Explodierende Rechnungen der Gema könnten zum Stimmungskiller in den besinnlichen Tagen werden – auch in Rottweil. Zumindest ist aber eine Schieflage entstanden, denn die auftretenden Künstler schauen in die Röhre.
5000 Euro hat die Stadtverwaltung Rottweil im vergangenen Jahr für die Begleitmusik beim Weihnachtsmarkt gezahlt. „Die Gebühren steigen leider von Jahr zu Jahr“, bestätigt Pressesprecher Tobias Hermann auf Anfrage. Veranstalter des Rottweiler Weihnachtsmarktes sei bekanntlich der Gewerbe- und Handelsverein (GHV), doch da die Stadtverwaltung das Bühnenprogramm organisiere, liefen die Kosten für die Gema im Rathaus ein.
Eine Reihe von Faktoren
Verschiedene Faktoren wie etwa die Dauer, die Besucherzahl oder die Veranstaltungsfläche ziehe die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte als Grundlage fürs Aufstellen der Rechnung heran – nicht nur in Rottweil. Gegen diese Praxis regt sich nun aber breiter Widerstand. Es gibt Berichte von Kommunen, deren Gema-Rechnungen für Weihnachtsmärkte um das 40-fache höher ausgefallen sind, als in den Vorjahren.
Ganz so schlimm ist die Situation in Rottweil (noch) nicht. Das klang auch in den Worten von Oberbürgermeister Christian Ruf durch, der am Mittwochabend in der Sitzung des Kultur-, Sozial- und Verwaltungsausschusses des Gemeinderats spontan auf eine Anfrage von Elke Reichenbach (SPD+FFR) antwortete. Um 1000 Euro sei die Rechnung zuletzt höher ausgefallen als zuvor, meint er.
Die Preise sollen weiter steigen
Doch auch hier ist man schon gespannt, was 2023 auf die Stadtkasse zukommen wird. „Der Städtetag Baden-Württemberg hat unlängst eine Umfrage unter seinen Mitgliedskommunen zur Problematik gestartet“, sagt Hermann. Und auch die Stadt Rottweil hat sich daran beteiligt. „Der Städtetag verhandelt derzeit mit der Gema zu diesem Thema, denn die Preise sollen wohl noch weiter steigen“, so der Pressesprecher der Verwaltung. Dabei „wenden wir aus dem Budget für den Weihnachtsmarkt mittlerweile mehr Geld für die Gema auf als für die Honorarkosten der Künstler, die live auftreten“.
Hoffnung ruht auf dem Städtetag
In Rottweil hofft man nun, dass der Städtetag mit seiner Initiative Erfolg hat. Ansonsten stehe zu befürchten, dass sich die Kommunen eine musikalische Begleitung der Weihnachtsmärkte nicht oder nur noch sehr eingeschränkt werden leisten könnten.
Dabei ist das Bühnenprogramm ein wichtiger Bestandteil des Weihnachtsmarktes. „Durch die Auftritte von Vereinen, Chören oder Künstlern entsteht eine stimmungsvolle Atmosphäre und lädt damit zum Verweilen ein“, weiß Tobias Hermann und kündigt an: „Trotz gestiegener Gema-Kosten halten wir am Bühnenprogramm bisher fest. Nicht nur, dass es die weihnachtliche Stimmung unterstützt, sondern wir finden es auch wichtig den Musikvereinen eine Plattform für ihre Auftritte zu bieten und regionale Künstler zu unterstützen.“
Die Gema der Grinch?
Indes: Den Schuh des Spielverderbers Grinchs will sich die Gema nicht anziehen. An den Tarifen und Gebühren habe sich kaum etwas geändert, erklärt die Verwertungsgesellschaft den Anstieg damit, dass die gemeldeten Nutzungsflächen mittlerweile überprüft und bestehende Tarife konsequente angewandt würden.
Kommunen halten dagegen, dass die Gema die gesamte Fläche der Weihnachtsmärkte für die Berechnung zugrunde lege, anstatt nur den Bereich vor der Bühne, der auch tatsächlich beschallt werde. Insofern: Die Rottweiler stoßen mit einem Becher Marinepunsch an auf die Zeit der Hoffnung und Zuversicht.