Simone Froneck beim Royan-Schriftzug auf dem Gelände der Balinger Gartenschau. Foto: Thiercy

972 Kilometer liegen zwischen Balingen und Royan. Gefühlt aber kein einziger für Simone Froneck und ihre Familie. In dritter Generation sind sie bei der Städtepartnerschaft aktiv. Sie erzählt, was sie so sehr mit der Stadt am Atlantik verbindet.

Simone Froneck ist mit der „Jumelage“ aufgewachsen. Die Eltern der Heselwangerin, Karl-Heinz und Helga Jetter, waren von Anfang an überzeugt von der Städtepartnerschaft und reisten vor über 40 Jahren zum ersten Mal an den Atlantik.

 

Pierre und Jacqueline Pirez waren damals die Gastfamilie – und sind es quasi bis heute geblieben. Auch wenn die beiden fast 100 Jahre alt sind, ist doch ein jährliches Treffen fester Bestandteil der Froneckschen Sommerurlaube. „Das sind wunderbare Menschen“, sagt Froneck. „Die beiden leben den Europäischen Gedanken.“

Partnerschaft in dritter Generation

Froneck, die am Hechinger Gymnasium Chemie und Mathematik unterrichtet, erinnert sich an einen gemeinsamen Urlaub mit den Pirez im Baskenland. Da war sie ein Teenager. Sechs Mal hat sie selbst beim Schüleraustausch mitgemacht, dieses Jahr verbrachte ihre Tochter Katharina Schul-Zeit in Royan.

In dieser Richtung geht es vom Balinger Rathaus aus nach Royan. Foto:  Thiercy

Ganz so oft wie ihre Mutter wird Katharina nicht in der Partnerschaft die Schulbank drücken können. Das Lycée in Royan, vergleichbar mit einem deutschen Gymnasium, beteiligt sich nicht mehr am Austausch. Somit kommen nur die jüngeren Schüler für einen Austausch mit dem Collège in Frage – bis Klasse acht, erklärt Froneck.

Am Gymnasium Balingen zeichnet Jutta Heinle für die Organisation des Schüleraustausches verantwortlich. Anders als zu Fronecks Schulzeit lernen die meisten Mädchen in Frankreich heutzutage Spanisch. Französische Schüler, die sich für Deutsch als Fremdsprache entscheiden, seien meistens Jungs. „Und dann wird es schwer, für Mädchen eine passende Gastfamilie zu finden“, weiß Froneck. Katharina hatte Glück: Weil sie einen älteren Bruder, Jakob, hat, durfte sie reisen.

Die Badehose war nicht eingepackt

Familie Froneck verbringt ihre Sommerferien immer am Atlantik. Und immer gibt es bei den französischen Freunden in Royan Tage „en famille“. Neuerdings bei den Kindern der hochbetagten Pirez, Elaine und Patrick. Und die sind, fast schon Tradition, die Austauschfamilien der Jetters und Fronecks. Genau so wie James und Catherine Robert.

„Als ich zum ersten Mal den Namen gelesen habe dachte ich, wir werden Engländer besuchen“, sagt Froneck und setzt lachend hinzu: „Die beiden sprechen gar kein Wort Englisch.“

Ende September reisten drei Generationen aus Heselwangen nach Royan. Zum ersten Mal in all den Jahren konnten sie nicht am traditionellen Austernessen teilnehmen, denn: „Es war ein verlängerter Sommer,“ erinnert sich Simone Froneck. Und da sei es quasi Pflicht gewesen, wenigstens einen Tag am Strand zu verbringen. Worauf keiner eingestellt war: „Wir mussten erst mal Flipflops und eine Badehose für meinen Mann Thomas kaufen kaufen.“

Was würde die Vollblut-Partnerstädterin Menschen sagen, die noch nie bei der Jumelage dabei waren? „Es ist die beste Art, unsere Nachbarn kennenzulernen, zu verstehen und Europa zu begreifen.“ Dann seien das nicht mehr „die Franzosen“, sondern Freunde.