Den Stadtgärtnern obliegt in Nagold die Pflege sämtlicher Bäume, Büsche und Blumen. Bei allem was wächst haben sie ihre Finger im Spiel. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag für eine lebenswerte Stadt.
Es ist noch früher Morgen in Nagold. Gebeugt über ein Beet pflanzen die Stadtgärtner Blumen in dunkle Erde. Gleichzeitig schauen viele Leute aus ihrem Fenster und denken: „Ach wie schön, dass es wieder früher hell wird“, oder: „Ist es nicht toll, wie überall die Krokusse blühen?“
Wenigen ist der damit verbundene Aufwand bewusst – die vielen Arbeitsstunden bei Wind und Wetter. Viele Hände und organisierte Köpfe haben bereits Monate zuvor begonnen, auf diesen Moment hinzuarbeiten.
Was ist eine Stadt ohne angemessenes Pflanzenkleid?
Die Verantwortung für die städtische Bäume, Beete und Wiesen trägt der Baubetriebshof – genauer die Gruppen Gartenbau und Grünpflege. Hier arbeiten Menschen, die sehr früh aufstehen um - egal ob bei Regen oder Sonnenschein – ihren Beitrag zu leisten. Denn was ist eine Stadt ohne das angemessene Pflanzenkleid? Menschen lieben einfach Dinge, die wachsen.
Von vielen Seiten unter Druck
Das lässt sich sogar wissenschaftlich untermauern: „Naturkontakt hilft, Stress, Aggressionen oder auch Ängste abzubauen und fördert die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit“, heißt es in einer Studie der Technischen Universität Berlin und des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung.
Die Männer und Frauen vom Bauhof haben also jedes Schulterklopfen und jedes Wort des Dankes redlich verdient. Und doch sind auch sie in ihrer Arbeit nicht frei von Beschwerden – über Baumschnittarbeiten zum Beispiel. Warum schneiden Sie die Bäume ausgerechnet jetzt? Warum schneiden Sie nicht die Bäume hier? Es ist manchmal schwierig. Da ist den Gärtnern jeder willkommen, der einmal stehen bleibt und sagt: „Mensch, das ist schön. Was wären wir ohne euch?“
Auch Pflanzen können Sonnenbrand bekommen
Denn die Anforderungen an die Stadtgärtner wachsen. Im Moment stehe man bei rund 4000 Aufträgen pro Jahr, gibt Thomas Rechenberg an, Leiter des Baubetriebshofs in Nagold. Damit habe sich die Auftragslage in den vergangenen sieben Jahren etwa vervierfacht, während in der gleichen Zeit nur zwei neue Mitarbeiter eingestellt worden seien.
Und an noch einer Stelle ist eine deutliche Zunahme bemerkbar. Seit der Landesgartenschau im Jahr 2012 haben sich die benötigten Kapazitäten, was das Gießwasser für den Unterhalt der städtischen Pflanzen betrifft, verdoppelt. In der Planung der Gärtner wird das schon länger mit eingerechnet.
Ganz nah am Klimawandel
Der Klimawandel werde sich in Zukunft immer stärker bemerkbar machen. „Die Sonne wird aggressiver“, konstatiert Martin Kienzle, von der Gruppe Gartenbau. Und auch Pflanzen könnten Sonnenbrand bekommen. Die Bäume müssen außerdem immer stärker gegossen werden. „Was ich allein im letzten Jahr in den Wäldern erlebt habe, da wird es einem ganz anders“, gibt Armin Fessele an, der Leiter des Stadtgärtner-Teams.
Bei den Gärtnern sucht man einen pragmatischen Umgang mit dem Klimawandel. Thomas Rechenberg setzt große Hoffnungen in moderne Bewässerungs-Technologien, wie etwa eine digitale Feuchtigkeitsanzeige, mit der die Stadtgärtner zu jeder Zeit und aus der Ferne prüfen können, wie der Wasserbedarf einer bestimmten Pflanze gerade ist. Ressourcen, auch Arbeitskraft, könnten so zielgerichteter eingesetzt werden. „Die Natur leidet gnadenlos. Der Wald geht kaputt“, sagt Armin Fessele, „Wir müssen daran denken mit der Natur zu arbeiten – denn dagegen geht nicht.“
Frühjahrs-Swing mit rund 4700 Frühblühern
Doch neben diesen Sorgenfalten gibt es vieles, das dem Chef der Stadtgärtner ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Gerade erst vor einigen Tagen bepflanzte sein Team den Nagolder Frühjahrs-Swing mit rund 4700 Frühblühern – Stiefmütterchen, Narzissen und vieles mehr. „Der Swing ist eine gute Sache. Es haben ja nicht alle Leute einen eigenen Garten. Die können dann abends hier herkommen, durch die Straßen flanieren und sich nach der Arbeit beim Anblick der Blumen entspannen.“ Und mit einem Blick auf die Beete kommentiert Fessele: „Das ist die beste Arbeit der Welt.“