Für die Menschen im Calwer Stadtteil Hirsau (Foto) birgt die Tälesbach-Deponie ein großes Gefahrenpotenzial. Foto: Schwarzwälder Bote

Stuttgart-21-Abraum soll die Deponie stützen. Anlieferung per Bahn ist unwahrscheinlich.

Calw. Was hat Calw im Nordschwarzwald mit Stuttgart 21 zu tun? Nichts, hätten wohl die meisten Einwohner noch vor einem Jahr geantwortet. Heute ist klar: Hunderttausende Kubikmeter Aushub aus der Landeshauptstadt könnten als Füllmaterial das Abrutschen der Tälesbach-Deponie verhindern helfen.

Die Anlieferung des Bahnprojekt-Bauschutts auf der Schiene ist derzeit mehr als unwahrscheinlich. Deshalb drohen über Jahre hinweg täglich 50 Lastwagentransporte zum Deponiestandort Calw-Hirsau und zurück, also 100 Fahrten. 500 000 Kubikmeter sollen verfüllt werden, um die Deponie sicher zu machen. Auch Aushub von der Autobahnbaustelle in Pforzheim oder anderen Bauprojekten im Land kommt für die Stabilisierung der Anlage in Frage. Ab wann welches Füllmaterial angeliefert werden könnte und vor allem durch welche Gemeinden die großen Mengen dann herbeigeschafft werden sollen, ist derzeit offen.

Starkregen könnte ehemalige Deponie ins Rutschen bringen

Die Tälesbach-Deponie wurde von 1966 bis 1980 von der Stadt Calw und von den 30er-Jahren bis 1975 von der Bahn betrieben. Die beiden rund 40 Meter hohen Altablagerungen liegen hinter einem quer zum Talausgang verlaufenden Bahndamm und haben eine Gesamtfläche von rund 68 000 Quadratmetern. Die ehemalige Deponie könnte durch Starkregen oder ein Erdbeben ins Tal rutschen, wie Gutachten ergeben haben. Deshalb drängt das Calwer Landratsamt seit Jahren auf eine Sanierung.

Vor rund zwölf Monaten war noch recht wenig über das dringliche Projekt bekannt. Die Stadt Calw und die Deutsche Bahn als Sanierungspflichtige hielten sich eher bedeckt. Schon damals verbargen sich ungeahnte Auswirkungen des Projekts Deponiesanierung auf die Bevölkerung in Calw und in Nachbarorten wie Althengstett, Ostelsheim, Bad Liebenzell oder der Stadt Wildberg. Erst seit die vor einem Jahr gegründete Bürgerinitiative (BI) zur umweltgerechten Sanierung der Deponie immer wieder nachhakte, kamen harte Fakten zusammen. Die Gruppierung setzte die Bürgerbeteiligung am Projekt in Gang, die jetzt in einer gemeinsamen Informationsveranstaltung mit Stadt, Gutachtern sowie Vertreten von Bahn und Landratsamt mündete.

Ausgerechnet die Bahn ist gegen eine Anlieferung per Schiene

Die BI-Mitglieder forderten Angaben über die Qualität der Altlasten auf dem Deponiegelände, die geplante Auffüllung und die Transportmittel ein. Unterlagen der BI belegen, dass es unter Eisenbahnern kein Geheimnis war, dass in Calw so gut wie alles abgeladen werden konnte. Nach Angaben des Landratsamts hätten Bodenproben keine Gefährdung für die Umwelt ergeben.

Obwohl ein Gutachten besagt, dass der Transport auf der Schiene, die direkt an der Deponie vorbeiführt, möglich ist, spricht sich ausgerechnet die Bahn dagegen aus. Erst hieß es, dies sei technisch nicht machbar, später wurden die durch ein Gutachten unterlegten höheren Kosten im Vergleich zur Straßenanlieferung als Grund angegeben. Bei der Informationsveranstaltung kündigte ein Vertreter der Bahn an, dass nun sowohl die Straßen-, als auch die Schienenleistungen ausgeschrieben werden sollen.

Als nicht gerade förderlich betrachtet die Kreisverwaltung den Materialtransport auf der Schiene für ihr derzeitiges Prestigeprojekt: den geplanten S-Bahn-Anschluss nach Weil der Stadt, für den die bestehende Bahntrasse reaktiviert werden muss. Bis 2016 könnte dieser Realität werden. Die Deponiesanierung kann bis dahin jedoch nicht abgeschlossen werden.

Der Informationsabend machte das Sanierungsvorhaben am Tälesbach etwas durchschaubarer. Dennoch verstärkte sich bei den zahlreichen Besuchern der Eindruck, dass es im Kreis bislang auf politischer Ebene keine ernsthaften Bemühungen um den Materialtransport auf der Schiene gegeben hat – und dass es kurz nach Beginn der Bürgerbeteiligung mit dieser auch schon wieder vorbei ist, denn die Zeit drängt. Der Calwer Gemeinderat soll am 21. Juni den Sanierungsplan beschließen. Dieser muss dem Landratsamt bis Ende des Monats vorgelegt werden.

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