Sie freuen sich über den Spatenstich (von links): Stephan Volz von der gleichnamigen Bräunlinger Hoch- und Tiefbaufirma, Volker Würth, Raffaella Bisceglia und ihr Chef Dieter Schneider vom Architekturbüro Schneider, Lisa Würth, Sebastian Würth, Johannes Würth, Bürgermeister Micha Bächle und die beiden Geschäftsführer Alexander und Steffen Würth. Foto: Bernhard Lutz

Offizieller Spatenstich für den Hallen-Neubau in Bräunlingen: Der Betrieb investiert mehr als 40 Millionen Euro in eine neue Lager- und Produktionshalle. Das ist die letzte große Maßnahme vor dem Generationenwechsel.

Die Stadt Bräunlingen erlebte am Mittwochnachmittag einen historischen Spatenstich. Auf dem Gelände der ehemaligen Kammgarnspinnerei Coats Mez an der Stadteinfahrt von Hüfingen kommend setzten die Verantwortlichen der Firmengruppe Straub den Spatenstich für eine neue Lager- und Produktionshalle.

 

Mit 40 bis 50 Millionen Euro sei dies die bisher größte Einzelinvestition in der bisher 200-jährigen Firmengeschichte am Standort Bräunlingen, sagte Geschäftsführer Steffen Würth. Er leitet die Geschicke der Firmengruppe zusammen mit seinen beiden Vettern Alexander Würth und Volker Würth.

Damit werde die Unternehmensgruppe mehr als 250 Millionen Euro investiert haben, das meiste aus Eigenmitteln. Die Maschinen für die neue Halle seien dabei noch gar nicht mit eingerechnet.

Bald ist Nachwuchs am Zug

Historisch war der Spatenstich aus zwei weiteren Gründen: „Es ist das letzte Projekt unserer Generation in der Geschäftsführung“, sagte Steffen Würth mit Blick auf Alexander und Volker Würth. Außerdem wird mit diesem Projekt der Wechsel an die achte Generation der Familie Straub-Würth in der Zähringerstadt eingeleitet. Mit Lisa Würth, Sebastian und Johannes Würth waren am Mittwoch drei der vier Kinder der Geschäftsführer anwesend.

Alle drei engagieren sich bereits im Familienunternehmen. Lisa Würth als Teilzeitkraft in den Bereichen Personal, Corporate Identity und Social Media. Dazu ist sie selbstständige Kleinunternehmerin für Möbel aus Wellpappe wie Tische. Sebastian Würth ist in der Betriebsleitung von Wellstar-Packaging, Johannes Würth arbeitet in der Vertriebsleitung von Straub Verpackungen. Vierter der achten Generation ist Frederic Würth, der derzeit an der Universität Wien seinen Master in Umwelt und Nachhaltigkeit absolviert.

Steffen Würth, der für die gesamte Geschäftsführung sprach, machte daher deutlich: „Wir sind sehr traditionsbezogen und traditionsbewusst.“ In zwei Jahren feiere die Unternehmerfamilie Straub, die von der Eulemühle bei Unadingen stamme, bereits ihr 400-jähriges Familienjubiläum. Die erfolgreiche Familiengeschichte erfülle sie mit Stolz und gebe ihnen Mut, mit Optimismus in die Zukunft zu schauen, erklärte er. Bereits in den 1990er Jahren konnten sie einen ersten Teil des Grundstücks von Coats Mez kaufen, sagte Würth, im Jahr 2012 dann den übrigen, größeren Teil des Areals. Wie groß die Grundfläche tatsächlich ist, sei ihm erst nach Abriss der ehemaligen Gebäude bewusst geworden.

Nach dem Spatenstich stoßen die Anwesenden mit Glühwein auf das neue Großprojekt der Firma Straub in Bräunlingen an. Foto: Bernhard Lutz

Entlastung der Betriebe

Als die Geschäftsführung sich in der Hochkonjunkturphase 2020/21 zu diesem Projekt entschloss, hätten sie ob des großen Arbeitsaufkommens etwas sorgenvoll in die Zukunft geschaut. Mit fünf Tagen à 24 Stunden, Samstagsarbeit und drei Schichten habe auf den Mitarbeitern in den Werken viel Druck gelastet. Mit der neuen Halle könnten die drei Betriebe entlastet werden. Die Gesellschafter seien ebenfalls der Meinung, dass es Sinn ergebe, in Bräunlingen zu investieren. Sorgen bereiten den Verantwortlichen der Unternehmensgruppe die Entwicklung des Wirtschaftsstandorts Deutschlands. Er habe an Qualität und Attraktivität spürbar verloren, machte Steffen Würth deutlich. Die Politik der derzeitigen Bundesregierung sei unternehmensunfreundlich, ja sogar unternehmensfeindlich, klagte Geschäftsführer Steffen Würth. Er weiß auch in seiner Funktion als einer der Vizepräsidenten der IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg, wie es in anderen Betrieben aussieht. Trotzdem „sehen wir auch voller Optimismus in die Zukunft, für die achte Generation“.

Abschließend dankte Steffen Würth den Beschäftigten der Unternehmensgruppe, den Gesellschaftern, dem Architektenbüro Schneider aus St. Georgen, der Bräunlinger Baufirma Volz sowie Bräunlingens Bürgermeister Micha Bächle und dessen Vorgänger für die stets wohlwollende Unterstützung. Bräunlingens Bürgermeister Micha Bächle dankte der Geschäftsführung und dem Unternehmen für das klare Standortbekenntnis zu Bräunlingen. In seinen bisher fünf Amtsjahren sei dies bereits der zweite Spatenstich der Firma, an dem er teilnehmen dürfe.

Große Verbundenheit

Nach dem offiziellen Teil folgte ein Umtrunk mit Glühwein, an den sich die Rentner- und Jubilarfeier der Unternehmensgruppe anschloss. Die Verbundenheit zu Straub ist groß, viele, teils jahrelange Rentner, kamen. Steffen Würth konnte alle namentlich begrüßen.

Das Grundstück

Zwei Bauabschnitte
Das gesamte Grundstück umfasst 60 000 Quadratmeter. In einem ersten Bauabschnitt entstehen auf 25 000 Quadratmetern die Produktionshalle mit 19 000 Quadratmetern inklusive entsprechender Verwaltungsräume. In einem möglichen zweiten Bauabschnitt würde dann der nördliche Bereich zwischen der Einfahrt und der Firma Dynacast neu überplant. In diesem Fall werde der Gewerbekanal, der bisher mitten durch das Mez-Areal führe, von der Firma Dynacast in Richtung Breg verlegt, erklärte Alexander Würth.