte Grashalme aus dem Erdreich.

Wegen des Straßenausbaus musste die Glatt auf einer Länge von mehreren 100 Metern in die Wiesen hinein verlegt werden.

Ortsvorsteher Helmut Pfister wandert am Ufer entlang. Der Bach schlängelt sich s-förmig in seinem neuen Bett. Die alte Sohle ist herausgebaggert und dann in den neuen Bachlauf eingebaut worden. Überhaupt wurde möglichst viel wiederverwendet. Der abgeholzte Uferbewuchs ist im Ufer eingearbeitet worden. Größere Steine, die kleine Inseln bilden, und dürres Holz liegen im Wasser. "Hier können sich Jungfische aufhalten" erklärt Pfister. Er ist überzeugt, dass der neu gestaltete Bachlauf ein Anglerparadies wird.

Fische unter Strom

Die Petrijünger hatten die Glatt vor den Bauarbeiten abgefischt. "Das war eine große Aktion", berichtet Pfister. Die Fische seien mit Strom betäubt und danach abgelesen worden. Weiter oberhalb wurden sie wieder eingesetzt.

Jetzt haben sich Fische erneut eingestellt. In einer flachen Zone tummelt sich ein ganzer Jungschwarm. Im tieferen Bereich huscht eine große Forelle vorbei.

Momentan ruhen die Straßenbauarbeiten, es ist Urlaubszeit. Kein störendes Geräusch, der Bach plätschert beruhigend. Pfister genießt für einen Moment den Anblick und die Ruhe.

Der Geländeeingriff ist zwar erheblich, doch die Natur profitiert. Sie wird im Laufe der Zeit den Bachlauf und die Ufer weiter verändern, ist Pfister überzeugt. Auswirkungen bei Hochwasser werde die Bachverlegung nicht haben.

Gegenüber dem vorherigen Zustand sieht Pfister jedenfalls eine erhebliche Verbesserung. In den 1950er-Jahren, weiß er, ist die Glatt begradigt worden. Der Grund: Hochwasser hat die Wiesen immer wieder überschwemmt. Die Landwirtschaft hatte Vorrang, heute denke man um. Im Zuge des Straßenbaus ist das Gewässer wieder ein Stückweit renaturiert worden.

Neue Badestelle bietet sich an

Was Pfister freut: Die Glatt ist an manchen Stellen zugänglich. Weiter Richtung Neckarhausen weitet sich das Bachbett in einer Kurve aus. Am Rand ist eine tiefere Stelle: "Hier könnte man baden," meint Pfister.

Auf der Glatttalstraße fehlt noch der Feinbelag. Die Grünfläche darunter wird eingesät: Hier soll eine Blumenwiese für Schmetterlinge und andere Insekten wachsen. Steinerne Zeugen, die vorherigen Randsteine, erinnern an die alte Kreisstraße. Eröffnung der neuen ist am 25. September.

Info: Naturparadiese

In unserer Sommerserie beschäftigen wir uns mit Naturparadiesen, die wichtige Lebensräume oder Rückzugsgebiete für Tiere und Pflanzen darstellen. Wir berichten dabei auch über Menschen, die solche Biotope anlegen und sich darum kümmern. Gerne nehmen wir dazu Vorschläge entgegen.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: