Timo Lehrke gelang der erste 1000 Kilometer-Flug mit dem Vereins Discus 2b der Fliegergruppe Freudenstadt. Foto: Schwark Foto: Schwarzwälder-Bote

Segelfliegen: Mit Vereins-Discus 2b ab Neresheim in neuneinhalb Stunden genau 1020 Kilometer zurückgelegt

Von Lothar Schwark

Timo Lehrke hat die Gunst der Stunde genutzt und den ersten 1000 Kilometer-Flug mit einem Vereinsflugzeug der FG Freudenstadt absolviert.

Für Timo Lehrke von der Fliegergruppe Freudenstadt, der mit seinem Vereinskollegen Michael Buchthal seit gestern und noch bis zum 27. Mai in Bayreuth die Qualifikation zur kommenden deutschen Meisterschaft in der Standardklasse ausfliegt, hat sich ein großer Wunsch erfüllt. Am 4. Mai schaffte der 23-jährige Elektrotechniker seinen ersten 1000 Kilometer-Flug.

Startplattform war der Flugplatz Neresheim, wo Lehrke am einem Trainingslager des baden-württembergischen D-Kaders teilnahm. Eigentlich wollte er erst ab dem Vatertag in Neresheim abheben. Doch die Wettervorhersage prophezeite bereits zuvor nach dem Einfließen von hoch reichender Polarluft lang anhaltende und starke Aufwinde Im Fliegerjargon wird diese Wetterlage knapp als "Hammerwetter" bezeichnet.

Nach der Spätschicht ganz früh unterwegs

Dank des Verständnisses seines Arbeitgebers konnte der Musbacher Segelflieger nach einer Spätschicht am Folgetag kurzfristig Urlaub nehmen, um dann ganz früh den Discus 2b des Vereins anzuhängen. Um 7 Uhr in Neresheim angekommen, wurde Lehrke von den Trainern Charlie Bauder und Bernd Schmid begrüßt und der Wolkenrenner schnell aufgebaut. Geplant war im Team ein 756 km-Dreieck um die Wenden Titisee- Gemünden/Main- Kehlheim anzugehen.

Um 11 Uhr flog Lehrke mit dem Discus 2b in Neresheim ab. Anfangs war er mit Clemens Pape im Team unterwegs, doch nach der Wende Titisee war der Freudenstädter nahezu alleine auf seiner Reise. Bei Gemünden entschied er sich die gute Wolkenoptik in Richtung Thüringer Wald zu nutzen, um den Flug zu strecken. Bei Mellrichstadt liefen die Wolken jedoch auseinander, so dass Lehrke dort wendete.

Bei Aufwindstärken von bis zu sechs Meter in der Sekunde und einer Wolkenbasis von bis zu 2.500 Meter jagte der Discus 2b-Pilot Regensburg entgegen, um dort eine weitere Wende zu setzen. Um 18.48 Uhr war Neresheim wieder erreicht, aber die Thermik noch im vollem Gange. In Richtung Schwäbisch Hall- Giebelstadt hat sich inzwischen eine Konvergenzlinie aufgebaut, die nochmals anhaltende Thermik versprach. Mit weiteren Piloten wurde besprochen, dass wenn man diese Aufwindrennstraße nutzt und eventuell der 1000 Kilometer-Flug drin sein könnte.

Nahezu ohne Kreis flog Lehrke 95 km in Nordrichtung vom Flugplatz weg, um gegen 19.45 Uhr eine weitere Wende zu setzen. Um 20.39 Uhr rollte er dann nach absolvierten 1020 Kilometern an seinem Startort aus.

In der Online Contest-Wertung sprang weltweit unter 1312 gemeldeten Piloten der 11. Platz an diesem Flugtag heraus. Deutschlandweit war es Platz 10 und in Baden-Württemberg Platz 8 der OLC Tageswertung.

Für die Fliegergruppe Freudenstadt ist dies der erste erflogene 1000er mit einem Vereinsflugzeug. Weitere Flüge in dieser Größenordnung hat bisher Dirk Reich in Australien und Namibia bei den dortigen sehr guten Verhältnissen geschafft.

Timo Lehrke unterstrich damit sein großes Segelflugtalent. Mit 15 Jahre begann er mit dem Segelfliegen und acht Jahre später und nach 750 Flugstunden schaffte er das, von dem die meisten Segelflieger ihr ganzes Leben lang träumen. "Ich war danach ziemlich kaputt", resümierte Lehrke seinen ersten 1000 km-Flug. Mit 48 Aufwinden, einem Kreisfluganteil von 25,38 Prozent und 103,22 km/h schaffte der Freudenstädter diese Mammut-Distanz mit der Kraft der Sonne.

In Bayreuth will er die Quali zur Senioren-DM im Jahr 2017 schaffen. Weiter auf seinem Programm steht im Juli der OLC Glider Race auf der Wasserkuppe sowie die deutschen Junioren-Segelflugmeisterschaften vom 1. bis 14. August in Marpingen im Saarland. Ein großes Ziel hat der 23-Jährige noch: den ersten 1000er von Musbach aus zu knacken.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: