Der Bundesligist will wie im Fall von Trainer Sebastian Hoeneß auch mit dem Sportdirektor den Vertrag vorzeitig verlängern. Doch dafür muss erst noch einiges geklärt werden.
Wer Fabian Wohlgemuth verstehen will, der muss ihm nur damit kommen, dass ein wichtiger Spieler den VfB Stuttgart schon bald verlassen und sich daraus eine nicht mehr zu schließende Lücke in der Mannschaft ergeben könnte. Wie im Fall von Torjäger Serhou Guirassy, der sowohl im vergangenen Sommer als auch danach im Winter als heißer Wechselkandidat galt. Der Sportdirektor bleibt in diesen Momenten ruhig. Er kennt ja das Fußballgeschäft aus vielen Perspektiven, lässt sich nicht von Spekulationen treiben und arbeitet in der Überzeugung, dass sich immer Ersatz finden lässt. Man muss nur gut vorbereitet sein.
Das ist Wohlgemuth, seit er im Dezember 2022 in einer schwierigen Phase für den Bundesligisten nach Stuttgart gekommen ist. Mit seinem Pragmatismus hat es der Berliner seither geschafft, den VfB-Kader zu verstärken. In seiner unaufgeregten Art ist es ihm außerdem gelungen, dem zuvor durchaus launenhaften Team mehr Ernsthaftigkeit und Professionalität zu vermitteln.
Der Unterschied zu Sebastian Hoeneß
Gemeinsam mit Trainer Sebastian Hoeneß darf Wohlgemuth somit als Baumeister des aktuellen sportlichen Erfolgs bezeichnet werden. Und wie beim Coach endet der Vertrag des Sportdirektors am 30. Juni 2025. Anders als bei Hoeneß erregt dieser Umstand aber weniger Aufmerksamkeit. Weil der VfB-Trainer ja gleich mit dem FC Bayern München in Verbindung gebracht wurde, der einen Nachfolger für Thomas Tuchel sucht.
Wohlgemuth beobachtet auch diese Entwicklung mit Gelassenheit. Er geht die Verhandlungen mit Sebastian und Dieter Hoeneß, dessen Vater und Berater, gemeinsam mit dem Vorstandsvorsitzenden Alexander Wehrle an. Der Coach soll vorzeitig einen neuen Kontrakt unterschreiben, möglichst noch bevor die kommende Saison startet.
Das ist der Plan, der wie so oft bei Wohlgemuth zwei Komponenten enthält: langfristig denken, kurzfristig handeln. So agierte der 44-Jährige auch bei den Vertragsverlängerungen von Waldemar Anton, Enzo Millot und Chris Führich. Viel beachtete Personalien, die der Sportdirektor zum Abschluss brachte, obwohl er eine Frage nicht beantworten konnte: Wie steht es konkret um seine Zukunft?
Die Antwort seines Chefs: „Selbstverständlich wollen wir in der Konstellation mit Fabian Wohlgemuth und Sebastian Hoeneß langfristig weitermachen. Sie leisten hervorragende Arbeit für den VfB und sollen die Mannschaft weiterentwickeln“, sagt Wehrle. Auch im Fall des Sportdirektors soll der neue Vertrag bald unterschriftsreif daliegen.
Die Hängepartie mit dem Sportvorstand
Reine Formsache ist das jedoch nicht, da beim VfB zunächst geklärt werden muss, welchen Titel Wohlgemuth künftig trägt: Sportdirektor oder Sportvorstand? Seit Monaten läuft der Auswahlprozess im Aufsichtsrat, um einen neuen Mann auf der höchsten Hierarchieebene der VfB AG zu installieren.
Wohlgemuth gehört zum Kandidatenkreis. Dabei gibt es nicht wenige an der Mercedesstraße in Bad Cannstatt, die meinen, dass keiner besser in das Anforderungsprofil passt als derjenige, der schon da ist. Wehrle, der den zusätzlichen Posten des Sportvorstands abgeben will, sprach sich mehrfach für Wohlgemuth aus. Zudem erledigt dieser in der strategischen Ausrichtung bereits jetzt Aufgaben eines Sportvorstands. Mehr und mehr wird er auch zu einem Gesicht des Vereins – und der Erfolg des Tabellendritten spricht für ihn.
Doch eine Beförderung lässt weiter auf sich warten, weil der Aufsichtsrat externe Kandidaten prüft. Als Misstrauen des Kontrollgremiums könnte Wohlgemuth die Hängepartie werten und sich in die Schmollecke zurückziehen. Tut er aber nicht, was allerdings nicht bedeutet, dass er jede Lösung beim VfB akzeptierten würde. Denn bei allem Pragmatismus und bei aller Gelassenheit weiß der Sportdirektor sehr genau, was er will.