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Streik bei der Bahn Arbeitnehmer sehnen sich ins Wochenende

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"Kein Stress. Einfach nur losfahren" - wenn es so einfach wäre. Die Lokführer streiken. Foto: dpa

Stuttgart - An den Bahnhöfen im Südwesten hat sich am Freitag so etwas wie Routine eingestellt: Die Anzeigetafel am Stuttgarter Hauptbahnhof kam ohne ausfallende Züge aus - weil dort nur der Ersatzfahrplan durchlief. Wo Züge einfuhren, herrschte an den Bahnsteigen reger Betrieb. Dass Ausstand ist, verrieten nur zahlreiche leere Gleise. „Die Fahrgäste können mittlerweile ganz gut mit dem Ersatzplan umgehen“, sagte ein Bahnsprecher am Freitag. Wegen der ausgedünnten Frequenz seien die Züge aber sehr voll.

Lautsprecherdurchsagen dirigierten Fahrgäste ohne Reservierung zu den Wagen mit freien Sitzplätzen. „Der Ersatzfahrplan läuft ganz gut“, sagte ein 37-jähriger Unternehmensberater, der berufsbedingt viel pendeln müsse. Er habe schon bei den vergangenen Streikrunden darauf vertraut. „Und damit bin ich ganz gut gefahren.“

Deutlich weniger los auf den Straßen

Auf den Straßen ging es am Freitag deutlicher ruhiger zu als in den vergangenen Tagen. Die Anzahl der Meldungen sei am Vormittag sogar geringer als an einem normalen Freitag ohne Streik, hieß es beim Verkehrswarndienst. Offenbar seien viele Menschen bereits zuhause geblieben. Entsprechend sei am Nachmittag auch nicht mit mehr Verkehr zu rechnen.

Am Wochenende könnte sich das Bild noch einmal ändern: Dann geht das Frühlingsfest auf dem Cannstatter Wasen in die letzte Runde. Gleichzeitig empfängt der VfB Stuttgart am Samstag den FSV Mainz 05. Mehr Züge werden nach Angaben der Bahn vom Freitag aber nicht fahren. „Wir können leider nicht mehr Züge zur Verfügung stellen als auf dem Ersatzfahrplan stehen“, sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn. Auch die betroffene S1 fahre nur im Stundentakt. Eine Sperrung des Bahnhofs in Bad Cannstatt, wie es im Oktober während des Bahnstreiks der Fall war, sei nicht geplant. Natürlich werde aber der Zugang reguliert, wenn Überfüllung drohe.

GDL lehnt Platzeck ab

Die Hoffnung der Bahnkunden auf ein vorzeitiges Ende des Streiks hatte sich am Donnerstag zerschlagen. Der Vorsitzende der Lokführergewerkschaft GDL, Claus Weselsky, lehnte es ab, den Ausstand vor dem geplanten Ende am Sonntagmorgen abzubrechen. Bahnchef Rüdiger Grube hatte vorgeschlagen, die Verhandlungen sofort wieder aufzunehmen.

"Wir werden unseren Arbeitskampf bis Sonntagfrüh um neun fortsetzen", sagte Weselsky am Berliner Hauptbahnhof. Zuvor hatte er abermals Grubes Vorschlag abgelehnt, der den früheren brandenburgischen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck (SPD) als Beobachter oder Vermittler für neue Verhandlungen ins Spiel gebracht hatte.

Weselsky sagte, es werde kein solches Verfahren geben, solange der Konzern seine Bedingung aufrechterhalte, dass es am Ende inhaltsgleiche Ergebnisse mit der konkurrierenden Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) geben müsse. Dies sei ein Eingriff in die grundgesetzlich geschützte Koalitionsfreiheit, kritisierte er.

EVG und GDL mit unterschiedlichen Zielen

Grundsätzlich sei die GDL aber bereit, über Lösungsansätze zu diskutieren. "Inhaltsgleiche Tarifverträge wird es nicht geben", sagte Weselsky und verwies auf die unterschiedlichen Forderungen von GDL und EVG. Während die EVG eine reine Gehaltsrunde fahre, komme es der GDL auf verbesserte Arbeitsbedingungen für das Zugpersonal an. Für sinnvolle Arbeitszeit-Begrenzungen und andere Regelungen sei man auch bereit, auf einen Teil der Gehaltssteigerung zu verzichten.

Noch am Vormittag hatte Weselsky in Interviews den Eindruck erweckt, dass der Streik auch vorzeitig abgebrochen werden könnte. Umso deutlicher fiel dann die Absage an Grube und Platzeck aus - was die Bahn wiederum "enttäuschend" fand: "Es ist ein sehr seriöser und ernst gemeinter Vorschlag. Aber wir haben immer noch keine Antwort auf unseren Vorschlag von der GDL bekommen", sagte eine Sprecherin.

"Die GDL sagt immer Nein"

Bahn-Personalchef Ulrich Weber reagierte ebenfalls mit Unverständnis: "Die GDL sagt immer Nein. Egal was vorgeschlagen wird, die Funktionäre wollen offensichtlich gar nicht reden oder verhandeln", sagte er laut Mitteilung. "Die GDL-Spitze verweigert Transparenz durch die von uns vorgeschlagene unabhängige Persönlichkeit - eine Transparenz, die sie immer wieder selbst eingefordert hatte." Der Vorstand der Bahn werde die aktuelle Lage nun erneut bewerten.

Weselsky ließ offen, ob es nach dem Streikende am Sonntag zu neuen Gesprächen kommt - oder gleich zum nächsten Streikaufruf. Vor der nächsten Eskalationsstufe scheut die GDL aber noch zurück: "Das Wort "unbefristeter Streik" nehmen wir nicht in den Mund", so Weselsky.

Die GDL-Lokführer bestreiken seit September 2014 zum achten Mal deutschlandweit den Zugbetrieb der Deutschen Bahn. Am Donnerstag - dem dritten von sechs Streiktagen im Personenverkehr - fuhren nach Bahn-Angaben wie an den Vortagen etwa ein Drittel der Fernzüge und 15 bis 65 Prozent der Regionalzüge.

Schaden für die Wirtschaft

Der Güterverkehr wird bereits seit Montag bestreikt. Hier wollte die Bahn am Donnerstag etwa zwei Drittel der sonst üblichen Züge einsetzen. Durch den Streik steigt die Gefahr von Produktionsausfällen in der Industrie von Tag zu Tag.

Weselsky verwies auf die starke Stellung der Gewerkschaft bei den privaten Bahn-Konkurrenten: "Wir machen die Tarifverträge für das Zugpersonal in diesem Land in fast allen Verkehrsunternehmen. (...) Wir bestimmen den Preis, was ein Lokführer für einen Wert hat."

Bei der EVG will die Tarifkommission am 11. Mai in Fulda über den Stand der Tarifrunde beraten, in der bislang nicht gestreikt wurde. Auch die EVG verlangt ein besseres Angebot bis zum 21. Mai. "Entweder wir kriegen dann einen Abschluss am Verhandlungstisch hin, oder es kracht - dann aber richtig", drohte Verhandlungsführerin Regina Rusch-Ziemba.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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