Der Transport im Eimer bietet dieser Kröte Schutz und Sicherheit. Foto: Weiger

Am Oberdigisheimer Stausee sind wieder Frösche und Kröten unterwegs. Zum Glück gibt es viele Helfer, welche die Amphibien bei ihrer Wanderung über die stark befahrene Kreisstraße unterstützen.

Meßstetten-Oberdigisheim/Obernheim - Erdkröten, Grasfrösche, Lurche und Molche kehren im zeitigen Frühjahr zu ihrem "Geburtsort", dem Stausee, zurück. Dort wollen sie laichen. Ein gefährliches Unterfangen: Sie müssen dafür die K 7172 überqueren. Diese ist zwischen Oberdigisheim und Obernheim viel- und vor allem schnellbefahren. Einige Schilder weisen deshalb im Frühjahr auf die Krötenwanderung hin.

Doch das allein reicht nicht. Ohne die behutsame menschliche Hilfe, da ist sich Ellen Köhler vom Naturschutzbund (NABU) sicher, käme es auf der Straße immer wieder zu regelrechten Massakern. Deshalb helfen die Mitglieder der Albstädter NABU-Gruppe sowie des Angel- und Naturschutzvereins Oberdigisheim den Amphibien seit einigen Jahren sprichwörtlich auf die Sprünge – und mit ihnen viele freiwillige Helfer.

Am Samstagmittag haben sich diese, coronakonform und auf Abstand, zum ersten Mal getroffen. Denn ab Montag sind die so genannten Eimer-Taxis täglich im Einsatz. Das Prinzip ist einfach wie genial. Um die Tiere am draufgängerischen Überqueren der Straße zu hindern, werden Fangzäune installiert. Doch nicht nur das: Alle paar Meter sind am Zaun kleine Eimer eingegraben. Hier hinein plumpsen Herr Frosch und seine reisenden Weggefährten in ihrem Tatendurst. Denn wenn es dunkelt, erwacht das Leben am Hang.

Es beginnt zu rascheln und zu hüpfen. Die Helfer müssen abends, nachts oder früh morgens die Behältnisse abwandern und die Tiere behutsam einsammeln. Im menschlichen Eimer-Taxi kommen Erdkröten, Grasfrösche und Co schließlich sicher über die Kreisstraße.

An diesem Nachmittag Anfang März ist es für die Amphibien noch zu kalt und zu früh. Gerade einmal zwei Kröten-Männchen sitzen quiekend in den Eimern. Claudia Schubert vom Albstädter NABU setzt beide nach dem Transport sorgsam am Seeufer ab, etwas Laub schützt vorm Vertrocknen. Und schwups – die zwei Tiere machen sich gleich bedächtig auf in Richtung Wasser. Es ist schließlich in Sichtweite. Wer übrigens denkt, eine Kröte sei schleimig, liegt daneben. Ihre Haut fühlt sich eher kühl an, fast schon kalt, zart und glatt. Die Tiere zappeln auch nicht in der Hand, sondern lassen sich ruhig in den Trage-Eimer verfrachten.

Die Frösche, erzählt Ellen Köhler bei der "Neulings-Info", seien deutlich kleiner als die Kröten und sehr viel feingliedriger. Die Kröten-Weibchen sind hingegen deutlich stattlicher gebaut als die ihre männlichen Artgenossen. Das hat einen guten Grund: Die Damen tragen die Herren huckepack zum Laichen – sicher ist sicher. Auf eins müssen die Helfer am Amphibien-Taxi deshalb unbedingt achten: Finden sie ein Kröten-Pärchen bereits im "Doppelpack", dürfen keine weiteren Männchen mehr in den Eimer. "Sonst gibt es richtig Stress", erklärt Ellen Köhler, "der Kampf um das Mädel wäre eröffnet."

Jeder einzelne Frosch, jeder Lurch, jede Kröte wird gezählt

Damit irgendwann eine optimale unterirdische Querungshilfe für die Tiere installiert wird, muss jeder einzelne Frosch, jeder Lurch, jede Kröte gezählt und dokumentiert werden. Sammeltag, Außentemperatur, Witterung, Tier, Geschlecht und Anzahl werden sorgfältig niedergeschrieben. Die Freiwilligen sind dabei in Schichten eingeteilt – etwas Planung muss sein. "An manchen Tagen haben wir etliche hundert Tiere in den Eimern", berichtet Ellen Köhler. Am Höhepunkt der Krötenwanderung sind mitunter Extra-Helfer notwendig, um den Amphibienmassen Herr zu werden. Insgesamt kommen die emsigen Sammler schon einmal auf 2000 Tiere pro Saison.

Ellen Köhler mahnt die Autofahrer zur Vorsicht. Am Herzen liegt ihr vor allem die Sicherheit ihrer Teammitglieder. Diese sind wohl mit Stirnlampen und Warnwesten ausgestattet, aber eben in der Dunkelheit am Hang und an der Kreisstraße unterwegs. Ellen Köhler bittet nachdrücklich um Rücksicht: "Kein Helfer soll für seinen Dienst an der Natur mit dem Leben bezahlen müssen."

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