Bei der Solawi in Hausen bei Rottweil gehen regionaler Gemüseanbau und soziale Lebensmittelproduktion Hand in Hand. 39 Mitstreiter teilen sich nicht nur die Ernte, sondern auch die Kosten und die Verantwortung – bis aus einem Samenkorn Nahrung wird.
Der Lauch ist der letzte im Anbaujahr. Und das endet nicht etwa im Dezember, wie das kalendarische, sondern im März. Bei gerade einmal vier Grad, wird das grüne Gemüse mit der kecken Stehfrisur aus der Erde gezogen.
Wetterfeste Mitglieder der Solawi – der solidarischen Landwirtschaft in Hausen bei Rottweil – kümmern sich persönlich um das Gemüse, das gesäubert in den Erntekisten landet, während Gärtnerin Josephine Dehner fachmännisch die Wurzeln entfernt. „So, der sieht doch jetzt schon aus wie vom Markt“, sagt sie und lacht.
Überhaupt scheint das Ernten bei winterlicher Kälte für gute Laune zu sorgen, denn auf dem Acker hinter dem Hofgut Oberrotenstein wird gescherzt und gelacht – und man erinnert sich an den Sommer, als die Erntehelfer zwischen Blumen und Kohl das reife Gemüse ernteten.
35 Gemüsesorten
35 Gemüsesorten und natürlich Salat werden auf dem nahrhaften Ackerboden gehegt und gepflegt. Josephine Dehner hat bereits Solawi-Projekte in Tübingen und Rosenfeld im Zollernalbkreis mitaufgebaut. Für die solidarische Landwirtschaft in Hausen ist sie seit zwei Jahren verantwortlich – und das mit Erfolg. 39 Ernteanteilnehmer bildet die Gruppe mittlerweile. Und so viel Gemüse versucht Landwirtin Dehner auch anzubauen.
„Gemüse sollte ein wesentlicher Bestandteil der Ernährung sein. Weg von der Beilage, hin zum Hauptgericht“, betont Reiner Henkelmann, der von der Arbeit der Solawi ganz begeistert ist und gerne mithilft. Einmal in der Woche bekommen er und die anderen Mitglieder ihren Erntekorb.
Dafür zahlen sie einen festen monatlichen Beitrag, der zu Beginn des Pflanzenjahres anhand der zu erwartenden Kosten festgelegt wird. Wer diesen finanziell nicht stemmen kann, kann auch den Mindestsatz zahlen, oder wem das zu wenig ist auch mehr. Damit trägt die Gemeinschaft das finanzielle Risiko und nicht allein die Landwirtin – solidarisch eben.
Die Pflanzen erziehen
Sogar eine Neuanschaffung war im vergangenen Jahr drin. Eine Anlage zur Tröpfchenbewässerung wurde angeschafft. „Das Wetter ist einfach die größte Herausforderung“, sagt Dehner, wobei es Methoden gebe, um den Wasserbedarf der Pflanzen zu senken. „Man kann die Pflanzen erziehen“, erklärt Ingeborg Gekle-Meier. Und zwar, indem man nicht zu viel gießt. „Dann wurzeln die Pflanzen tiefer“, erklärt sie. Und was für die Pflanze auf dem Solawi-Acker gilt, gelte auch für jene im heimischen Garten.
Der Übergang vom alten in das neue Anbaujahr ist übrigens fließend. Während von den Solawi-Mitgliedern der letzte Lauch aus der Erde gezogen wird, warten Saatgut und Jungpflanzen bereits auf ihren Einsatz. „Wir müssen den Acker pflügen, sobald es trockener ist, und die Beete vorbereiten“, sagt Dehner. Salat und Spinat sind die ersten, die ins Feld dürfen. Dann folgen Fenchel, Kohlrabi und Radischen. Letztere seien übrigens auch ein Tipp für Heimgärtner, weil sie so gut wie immer gelingen.
Tipps von Profis
„Wer zu Hause ein Beet anlegen will, der sollte verschiedene Gemüse und Salat anpflanzen, irgendetwas gelingt immer“, sagt Gekle-Meier. „Und Beerensträucher. Das lieben die Kinder“, weiß Brigitte Bucher. Wichtig sei es allerdings auf die Qualität des Saatguts und der Jungpflanzen zu achten, betont Profi Josephine Dehner. Sie selbst setze bei der Solawi auf Bio-Qualität. Etwa Bingenheimer Saatgut, nennt sie als Tipp.
Und wer dann mit einer reichen Ernte gesegnet sei, so wie es sie bei der Solawi in Hausen in den vergangenen Jahren gab, dem raten die Solawi-Helfer folgende Lagerung: „Mein Tipp ist der Lichtschacht des Kellerfensters an der Nordseite des Hauses“, sagt Bucher.
Ingeborg Gekle-Meier wickelt ihre Karotten in Wachstücher ein. „So halten sie fast drei Wochen im Kühlschrank“, erzählt sie. Und wer langfristige Vorräte anlegen wolle, der solle das Gemüse einkochen oder einfrieren. Aber frisch, da sind sich alle einig, schmeckt es halt immer noch am besten.
Info
Solawi Oberrotenstein, Josephine Dehner, E-Mail solawi.oberrotenstein@posteo.de