Der Dienst Freegal steht den Bibliotheksnutzern nicht mehr zur Verfügung. Foto: Marina Schölzel

Mit kostenlosem Musikstreaming über den Dienst Freegal ist jetzt Schluss – die Stadtbibliothek Schwenningen hat ihr Angebot von legalem Musikhören eingestellt. War die Konkurrenz mit Spotify und Co. einfach zu groß?

Musik begleitet uns durch den Alltag – ein Angebot für kostenloses und legales Musikstreaming gab es seitens der Stadtbibliothek Villingen-Schwenningen, doch damit ist seit Anfang des Jahres Schluss.

 

Mit 18 Millionen Liedern aus 200 Genres wirbt der Musikstreaming-Dienst Freegal für sein Angebot und sei damit laut den eigenen Angaben einer der beliebtesten Bibliotheksdienste der Welt – doch wohl nicht bei den Bürgern von VS.

„Seit Jahresanfang haben wir das Musikstreaming Freegal nicht mehr im Angebot“, schreibt es die Website der Bibliothek. Doch warum nicht?

Drei Stunden Musik am Tag

Auf den Dienst hatte jeder registrierte Bibliotheksnutzer Zugriff und konnte mit dem Dienst täglich drei Stunden Musik hören und bis zu drei Lieder in der Woche für sich herunterladen und behalten, erklärt Bibliotheksleiter Volker Fritz das Angebot. Hierzu mussten sich die Nutzer lediglich auf der Website des Dienstes mit ihrer Bibliotheksnummer einloggen. Seit 2014 habe es den Dienst gegeben, doch zum Jahresende 2023 wurde er eingestellt.

„Die Nutzung war eher verhalten und letztendlich auch im Verhältnis zu den Kosten nicht befriedigend“, erklärt Fritz. Lediglich rund 200 Bibliotheksbenutzer hätten im Jahr 2023 von dem Gratis-Musikhören Gebrauch gemacht, pro Jahr habe man jedoch nach Angaben von Volker Fritz rund 8500 Bibliotheksnutzer. Die Nutzerzahlen für Musik wurden Stadtbibliothek irgendwann zu wenig. „Aufgrund der wenig starken Nutzung durch nur sehr wenige Bibliotheksbenutzer im Verhältnis zu den Kosten haben wir uns gegen eine Verlängerung entschieden.“ Wie viel die Lizenz für den Streaming-Dienst gekostet hatte, darüber wollte man seitens der Stadtbibliothek jedoch keine Angaben machen.

Woanders bezahlt man fürs Musikhören

Blickt man auf das derzeitige Angebot von Konkurrenz-Anbietern, dürfte das Angebot der Stadtbibliothek gar kein schlechtes gewesen sein – bei dem Streaming-Giganten Spotify etwa zahlt man für ein Abonnement ohne Werbeunterbrechungen 10,99 Euro im Monat, beim Apple-Konkurrenten sowie bei Amazon Music ebenfalls. Schließt man bei den Streaming-Diensten ein Abo ab, kann man jedoch zeitlich unbegrenzt Musik hören – ob das ein Grund für die rare Nutzung des Bibliotheks-Dienstes war?

Eventuell, meint jedenfalls Volker Fritz: „Über die Gründe kann nur spekuliert werden, mit Sicherheit die zahlreichen anderen Musikstreamingangebote, deren Portfolio auch deutlich breiter ist als Freegal.“ Doch auch ein weiter Grund könnte verantwortlich sein. „Freegal ist sehr stark auf einen großen Musikkonzern ausgerichtet“, erklärt der Bibliotheksleiter. Auf der Plattform ist nämlich – das geht aus den FAQs auf der Internetseite des Dienstes hervor – hauptsächlich Musik des Musikkonzerns Sony Music vertreten.

Abwarten auf die Haushaltsberatungen

Gratis Musikhören ist also nicht mehr – doch besteht Hoffnung auf eine Alternative für die Bibliotheksnutzer? Dazu äußert sich der Bibliotheksleiter diplomatisch: „Wir sind sehr aufmerksam und prüfen regelmäßig, ob wir neue digitale Angebote aufnehmen, dazu müssen wir aber auch die Mittel haben. Unser Online-Angebot ist mit E-Medien in Deutsch und Englisch, Presseangeboten, Filmstreaming und vielen Wissensdatenbanken sowie interaktiven Lernhilfen sehr breit aufgestellt und ergänzt unsere Angebote vor Ort.“

Den aktuellen Haushaltsberatungen möchte man seitens der Stadtbibliothek nicht vorgreifen, was angeboten wird, hänge stets von den eingeplanten Mitteln ab. Natürlich sei für 2024 für die Stadtbibliothek wieder einiges geplant – gestartet werde im ersten Halbjahr etwa mit der „Bibliothek der Dinge“. Hier werde ausprobiert: „Bei der Bibliothek der Dinge werden wir Geräte und Werkzeuge, die man mal ausprobieren möchte oder zu selten braucht, um sie selbst zu kaufen zur Ausleihe anbieten. Damit bauen wir das Angebot der bereits vorhandenen ausleihbaren Geräte aus“, macht Volker Fritz Lust auf das Event.