Ana Maria Raffai bei ihrem Vortrag im Ökumenischen Zentrum auf der Seebauernhöhe. Foto: Paskal Foto: Schwarzwälder-Bote

Religion: Theologin skizziert das Wirken von Dorothee Sölle

St. Georgen. Ana Maria Raffai referiert über Dorothee Sölle. Gewaltfreiheit war das zentrale Thema.

Die evangelische Erwachsenenbildung und der ökumenische Arbeitskreis hatten die Theologin Ana Maria Raffai im ökumenischen Zentrum zu Gast. Sie engagiert sich seit mehr als 20 Jahren in den Nachfolgerepubliken Jugoslawiens für Versöhnung und Frieden und gehört als Mitbegründerin dem Netzwerk "Gläubige für den Frieden" an. Vor zwei Jahren hat sie an gleicher Stelle über die Friedensarbeit berichtet. Jetzt hat sie über das Wirken und die Einflussnahme von Dorothee Sölle ihre Doktorarbeit mit dem Thema "Gewaltfreiheit in der Theologie der Befreiung von Dorothee Sölle" geschrieben und war dazu bereit, den 20 Anwesenden darüber zu berichten. Sölle lebte von 1929 bis 2003, war Theologin und befasste sich intensiv mit Gewaltfreiheit. Raffai habe sie in der Friedensausbildung einmal getroffen. Sölle ist nicht als fromme Frau bekannt, ihr politischer Aktivismus galt dem Frieden. Sie war als Befreiungstheologin geschätzt.

Vor der sechsten Vollversammlung des ökumenischen Rates der Kirche hielt sie im Jahr 1983 in Vancouver den Vortrag "Leben in seiner Fülle". Ihr zorniges Plädoyer gegen Geld und Gewalt erregte großes Aufsehen. Briefe an ihre Kinder endeten nicht ohne den Satz "Vergiss das Beste nicht". Die Verantwortung vor Gott war ihr wichtig. Ihr Vorbild war Jesus von Nazareth. 1987/88 sprach sie darüber, dass dem Friede zu wenig Beachtung geschenkt würde. Friede und Gerechtigkeit gehören zusammen. Von ihr stammt der Satz "Die Sicherheit, die Aufrüster uns schenken, ist todsicher". Sölles Credo lautete: Dreimal Nein zur Gewalt. Nein zur Angst vor Gewalt und Verachtung der Gewalt, Nein zur Gewöhnung an die Gewalt und Nein zur Gehorsamkeit. Die Absage an die blinde Gehorsamkeit ist Gewaltfreiheit. Die Wahrheit ist wichtig und die Übereinstimmung über Tun und Reden soll erkennbar sein. Nach ihrem mit einem Gedicht Sölles endenden Referat beantwortete Raffai noch etliche Fragen der Zuhörer. So wollte ein Besucher wissen, wie Sölle es im Leben mit der Gewaltfreiheit gehalten hat. Sie soll im Leben unter den Frommen die Politische und unter den Politikern die Fromme gewesen sein. Wenn etwas ungerecht ist, lohne sich der gewaltfreie Widerstand. Ein weiterer Zuhörer meinte, dass die Bergpredigt hier nahestehend sei. Diakon Martin Höfflin-Glünkin sagte zum Abschluss: "Christus war uns vor mehr als 2000 Jahren schon weit voraus."

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