Sie haben eine neue Heimat gefunden – auch dank eines ELR-Zuschusses (von rechts): Sibylle Breiner, Axel Hartmann sowie Alissa Breiner. Möglich gemacht haben den Zuschuss auch Bauamtsleiter Harry Bernhardt und Bürgermeister Michael Moosmann. Foto: Dold

Kräftig investiert wird derzeit zwischen der Schramberger Straße und der Butzenhöhe: Dort werden gleich vier neue Wohnungen gebaut, die in den Jahren 2022 und 2023 fertiggestellt sein sollen.

Hardt - Möglich machen das Sibylle Breiner und Axel Hartmann, die das Anwesen in exponierter Lage oberhalb des einstigen Schuhgeschäfts Schmalz erworben haben. "Es war schon immer unser Traum, mit Pferden in einem ehemaligen Bauernhaus zu leben. Wir haben uns beim ersten Blick sofort in das Haus verliebt", schwärmt Sibylle Breiner.

 

Zuvor lebten die beiden bei Böblingen. Axel Hartmann stammt aus Freiburg, Sibylle Breiner aus Stuttgart. Beide waren bei einem großen IT-Unternehmen in Böblingen als leitende Angestellte tätig. Als Tochter Alissa mit der Schule fertig war, wollten die beiden aus dem Unternehmen aussteigen und sich eine neue Bleibe fernab vom Trubel des Großraums Stuttgart suchen.

Haltung von Pferden nicht überall erwünscht

Rund um ihren früheren Wohnort waren die Preise für Häuser allerdings exorbitant hoch – und so wurde die Suche auf andere Gebiete ausgeweitet. Vielerorts hagelte es Absagen und es gab wenig Entgegenkommen seitens der Behörden – insbesondere wegen des Wunsches zur Haltung von Pferden.

Jochen Auber aus Mariazell, der im Bauamt des Landratsratsamts Rottweil tätig ist, war dann aber der viel besagte Türöffner. Er sei da, um zu helfen, sagte er dem doch eher verdutzten Paar, das zuvor nur wenig Unterstützung von Behörden erhalten hatte. So wurde der Kontakt zu Harry Bernhardt zum Rathaus nach Hardt vermittelt – und der Stein kam schnell ins Rollen. "Es war die erste Gemeinde, die gesagt, hat: ›Das kriegen wir hin‹", lobt Axel Hartmann.

Das frühere Haus mit einem gerade mal fünf auf fünf Meter großen Garten wurde zu einem höheren Preis verkauft als das Haus in Hardt gekostet hat. Mittlerweile ist die Planungs- und Umsetzungsphase bereits angelaufen. Mit Bernhard Storz wurde ein ehemaliger Hardter als Architekt mit ins Boot geholt. Man wolle bevorzugt lokale Handwerker beauftragen, sagt Hartmann, damit die Wertschöpfung in der Umgebung bleibe. Ein Statiker ist bereits beauftragt, um die Sanierung und Ertüchtigung der Wände in die Wege zu leiten. Zum Haus gehören drei Hektar Fläche, sodass sich die derzeit drei Pferde nach Herzenslust austoben können.

Die Familie wohnt seit August in ihrer neuen Heimat, nachdem das Haus bereits vor zwei Jahren gekauft wurde. Nach und nach sollen dann drei weitere Wohnungen mit Größen zwischen 66 und 118 Quadratmetern fertiggestellt werden. "Wir haben keinen Zeitdruck", sagt Sibylle Breiner.

Fördersumme liegtbei 166.000 Euro

Versüßt werden die ganzen Umbaumaßnahmen von einem Zuschuss aus dem Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR). Nun liegt die Zusage über eine Förderung von 166 000 Euro vor. Anfangs war man skeptisch, verrät Harry Bernhardt, ob ein Zuschuss möglich sei. "Es werden vor allem Baulücken im Ortskern gefördert", sagt er. Allerdings kam Hardt im ELR-Bereich Wohnen schon zwölf Jahre nicht mehr zum Zuge. Zudem wurde ein Plan erstellt, der aufzeigte, dass es innerorts nur wenige Leerstände gibt. Im September wurde der Antrag eingereicht, nun kam die erlösende Zusage – und das, obwohl das Zuschussprogramm mehrfach überzeichnet war, wie Bürgermeister Michael Moosmann anmerkt.

Blicke gehen bis in den Nordschwarzwald

"Neue Wohnungen sind hier ideal. Wer weiß, was sonst aus dem Hof geworden wäre?", so Moosmann. Er freue sich, dass sich Leute aus der Großstadt in Hardt wohlfühlten.

"Hier haben wir alles, was wir brauchen: Viel Grün, einen großen Garten und die Aussicht ist traumhaft", ist Sybille Breiner angesichts der Ausblicke bis weit in den Nordschwarzwald hinein glücklich.

Im Übrigen: Die Familie hat mehrere Bekannte, die dem Raum Stuttgart ebenfalls den Rücken kehren und sich ein neues Zuhause im Schwarzwald suchen. Ein gewisser Trend sei da durchaus zu verzeichnen, ist sich das Paar einig.

Im Fokus des ELR der Landesregierung steht die innerörtliche Nachverdichtung. Insbesondere geht es um die Beseitigung von Baulücken und Leerständen.

Gefördert werden Projekte, die zu folgenden Kriterien gehören: Umnutzung vorhandener Bausubstanz, umfassende Modernisierungen, Schaffung von zeitgemäßen Wohnverhältnissen, Neubauten in Baulücken, Aufstockungen, Umbauten und Neuordnung mit Baureifmachung.

Die Förderung bei Privatpersonen liegt bei 30 bis 35 Prozent, bei öffentlichen Projekten sind 45 Prozent möglich. Das Programm hat ein Volumen von 100 Millionen Euro.