Yannis Fischer hat im vergangenen Jahr den Titel im Kugelstoßen bei der Para-Leichtathletik-WM gewonnen. Nun darf er sich auch Sportler des Jahres in Stuttgart nennen. Foto: imago/Axel Kohring

Stuttgart versteht sich als Sportstadt. Aber: Wer sind ihre Aushängeschilder. Am Montagabend wurden in Cannstatt die Sportler des Jahres gekürt. Bei den Männern siegte ein Überraschungsweltmeister.

Feierlicher Rahmen, jede Menge Gäste – und strahlende Siegerinnen und Sieger. Am Montagabend sind im Cannstatter Kursaal Stuttgarts Sportlerinnen und Sportler des Jahres gewählt worden.

 

Eine Auswahlkommission, bestehend aus Vertretern von Sportamt, Sportkreis, Sportkreisjugend und Olympiastützpunkt sowie den beiden ehemaligen Athletinnen Kim Bui (Turnen) und Chantal Laboureur (Beachvolleyball) hatten vor Wochen die Liste der Nominierten zusammengestellt. Je drei in den Kategorien Sportlerin, Sportler und Mannschaft. Maßgeblich dafür waren die im Jahr 2023 erreichten Erfolge und erbrachten Leistungen. Die geladenen Gäste – darunter auch zahlreiche Sportler und Trainer – hatten im Vorfeld des Ehrungsabends dann ihre Stimme abgegeben.

In der Kategorie „Sportler des Jahres“ erhielt die meisten davon: Yannis Fischer – der sich unheimlich freute über die Auszeichnung.

„Diese Wahl hat eine große Bedeutung für mich“, sagte der kleinwüchsige Kugelstoßer, „das ist eine Riesenehre und ein Zeichen der Anerkennung.“ Und wohl auch eine Motivation, sich weiter zu schinden um die nächsten Ziele in Angriff zu nehmen. Im Sommer finden in Paris die Paralympics statt – Yannis Fischer ist zwar noch nicht qualifiziert, allein der Austragungsort sollte aber schon als gutes Omen dienen.

Basis für die Auszeichnung am Montag in Stuttgart war nämlich sein Erfolg, den er in der französischen Hauptstadt eingefahren hat. Gleich bei seiner ersten WM-Teilnahme sicherte sich der 22-jährige Leichtathlet die Goldmedaille im Kugelstoßen. „Dass ich bei meiner ersten WM gleich eine solche Leistung abrufen konnte, das war schon krass“, erinnert er sich. Zumal er nicht einmal in einem körperlichen Topzustand in den Ring gestiegen war.

Schwierige Zeiten wegen eines Bandscheibenvorfalls

Wegen eines Bandscheibenvorfalls im Vorfeld der WM „war ich schon froh, dass ich überhaupt starten konnte“, sagt Fischer, der seine Leistung in Paris dann als „überraschend“ einstufte. Seinen eigenen Deutschen Rekord hat er auf 11,43 Meter gesteigert – was zugleich Meisterschaftsrekord bei einer WM bedeutete.

Der Erfolg linderte die Schmerzen, die aber bis heute noch nicht komplett verschwunden sind. „Ich bin nach wie vor noch nicht voll belastungsfähig“, sagt der Leichtathlet, der im Krafttraining manche Übungen schmerzfrei absolvieren kann – etwa das Bankdrücken. Andere dagegen aber nur eingeschränkt durchführen kann – Kniebeugen, zum Beispiel. Das Stoßtraining kann er zwar wieder mit der Vier-Kilogramm-Wettkampfkugel bestreiten. Sein Rücken lässt aber nur eine geringe Anzahl von Versuchen in jeder Einheit zu.

Allzu vollmundige Ziele mag sich der deutsche Para-Nachwuchssportler des Jahren 2023 für 2024 daher noch nicht stecken. Priorität hat bei den Freiluft-Wettkämpfen ab Ende April erst einmal das Erreichen der Olympianorm von 11,03 Metern. Bei seiner ersten Paralympics-Teilnahme vor drei Jahren in Tokio war Yannis Fischer auf Platz sechs gelandet, danach hat er sein Sportlerleben noch einmal professionalisiert.

Nach dem Abitur 2021 zog er von Singen nach Stuttgart, musste somit nicht mehr zu einzelnen Einheiten in die Landeshauptstadt pendeln – und gehört seitdem fest zur Trainingsgruppe, in der auch Paralympicssieger Niko Kappel aktiv ist – Fischers Vorgänger als Stuttgarts Sportler des Jahres. „Der Schritt nach Stuttgart hat sich für mich absolut gelohnt“, erklärt Fischer. Beide Para-Kugelstoßer starten für die Leichtathletikabteilung des VfB Stuttgart.

Neben Yannis Fischer waren in der Kategorie „Stuttgarts Sportler des Jahres“ der Nachwuchsturner Timo Eder und das Schwimmtalent Subäjr Biltaev.