Die Nagolder Vesperkirche 2024 eröffnete am Sonntag mit einem Gottesdienst und gemütlichem Beisammensein. Bis zum 10. März ist hier jeder willkommen. Das Projekt prägt seit zehn Jahren die Stadtgemeinschaft.
Mit einem Gottesdienst öffnete am Sonntag die Nagolder Vesperkirche 2024 in der Friedenskirche ihre Türen. Seit nunmehr zehn Jahren nimmt das soziale Projekt der christlichen Kirchen einen wichtigen Platz in der Nagolder Stadtgemeinschaft ein.
Zu diesem Anlass ließen es sich die geladenen Gäste und die Verantwortlichen vor Ort nicht nehmen, feierliche Worte an die Versammlung zu richten, bevor sich alle zu einem gemütlichen Ständerling zusammenfanden und der Innenraum der Friedenskirche für das gemeinsame Essen hergerichtet wurde.
Seit zehn Jahren sei die Vesperkirche gelebtes Miteinander, verkündete Irmhild Sitthard von der katholischen Kirche. In diesem Jahr stehe alles unter dem Motto „Satt werden an Leib und Seele“ – doch dazu gehöre auch der Hunger. In ihrer Predigt zu Beginn stellte Sitthard einen Punkt ganz zuvorderst – das Interkulturelle.
„Unsere Gesellschaft bricht in viele Teile auseinander.“ Doch jeder Mensch trüge in sich den selben Hunger – nicht nur nach Nahrung, sondern auch nach Anerkennung und Gesellschaft. Zu oberst stünde die Frage „Wie gehen wir gut miteinander um?“ Dabei dürfe es kein oben und kein unten geben.
Die Kirchen haben das Ohr bei den Menschen
Marlis Katz, aus dem Vorstand der Vesperkirche, ergriff daraufhin das Wort. Die Vesperkirche sei als kleines Schiff in See gestoßen und mittlerweile zu einem großen Dampfer geworden. Die Besucher übertrafen schnell alle Erwartungen. Es gab Schwierigkeiten in der Organisation. Für vieles mussten pragmatische Lösungen gefunden werden.
Doch aus all dem wurden Lehren gezogen, und so ist die Vesperkirche zu einer wichtigen Säule der Stadtgemeinschaft geworden. Nicht zuletzt dank der guten Zusammenarbeit in der Ökumene. All das sei jenen, die zu Anfang die Verantwortung und Organisation übernommen hatten, so nicht bewusst gewesen. „Gott sei Dank“, meinte Katz scherzhaft, „Wir wären davongerannt.“
Oberbürgermeister Jürgen Großmann erinnerte sich in seiner Rede zurück an den Freudentaumel der Landesgartenschau. Im Rathaus wollte man das Miteinander der Gartenschau fortführen. Hier war deutlich geworden, was für eine Kraft in der Stadt liegt.
Und es stellte sich heraus, es waren die Kirchen, die das Ohr bei den Menschen hatten und die notwendige kreative Kraft aufbrachten, an dieser Stelle ein Angebot zu machen. Die viel gescholtenen Kirchen – die so oft zu Unrecht, meinte Großmann, kleingeredet worden wären – seien nahe bei den Menschen und ihre Türen stünden allen gesellschaftlichen Gruppen offen. Und genau aus diesen Gründen sei die Vesperkirche auch ein Modell der Zukunft.
Die Vesperkirche ist ein Geschenk
Prälat Ralf Albrecht, vormals evangelischer Dekan in Nagold, ergriff im Anschluss an den Oberbürgermeister das Wort. Für ihn sei der Ursprung der Vesperkirche kein Ausdruck fortgeführten Freudentaumels. „Die Vesperkirche entstand aus einem Skandal“, gab er der Gemeinde zu bedenken. Es sei ein Skandal, so Albrecht, dass es die Vesperkirche geben müsse, dass es in unserem Land Menschen gebe, die nicht genug zu Essen und zu Trinken haben, die eine Existenz am Rande fristen und sich nach Anerkennung und Rücksichtnahme sehnen.
Doch dass es die Vesperkirche gibt, sei vor diesem Hintergrund ein Geschenk. Man müsse allerdings darauf achten, dass die Tage der Vesperkirche „keine Feigenblatt-Wochen werden“, gibt der Prälat zu bedenken. Eine Gesellschaft, die lange über ihre Verhältnisse gelebt habe, müsse sich überlegen, wie sie auch darüber hinaus der Armut begegnen kann.
Der Vesperkirche ist es ein Anliegen, ihren Besuchern neben den Speisen auch Kontakte und sozialen Austausch zu bieten. Jeder ist eingeladen, vom 25. Februar bis zum 10. März teilzunehmen.