Jedes Jahr sammeln Sternsinger für andere Kinder. Doch wie läuft das eigentlich ab und haben die Gemeinden mit Blick auf die schwindenden Mitglieder überhaupt genügend Interessierte für die Aktion? Wir haben bei den Verantwortlichen nachgefragt.
Das Wetter der vergangenen Tage war garstig. Fast ständig Dauerregen und Windböen, die die Kälte noch viel spürbarer machen. Wer kann, bleibt da zu Hause.
Doch in Sulz, Bergfelden, Holzhausen und Vöhringen machen sich gerade bei diesem Wetter junge Menschen auf, um von Haus zu Haus zu gehen – die Sternsinger.
Schlechtwetter und Mitgliederschwund „Die Kinder sind jeden Tag drei Stunden unterwegs“, beschreibt Urs Thiel vom Vorbereitungsteam der katholischen Kirchengemeinde die Zeit der ersten Januarwoche.
Zwar habe man sich mit Blick auf die Wetterprognose überlegt, ob man die Sammlung verschieben solle, doch die Kinder hätten es auch bei Nässe und Kälte durchgezogen, auch wenn es absolut nicht „vergnügungssteuerpflichtig“ gewesen sei, wie Thiel verrät.
Doch neben Wind und Wetter gibt es noch etwas, mit dem die beiden großen Kirchen zu kämpfen haben – der Mitgliederschwund. So sagte Georg Bätzing, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz in seiner Silvesterpredigt, „der Mitgliederverlust ist rasant, die gesellschaftliche Bedeutung schwindet“. Die Mehrheit der Bevölkerung sei kaum noch religiös ansprechbar.
Hilfsaktion hat guten Ruf
Und auch die 6. Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung der Evangelischen Kirche in Deutschland aus dem Jahr 2023 ergab, dass die Mehrheit der Bevölkerung heutzutage keiner der großen Kirchen mehr angehöre.
Schlägt sich diese religiöse Entfremdung auch bei den Sternsingern nieder? Thiel verneint. „Die Aktion hat in der Öffentlichkeit einen sehr guten Ruf, da es sich um die größte Hilfsaktion von Kindern für Kindern handelt“, sagt er.
Spenden für Kinder in aller Welt
Die Sternsinger würden an den Türen, zu denen sie den Segen tragen und um eine Spende bitten, mit offenen Herzen empfangen, blickt der Religionslehrer auf die Schlechtwetter-Besuche zurück.
Die Kinderhilfsprojekte, die mit den Spenden unterstützt würden, kämen schließlich Kindern in der ganzen Welt, egal welcher Religion oder Konfession, zu gute.
Drei Faktoren sprechen für sich Über einen Rückgang an Aktiven könne er sich nicht beklagen. Auch dieses Jahr seien wieder über 50 Kinder und Jugendliche unterwegs, erklärt er. „Manche sind schon mehr als zehn Mal dabei gewesen“, verrät Thiel. Ein Grund sei die erlebte Gemeinschaft und der viele Spaß während der Aktion.
Aber auch das Ethische. „Schon den Jüngsten ist es wichtig, anderen Kindern, denen es nicht so gut geht, zu helfen“, nennt er einen weiteren Beweggrund für die hohe Teilnahme.
Als dritte Ursache führt er die gute ökumenische Zusammenarbeit, insbesondere mit der evangelischen Kirchengemeinde und der Kinderkirche in Vöhringen ins Feld. Auch die Werbung in den Schulen gehöre zu den Erfolgsfaktoren.
Sternsingerfilm kommt gut an
Doch wie geht die Sternsingeraktion eigentlich vonstatten? Ein ökumenisches Organisationsteam kümmere sich um die Werbung, Termine und Proben. Auch die Kleider, die Gottesdienste und das Nachtreffen auf Kirchgemeindeebene werde hier geregelt.
Bei einem Vorbereitungstreffen für die Kinder, das jeweils in Vöhringen und Sulz stattfindet, werde über das jeweilige Zielland informiert. Dabei wird auch der Sternsingerfilm von Reporter Willi Weitzl gezeigt, der sich 2024 mit Amazonien und den dortigen Hilfsprojekten beschäftigt.
Besucherlisten liegen aus
Die Sammlung selbst, bei der Kinder aller Konfessionen und Religionen mitmachen können, wird hingegen in den einzelnen Teilorten organisiert. So liegen in den dortigen Kirchen Listen aus, in den sich alle eintragen können, die einen Sternsingerbesuch wünschen.
„Die Besuchswünsche der Liste vor Ort werden auf jeden Fall abgedeckt“, erläutert Thiel das Vorgehen. Alle weiteren Besuche seien Zugabe. Denn schließlich solle der Spaß und die Gemeinschaft der Kinder, nicht ein erzieltes Rekordergebnis, im Vordergrund stehen.
Sternsingen verbindet die Altersgruppen Und dass es Spaß macht, kann Thiel, der selbst als Begleiter mit den Sternsingern durch die Straßen zieht, auch belegen. Dieses Jahr läge die Altersspanne zwischen fünf und 19 Jahren.
„Wir haben sogar eine Jungsgruppe, in der alle über 18 Jahren sind, die selbst noch viel Spaß am Sternsingen haben“, erklärt er. Oftmals seien diese Jugendlichen und junge Erwachsenen schon seit Jahren wie selbstverständlich mit dabei.
Doch auch die Jüngeren habe man im Blick. Denn für sie sei die Gemeinschaft während der Aktion, aber auch beim Aussendungs- und Einholungsgottesdienst sowie dem Nachtreffen eine gute Erfahrung, um auch im nächsten Jahr wieder mit dabei zu sein.
Thiel und sein Team freuen sich somit auf die Aktion 2025.