Lutz Siebrecht ist nicht mehr bei den Stuttgarter Kickers, sondern Teil eines Projekts bei Lokomotive Moskau. Welche Rolle spielt der 54-Jährige dort und wie schätzt er die Lage ohne ihn bei den Blauen ein?
Stuttgart - Die Entfernung beträgt knapp 2400 Kilometer, doch Lutz Siebrecht hat auch in Moskau noch einen engen Draht zu den Stuttgarter Kickers. „Ich bin sehr glücklich, dass die Kickers in Rielasingen und gegen Göppingen zweimal gewonnen haben, vor allem wenn man sieht, wer noch alles in der Mannschaft gefehlt hat“, sagt der 54-Jährige. Gefehlt haben bei den Blauen nicht nur verletzte Spieler wie Mijo Tunjic und Markus Obernosterer, gefehlt hat auch er als Sportlicher Leiter. Zwei Tage vor dem 2:1 beim 1. FC Rielasingen-Arlen am vergangenen Mittwoch wurde sein Abgang zu Lokomotive Moskau bekannt. Beim russischen Erstligisten ist er nun als Teammanager und Co-Trainer von Markus Gisdol tätig. In seiner Rolle fungiert er auch als Schnittstelle zwischen Mannschaft und Verein.
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„Wir haben einen wahnsinnig großen Staff, es fehlt wirklich an nichts“, schildert Siebrecht seine ersten Eindrücke am Sonntag nach dem 2:1-Auswärtssieg in der Liga bei Nizhny Novgorod. Neben ihm gibt es weitere Assistenztrainer, unter anderem die Vereinslegende Dimitri Loskov und den ehemaligen VfB-Jugendspieler Marvin Compper. Der Technische Direktor Tomas Zorn ist zwar in Moskau geboren, lebte aber viele Jahre in Berlin und besitzt neben einem deutschen Pass auch die DFB-Spielervermittlerlizenz. Der Chef des ganzen Unternehmens ist Ralf Rangnick, der im Juli gemeinsam mit dem früheren Videoanalysten und Co-Trainer Lars Kornetka (u.a. RB Leipzig, PSV Eindhoven, Bayer Leverkusen, FC Bayern, Schalke 04) eine Beraterfirma gründete. Lokomotive Moskau ist sozusagen der erste Kunde. Rangnick hatte auf Nachfrage des Clubs eine sportliche Status-Quo-Analyse erstellt, diese in der russischen Hauptstadt präsentiert. Danach war man sich schnell einig.
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Rangnick legte los. Mitte Oktober bekam Markus Gisdol den Zuschlag als Chefcoach. Als seine Co-Trainer waren auch Holger Bachthaler und Rainer Widmayer im Gespräch. Nun steht Gisdol in Siebrecht aber sein Freund aus gemeinsamen Jugendzeiten beim SC Geislingen zur Seite. Zudem sind die beiden mit ihren Familien Nachbarn in Bad Überkingen. Sie funken nicht nur fußballerisch auf einer Wellenlänge.
„Es war keine einfach Entscheidung für mich. Aber eine Tätigkeit auf solchem Niveau wollte ich schon immer einmal ausüben, jetzt versuche ich, diese große Chance zu nutzen und möchte meinen Teil zum Erfolg beitragen“, sagt Siebrecht, der verheiratet ist und drei Kinder im Alter von 29, 26 und 18 Jahren hat.
Zunächst einmal läuft sein Vertrag bis 30. Juni 2022. „Dies war mein Wunsch, ich möchte die vielen neuen Dinge hier kennenlernen und dann die Möglichkeit haben, alles zu bewerten“, sagt Siebrecht.
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Am 12. Dezember geht das letzte Spiel 2021 über die Bühne. Zwei Tage später geht’s zurück nach Deutschland. Dann ist Winterpause in Russland, der Ligabetrieb ruht bis zum 25. Februar. Davor finden zwei Trainingslager von insgesamt drei Wochen in wärmeren Gefilden statt.
Die Kickers wird Siebrecht immer im Auge behalten. „Das Fundament steht, der Verein befindet sich auf einem sehr, sehr guten Weg, um in der Zukunft richtig erfolgreich zu sein“, prognostiziert der ehemalige Profi des SV Waldhof Mannheim. Was seinen möglichen Nachfolger bei den Blauen betrifft, sagt er nur so viel: „Es besteht kein Zeitdruck für den Verein, es läuft aktuell ja richtig gut.“
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Am kommenden Mittwoch (19 Uhr/Gazi-Stadion) geht es für den Tabellenzweiten in der Oberliga gegen den SV Linx weiter. Siebrecht wird sich zumindest nach dem Ergebnis schnell erkundigen. Diesmal nicht von Moskau aus, sondern in einem Hotel in Istanbul. In der türkischen Metropole spielt Lokomotive Moskau am Donnerstag (18.45 Uhr) bei Galatasaray in der Europa League.