Die Eisenbahnbrücke in Altoberndorf muss erneuert werden. So weit, so gut, wäre da nicht die Unklarheit über ihren Zustand und die Besitzverhältnisse. Die Deutsche Bahn verfolgt derweil ihre eigenen Pläne.
„Das ist schon ’ne Nummer“, meinte Martin Osieja, Straßenbauamtsleiter am Landratsamt Rottweil zur Brückenerneuerung an der K 5563 in Altoberndorf. Das Bauwerk beschäftige ihn schon seit Jahren, bekannte er im Kreisausschuss für Umwelt und Technik. Denn es gibt einige Unwägbarkeiten.
Da wären zum einen die unklaren Besitzverhältnisse. Der Landkreis könnte der Eigentümer sein, meinte Osieja in der Sitzung, ganz sicher sei man sich dabei aber noch nicht.
Statisch offenbar unkritisch
Die Eisenbahnbrücke wurde im Krieg zerstört und 1956 wiederaufgebaut. Den Daten, die sich den zwei noch vorhandenen Ausführungsplänen entnehmen lassen, zufolge scheine das Bauwerk in statischer Sicht unkritisch zu sein, so Osieja.
Früher oder später muss es aber ersetzt werden, machte er deutlich. 2011 habe man bereits eine Sicherheitsmaßnahme durchgeführt und die Unterseite der Fahrbahnplatte mit einem engmaschigen Netz bespannt.
Bauwerksprüfung nötig
Die Hauptprüfung, die alle sechs Jahre vorgenommen wird, hätte eigentlich schon vergangenes Jahr stattfinden sollen. Das damit beauftragte Ingenieurbüro habe jedoch ein Kapazitätsproblem, erklärte Osieja.
Er persönlich rechne nicht mit größerem Handlungsbedarf. Dennoch sei die Bauwerksprüfung wichtig, um zu ergründen, ob eine Instandsetzungsmaßnahme nötig ist, damit die Brücke die kommenden zehn bis 15 Jahre noch übersteht.
Denn im besten Fall lässt sich die Brücke im Zuge der von der Deutschen Bahn ohnehin geplanten Baumaßnahmen im Zuge der „Ausbaustrecke Gäubahn, Abschnitt Süd“ realisieren.
Inbetriebnahme 2041 geplant
Bei einem Gespräch mit der „DB InfraGO“ habe diese dargelegt, dass man einen zweigleisigen Ausbau auf diesem Abschnitt plane. Die Vorplanung soll bis Ende 2027 abgeschlossen sein, die Umsetzung 2035 oder 2036 beginnen. Mit einer Inbetriebnahme wird 2041 gerechnet.
Sollte dafür mehr Platz benötigt werden, so müsste die Brücke allein deshalb schon neu errichtet werden. Die Eigentumsfrage muss noch abschließend geklärt werden. Generell gelte: Bei einer Straßenüberführung sei der Straßenbaulastträger Eigentümer, bei einer Eisenbahnüberführung die DB, jedoch gebe es auch Ausnahmen.
Hinzu kommt, dass für Altoberndorf ein Ortsentwicklungskonzept beschlossen wurde, in dem unter anderem die verkehrliche Entlastung des Ortes vorgesehen ist. Davon wäre auch die Eisenbahnbrücke betroffen.
Bedarfsplanung in die Wege leiten
Man habe „DB InfraGO“ vorgeschlagen, eine Bedarfsplanung in die Wege zu leiten, um die Belange der Projektbeteiligten – Bahn, Landkreis und Stadt – festzustellen, die weiteren Schritte zu planen und eine Planungsvereinbarung abzuschließen. Der Kreisausschuss teilte die Auffassung der Kreisverwaltung einstimmig.
Die Frage, ob die Möglichkeit auf Fördermittel bestehe, müsse man noch mit dem Regierungspräsidium prüfen, meinte Osieja auf Nachfrage von Landrat Wolf-Rüdiger Michel. Dieser wiederum kündigte an, man werde, wie so oft bei Projekten der Bahn, einen langen Atem benötigen, aber es scheine so, als wolle die Bahn in diesem Jahrhundert bauen. Die Eigentumsverhältnisse werde man noch intensiv prüfen müssen, betonte er zudem.
Kritik an Projektplanung der Bahn
Wenn die Bahn zweigleisig bauen wolle, so solle sie auch die Brücke bezahlen, kommentierte Hermann Acker (FWV) dieses Thema. Umsonst werde man eine neue Brücke sicher nicht bekommen, meinte Martin Osieja, schließlich profitiere man ja selbst auch davon, aber das Thema Kostenübernahme werde genau untersucht unter Berücksichtigung des Eisenbahnkreuzungsgesetzes.
Mark Prielipp (CDU) schilderte seine Erfahrung mit einem Bahnprojekt in Talhausen: der Erneuerung des Bahnübergangs. Lange sei man da von Kosten im sechsstelligen Bereich für die Gemeinde ausgegangen. Das habe sich aber letztlich aufgrund einer Reform des Eisenbahnkreuzungsgesetzes nicht bestätigt.
Elke Müller (Grüne) kritisierte die fehlende Projektkoordination der Deutschen Bahn und die „kleckerweise“ Ertüchtigung der Bahnstrecke, mit der immer wieder Sperrungen verbunden seien. Wenn es so weitergehe, tue man vielleicht doch besser daran, einen Radschnellweg auf dieser Route zu bauen.