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Spendenaktion Das Stethoskop ist ein Tiger

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Wenn das Kuscheltier krank ist, hilft Kinderarzt Jörn Andrea. Foto: Privat

Schönwald - Nora ist fünf Jahre alt. Sie hat Krebs. Die Diagnose vor einem Jahr: Tumor von der Schädelbasis ausgehend, Rücken und Wirbelsäule betroffen. Nora hat OP, Chemo und Strahlentherapie überstanden. Jetzt erhält sie eine Erhaltungschemotherapie – auch das leistet die Katharinenhöhe.

Doch Nora hat ganz andere Sorgen. Ihr Kuscheltier ist krank. Ihr Kätzchen mit dem Namen "Breschert" muss behandelt werden. Auch darauf ist die Katharinenhöhe eingerichtet und dem heiß geliebten, vom vielen Drücken etwas lädierten Stofftier, kann geholfen werden. Nora macht sich auf den Weg, denn heute ist Sprechstunde bei Kuscheltierarzt Jörn Andrea. "Breschert" muss auf die Behandlungsliege. Ganz vorsichtig, denn er trägt einen Verband. "Sie ist hingefallen, die Pfote ist gebrochen", erklärt Nora mit zarter Stimme, und ihre großen Augen schauen erwartungsvoll.

"Da hast Du sie aber gut versorgt", lobt der Kinderarzt mit Kuscheltierspezialausbildung. Die Untersuchung beginnt. Der Verband wird aufgeschnitten, Herz, Lunge und Bauch abgehört. Dem Kätzchen wird ins Maul geschaut, jetzt noch Fieber messen. "Macht man das in der Nase?" fragt Andrea. "Nein", lacht Nora, "im Ohr". "Breschert" hat ein bisschen Ohrenschmalz, doch 37 Grad sind super.

Aber Jörn Andrea will es genau wissen. Ultraschall ist angesagt. Nora zieht ihre Katze aus und streichelt sie. "Das tut gar nicht weh", tröstet sie, so wie es ihre Mama immer macht. Und tatsächlich, "Breschert" ist ganz lieb und miaut nur leise. Doch als ein ziemlich großes rotes Etwas auf dem Bildschirm erscheint, schaut Nora ganz erstaunt. "Ein Gummibärchen! Einfach verschluckt ohne zu kauen" ist Andreas Diagnose – aber sonst ist er sehr zufrieden.

Kätzchen Breschert bekommt einen neuen Verband und Nora erhält ein Rezept für eine Kuschelkatzenmedizin, denn "Breschert" hat sicher Schmerzen. "Wenn ihr Kinder wieder alle zusammen zu mir kommt, bring doch bitte deine Katze zur Kontrolle mit", sagt der Kuscheltierarzt zum Abschied. Nora lächelt, drückt ihr perfekt verarztetes Kätzchen an sich, nimmt die Medizin, das abgestempelte Rezept und strahlt ihre Mutter an.

"Diese Kuscheltiersprechstunde macht den Kindern Spaß und mir auch", sagt Andrea – und das glaubt man diesem großen Mann, im blauen Hemd und ohne weißen Kittel sofort. "Natürlich ist sie auch ein Instrument der Verarbeitung. Wenn ein vierjähriges Kind zwei Jahre seines Lebens mit der Krankheit verbracht hat, ist das die Hälfte seines bisherigen Lebens. Entsprechend große Bedeutung hat die Krankheit in seinem Leben."

In der Regel sind es die Kinder, die behandelt werden, doch in der Kuscheltiersprechstunde sind sie die Wissenden, die Verantwortlichen, die Tröstenden. "Wir merken, dass dieser Rollentausch für die Verarbeitung sehr gut ist", erklärt er. Das war für ihn eine besondere Erfahrung. Denn die Kinder setzen das wie selbstverständlich um, geben Medikamente bis Löwe, Hund oder Affe "fieberfrei" sind, oder holen sich selbständig von der Schwester "neue Medikamente".

Andrea arbeitet seit fast drei Jahren in der Katharinenhöhe und möchte keinen Tag missen. "Diese Arbeit befriedigt mich sehr. Hier kann man der ganzen Familie helfen, denn betroffen sind alle. Ärzte und Psychologen arbeiten eng zusammen. Manchmal geht es den Eltern oder den gesunden Geschwistern schlechter als dem erkrankten Kind, wenn es gerade beschwerdefrei ist", sagt er. Hier hat er Möglichkeiten, die in einer Akutklinik einfach nicht machbar sind. Sein Stethoskop ist ein Tiger, sein Fiebermesser ein Elefant. Er sieht die Kinder auf dem Spielplatz und spielt mit ihnen. Dass er dabei die Bewegungabläufe genau studieren kann, merkt keiner.

"Selbst schwerst kranke Kinder, die man nicht mehr heilen kann, haben hier eine schöne Zeit und schöne Erlebnisse. Und den Eltern bleibt die Erinnerung. Das ist eine wertvolle Aufgabe."

Nora hat Krebs. Es wird noch eine Weile Thema sein für die Familie. Die Kräfte, die sie in der Katharinenhöhe sammeln, die liebevolle Betreuung, die Gespräche mit Menschen die genau verstehen, was man meint und wie man fühlt, die psychische und physische Behandlung sind so dringend nötig, um durchzustehen, was noch kommen kann.

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