"Wenn es Vorteile für Sulz gäbe, könnte Daimler doch konkrete Zahlen nennen, um die Leute zu überzeugen", wunderte sich Armin Hipp. Foto: AP

Teststrecke: Holzhauser Ortschaftsrat stellt Forderungen zu Verhandlungen mit Daimler.

Sulz-Holzhausen - Als letzter der vier betroffenen Ortsteile hat Holzhausen in der Ortschaftsratssitzung am Mittwoch die Pläne Daimlers für eine Teststrecke diskutiert. Einige Bürger warfen der Verwaltung mangelnde Transparenz vor und kritisierten, dass konkrete Zahlen zur Zahl der Arbeitsplätze fehlten.

"Wieviel Geld bleibt bei der Stadt hängen und mit welchen Kosten ist zu rechnen, wenn die Infrastruktur geändert werden müsste?", wollte Gregor Plocher von Bürgermeister Gerd Hieber wissen. Zudem sei unklar, wie lange die Gespräche schon liefen. Dem widersprach Hieber: "Ich habe noch kein anderes Projekt erlebt, das so früh so breit öffentlich diskutiert wurde", stellte er die Sicht der Verwaltung dar. Auch den Vorwurf, die Verwaltungsspitze wolle hier "etwas durchdrücken", bezeichnete er als falsch. Helmut Rosenfelder macht sich Sorgen um die betroffenen Landwirte. "Niemand hat vor, irgendwelche Existenzen zu vernichten", versuchte Hieber zu beruhigen.

"Mindestens 1000 Arbeitsplätze"

Aus dienstlichen Gründen war Ortsvorsteher Lutz Strobel verhindert, so dass Rainer Flaig die Sitzung leitete. Da sich die nördliche Grenze des von Daimler in Betracht gezogenen Gebiets gegenüber dem ursprünglichen Plan weiter von Holzhausen wegverschoben hat, glaubt Flaig, "dass wir von Lärm, Abgas- und Lichtemissionen weitgehend verschont werden dürften". Der Flächenverbrauch werde jedoch größer, weshalb auch mehr Grundstückseigentümer betroffen seien. "Dieses Gebiet verlieren wir für immer, deshalb müssen wir etwas dafür kriegen – mindestens 1000 Arbeitsplätze", stellte Rainer Flaig klare Forderungen.

"Wenn es Vorteile für Sulz gäbe, könnte Daimler doch konkrete Zahlen nennen, um die Leute zu überzeugen", wunderte sich Armin Hipp.

In einer Bildmontage zeigte Flaig die Audi-Teststrecke nahe Neustadt an der Donau ins Mühlbachtal eingefügt. Fotos von hohen Zäunen um das Areal wirkten auf viele Ortschaftsräte und die rund 40 Interessierten abschreckend.

Theo Plocher will erfahren haben, dass Daimler bei Mitarbeitern bereits für den Standort Sulz wirbt. Er bezweifle jedoch, dass potenzielle Mitarbeiter tatsächlich nach Sulz zögen.

Roland Plocher wollte wissen, welche Folgen die Verwaltung aus den vier Ortschaftsratssitzungen für die Gemeinderatssitzung am 6. Dezember ziehe. "Im Moment besteht keine Notwendigkeit, etwas zu entscheiden", stellte Bürgermeister Hieber klar.

Rainer Flaig fasste als Ergebnis zusammen: "Die Stadt weiß jetzt, was sie fordern muss – vor allem eine Lösung für die Landwirte."

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