Mit ihrem Sportplatz sind die Langenwinkeler Kicker (links) zufrieden – es gibt nur ein Problem: Er ist noch nicht bezahlt. Foto: Mühl

Der mittlerweile dreieinhalb Jahre alte Sportplatz im Lahrer Stadtteil ist noch immer nicht komplett bezahlt. Den Druck des Gläubigers gibt der Verein und Bauherr jetzt mit Vehemenz ans Rathaus weiter.

Im Juli 2020 war die Welt der Langenwinkeler Kicker schwer in Ordnung. Lange hatten sie für ihre neue Spielstätte in den Limbruchmatten gekämpft, nun endlich durften sie sie in Betrieb nehmen. Vor dem ersten Training gab es eine kleine Feierstunde, bei der sich Vertreter aus Sport und Politik gegenseitig zur Vollendung des gemeinsamen Projekts beglückwünschten. Heute indes könnten die Gräben zwischen Verein und Stadt tiefer kaum sein. „Wir bereiten gerade zwei Klagen gegen die Stadt Lahr vor“, erklärt der FVL-Vorsitzende Anton Dahinten unserer Redaktion. Es geht, wie so oft, ums Geld und angeblich unerfüllte Versprechungen.

 

Ausgaben höher als gedacht

Laut ursprünglicher Planung sollte der neue Sportplatz in Langenwinkel 490 000 Euro kosten. Davon steuerte der Badische Sportbund 95 000 Euro, die Regionalstiftung der Sparkasse 20 000 Euro bei; den mit Abstand dicksten Batzen gab aber der Lahrer Gemeinderat frei: 375 000 Euro flossen aus dem Stadtsäckel in den Sportstättenbau. Doch die Rechnung ging nicht auf, wurde im Mai vergangenen Jahres bekannt.

Damals echauffierte sich Vereinschef Dahinten über die geplanten Investitionen an der Dammenmühle. In die dortigen Sportstätten – und vor allem in eine neue Kita – sollen in den nächsten Jahren bekanntlich mehrere Millionen Euro fließen. Dahintens Tenor: Obwohl sie bei uns noch nicht alles bezahlt hat, schmiedet die Stadt an anderer Stelle schon wieder große Pläne.

Vorsitzender: „unverschuldete Mehrkosten“

Die knappe halbe Million Euro, die für den Langenwinkeler Sportplatz einkalkuliert waren, hat nicht gereicht, die Schlussrechnung beträgt wohl mehr als 600 000 Euro. Dahinten spricht von „unverschuldeten Mehrkosten“, die dem FVL als Bauherrn entstanden seien. Schon vor anderthalb Jahren hatte er betont, „dass alle Baumaßnahmen von der Stadt Lahr mitbegleitet, geprüft und genehmigt“, am Ende aber „Leistungen nicht anerkannt oder gekürzt“ worden seien.

Bei der Einweihung des Spielfelds im Juli 2020 strahlten die Vertreter des Vereins (links: Anton Dahinten) und der Politik noch gemeinsam mit Gönnern in die Kamera. Mittlerweile hat sich die Stimmung deutlich eingetrübt. Foto: Mühl

Die Stadt hält auf Nachfrage dagegen – und dreht den Spieß um. Der Verein habe Zusatzkosten in Höhe von 141 000 Euro angemeldet, wovon man knapp 38 000 Euro „als gerechtfertigt und anerkannt angesehen“ habe. Allerdings habe die Stadt ihrerseits noch Forderungen gegenüber dem Verein, die diesen Betrag überschritten, weshalb man das Geld nicht ausbezahlt habe. Die Mehrkosten beim Sportplatzbau sind nach Angaben aus dem Rathaus „im Wesentlichen“ dadurch entstanden, dass der Verein statt Bodenverbesserungen einen Bodenaustausch vorgenommen habe. Dabei, so die Stadt, seien „ungewöhnlich weite Transportwege zur Abrechnung gekommen“.

Entgegengekommen von Verein und Gläubiger

Der Spielfeld-Deal mit dem Lahrer Rathaus sah einst vor, dass die Langenwinkeler Kicker die brachliegende Tennisanlage in ihrer Nachbarschaft zurückbauen und so Platz für den gewünschten Sportplatz schaffen. Darüber hinaus übernahm der FVL ein altes 42 000-Euro-Darlehen des Tennisclubs. Aus Sicht Dahintens hat der Verein damit genug getan.

Nichtsdestotrotz habe es zuletzt ein Entgegengekommen gegeben – von ihm und vom Gläubiger. Demnach habe der Vorsitzende angeboten, von der noch offenen Rechnung 20 000 persönlich zu übernehmen, die Sportstättenbau-Firma hätte auf dieselbe Summe verzichtet. Den Rest sollte die Stadt tragen. Doch trotz „angeblicher“ Zustimmung der Verwaltungsspitze sei bis heute kein Geld geflossen, sagt Dahinten. Die Stadt hingegen betont, man habe dem FVL über die ursprünglich genehmigten 375 000 Euro „keine weiteren Mittel zugesagt“ und ihn „darauf hingewiesen, dass er als Bauherr alle Risiken trägt“.

Stadt weiß nichts von neuen Kabinen

Dahinten greift nach Lage der Dinge zur Ultima Ratio: „Nicht, dass wir Freunde der gerichtlichen Wege sind, aber es bleibt uns keine andere Möglichkeit.“ Das gilt offenbar auch in anderer Sache, wegen der der FV Langenwinkel eine weitere Klage gegen die Stadt einreichen will. Der Anspruch des Ortsteils auf einen neuen Sportplatz soll aus dem Jahr 1972 datieren, als Langenwinkel in die Stadt eingegliedert wurde. Laut Dahinten wurde im damaligen Vertrag zudem der Bau neuer Umkleidekabinen versprochen. Darauf pocht der FVL nun. Im Rathaus zeigt man sich ahnungslos: Die Stadt wisse von dieser angeblichen Zusicherung nur aus einer E-Mail des Vorsitzenden. Im Zusammenhang mit dem Sportplatzneubau sei ein Kabinentrakt „bislang kein Thema“ gewesen.

Eine Seite „optimistisch“, die andere „gelassen“

Vereinschef Dahinten ist „sehr optimistisch und zuversichtlich, dass ein Gerichtsurteil zu unseren Gunsten fallen wird“. Auf die Frage, ob im Falle einer Niederlage die Existenz des Langenwinkeler Fußballvereins gefährdet wäre, erklärt er: „Der FVL wird keine Insolvenz anmelden, solange ich noch in diesem Verein involviert bin. Eher die Stadt, wenn diese die Kosten nicht bezahlen kann.“

Die Lahrer Verwaltung will die rechtliche Situation nicht bewerten, ehe die Klagen auf dem Tisch liegen, betont aber, einem Gerichtsprozess „gelassen“ entgegenzuschauen. Und sie lässt dem FVL ein Hintertürchen offen, seine Schulden noch zu begleichen: „Die Stadt ist hinsichtlich einer möglichen Ratenzahlungsregelung gesprächsbereit.“

Krankenhaus-Pläne sorgen für pikante Note

Der Streit zwischen dem FV Langenwinkel und der Stadt Lahr hat mit den jüngsten Entwicklungen eine pikante Note erhalten. Bekanntlich soll in unmittelbarer Nachbarschaft des FVL ein neues Krankenhaus entstehen. Während sich der ebenfalls betroffene Reitverein klar gegen den Standort ausspricht, haben sich die Fußballer in Person ihres Vorsitzenden mehrfach positiv zu dem Großprojekt geäußert.