Holzklötzchen kennt jedes Kind: Nachhaltigkeit ist in der Spielebranche immer mehr gefragt. Foto: Stock Adobe

Immer mehr Spielwarenhersteller setzten auf Nachhaltigkeit. Dabei spielen nicht nur Ökomaterialien eine Rolle, sondern auch das Thema Langlebigkeit, sagt ein Marktforscher.

Stuttgart/Nürnberg - Holzklötzchen kennt jedes Kind. Doch wenn es nach der Branche geht, dürften immer mehr Spielsachen aus natürlichen Materialien die Kinderzimmer erobern. Die kleine Giraffe Sophie aus Naturkautschuk, farbige Korkbauklötzchen oder Dinosaurier aus Bambus gefällig?

 

Die Nürnberger Spielwarenmesse, die Anfang Februar zwar nicht in Präsenz, aber virtuell stattfindet, hat Nachhaltigkeit als „Megatrend“ ausgerufen mit dem Sonderthema „Toys go green“, Spielzeuge werden grün. Es geht dabei um natürliche Materialien wie Holz, biobasierte Kunststoffe oder recycelte Stoffe. Bislang dominiert Plastik den Spielzeugmarkt.

„Bei vielen Menschen ist der Wunsch nach kurzfristiger Belohnung und vor allem nach dem Leuchten in den Augen der Kinder, wenn man das Spielzeug überreicht, deutlich stärker als das ökologische Bewusstsein“, sagt der Münchner Marktforscher Axel Dammler, Mitglied im Trendkomitee der Spielwarenmesse. Ein ferngesteuertestes Auto lasse sich nicht durch ein Holzauto ersetzen, das geschoben werden müsse, nennt er ein Beispiel.

„Das Gesamtpaket muss stimmen“

„Es gibt seit Jahren tolles nachhaltiges Spielzeug, das es nicht in den Massenmarkt geschafft hat“, sagt Kinder- und Jugendforscher Dammler. Das hat unterschiedliche Gründe – etwa, weil es wegen der geringeren Stückzahlen noch vergleichsweise teuer ist oder nicht den vergleichbaren Spielwert hat. Nachhaltigkeit allein sei kein Nutzen. „Das Gesamtpaket muss stimmen“, sagt Dammler.

Noch spielt der Preis nach wie vor eine dominierende Rolle bei der Kaufentscheidung, wie eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts You-Gov im Auftrag des deutschen Verbands der Spielwarenindustrie (DSVI) ergeben hat. Das dürfte sich aber ändern, nicht nur, weil vor allem Jüngere ihren Konsum hinterfragen.

Mittlerweile komme Schwung in den Markt, sagt Dammler. Spielzeughersteller würden verstärkt auf die Vermeidung von Plastik bei Produkt und Verpackung oder den Einsatz von Ökomaterialien setzen – auch wegen der Angst vor strengeren Vorschriften hinsichtlich Material oder bestimmter Nachweise. Und auch bei den Konsumenten verändere sich das Bewusstsein. Die Flutkatastrophe und die Hitzesommer direkt vor der Haustür hätten das Thema Klimawandel unmittelbar erfahrbar gemacht. „Das Thema Nachhaltigkeit war vorher sehr abstrakt und für die Menschen schwer zu greifen, jetzt bekommt es mehr Relevanz.“

Nachhaltigkeit bekommt mehr Relevanz

Ganz auf Plastik zu verzichten – damit tun sich viele Hersteller schwer, denn für die Spielzeugherstellung scheint das Material ideal. Der Rohstoff ist sicher, lässt sich in verschiedenste Formen verarbeiten und beliebig färben. „Plastik lässt sich nicht so schnell austauschen“, sagt Dammler dazu. Viele Spielzeughersteller arbeiteten daran, aber die alternativen Materialien müssten auch den firmeneigenen Ansprüchen genügen.

Der Spielzeughersteller Lego etwa will nach eigenen Angaben bis 2030 die bunten Klötzchen aus nachwachsenden Rohstoffen fertigen und weg vom Erdöl und Kunststoff kommen. 2018 hat der Spielzeughersteller begonnen, erste Elemente wie Blätter oder Büsche aus Zuckerrohr herzustellen – aus dem ein langlebiger Kunststoff gewonnen werden kann. Mittlerweile gibt es auch den Prototyp eines Steins aus recycelten PET-Flaschen.

Langlebigkeit statt Billig-Ramsch-Plastik

Doch nicht nur das Material, auch die Langlebigkeit spielt laut Dammler beim Thema Nachhaltigkeit eine Rolle. Konsumenten differenzierten zwischen „gutem“ und „schlechtem“ Plastik, weiß er aus Erfahrung. Für die Verbraucher zählten Lego, Playmobil oder beispielsweise die Schleich-Figuren zur ersten Kategorie, weil es qualitativ hochwertiges Spielzeug mit einem hohen Spielwert und einer Langlebigkeit sei – im Gegensatz zu Billig-Ramsch-Plastik, das nur wenige Monate halten würde.

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„Die Deutschen kaufen Systemspielzeug, das sich ergänzt, wo man etwas dazukaufen kann. Da ist automatisch Langlebigkeit drin“, sagt Axel Dammler. In Deutschland habe sich sogar auch ein starker Secondhandmarkt für Spielzeug entwickelt. So gesehen kauften die Deutschen viel nachhaltiger ein – auch wenn es nicht unbedingt aufs Material bezogen sei.

Biobaukasten mit Bausteinen aus Rizinusöl

Ähnlich äußert sich auch eine Sprecherin des Bobbycar-Herstellers Simba Dickie. Die Fahrzeuge aus hochwertigem Kunststoff würden teils über Generationen genutzt, zudem gebe es Ersatzteile. Für die schwarzen Räder der Bobbycars werde Recyclingmaterial eingesetzt.

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Die Themen Nachhaltigkeit und Klimaschutz kommen im Kinderzimmer offenbar an. Unter den Top Ten der angesagtesten Spielzeuge des vergangenen Jahres war beispielsweise ein Legohaus mit Solarmodulen auf dem Dach und einer Ladestation für E-Autos, außerdem ein Biogewächshaus von Clementoni und ein Baukasten von Fischer-Technik, um ein Wasserstoffauto nachzubauen.

Auch deren neuer Biobaukasten „Animal Friends“, mit dem die Kleinen spannende Tierabenteuer bestehen können, soll die Kinderzimmer erobern. Die Bausteine bestehen zu 60 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen. Als Basis dient Rizinusöl, das aus dem Samen des Wunderbaums gewonnen wird, wie Fischer-Technik, eine Tochter der Fischer-Gruppe aus Waldachtal (Schwarzwald) mitteilt.