Christoph Grotheer gewinnt die Skeleton-Goldmedaille. Foto: AFP//JEFF PACHOUD

Christopher Grotheer fährt zu historischem Skeleton-Gold, Axel Jungk holt Silber.

Yanqing - Der Eiskanal von Yanqing ist für die Deutschen eine Goldrinne. Nach vier Olympiasiegen im Rodeln setzte Christopher Grotheer die Erfolgsserie des Bob- und Schlittenverbandes für Deutschland (BSD) 80 Kilometer nördlich von Peking fort. Fünf Starts, fünf Siege. „Ich habe jahrelang davon geträumt. Das ist alles noch so irreal, aber ich bin stolz auf mich. Dieses Gold habe ich im Kopf gewonnen“, sagte Grotheer, der die erste Olympia-Medaille für die deutschen Skeleton-Männer holte, in ruhigem Ton und versprach: „Nach zwei Bier bin ich auch ein bisschen lockerer.“ Jacqueline Lölling hatte in Pyeongchang 2018 Silber sowie Kerstin Szymkowiak und Anja Selbach (damals Huber) 2010 in Vancouver Silber und Bronze gewonnen.

 

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„Es ist einfach nur verrückt“, sagte Bundestrainer Christian Baude: „Die Jungs haben hart gearbeitet, hart gekämpft. Christopher war unbeschreiblich. Er war die ganze Woche so frisch, so selbstbewusst.“ Grotheers Erfolgsrezept war reichlich simpel. Er wechselte vor Olympia seinen Schlitten, er stellte den neuen in eine Ecke, er schnappte sich wieder seinen alten, und der lief deutlich besser. „Vom Speed passt es richtig gut. Ich muss nicht mal fehlerfrei fahren, um eine Chance zu haben. Dieser Puffer tut richtig gut“, sagte der 29-Jährige schon nach dem zweiten Lauf, als er bereits komfortabel in Führung lag. In Pyeongchang war er lediglich Achter geworden.

Der Olympiasieger ist durch Zufall auf dem Schlitten gelandet, eigentlich wollte der Teenager aus dem Harz Skispringer werden, und als solcher war er Schüler an der Sportschule in Oberhof. Doch der Weringeroder wurde in der Pubertät immer größer und schwerer, so dass der Trainer dem 14-Jährigen riet: „Mach den Aufnahmetest im Skeleton, du bist doch so athletisch.“ Es war ein weiser Rat, wie sich herausstellen sollte, und weise war es auch, dass Grotheer ihn beherzigte. Er fand seine sportliche Bestimmung. 2010 kam er im Europacup an, startete 2012 erstmals im Weltcup und feierte im Dezember den Titel des Junioren-Weltmeisters.

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Grotheer raste mit dem Schlitten abwärts, mit der Karriere ging es aufwärts. Vizeweltmeister mit dem Team (2015, 2017), Team-Weltmeister (2019, 2021) – und 2020 und 2021 schnappte sich der Skeletoni vom BRC Thüringen aus Oberhof den Titel des Einzel-Champions, was vor allem vor zwei Jahren eine ziemliche Überraschung war.

Grotheer hatte 2020 kein Weltcup-Rennen bestritten, als er zur WM nach Altenberg gereist war. Es schien, als liege Sand in seiner Spur, er musste gar im zweitklassigen Kontinentalcup ICC starten und qualifizierte sich erst zwei Wochen vor der WM über ein Ausscheidungsrennen für die Titelkämpfe. Und das auch nur, weil den Deutschen ein zusätzlicher Startplatz zustand. „Als ich im letzten Lauf über die Ziellinie gefahren bin, dachte ich, dass es nicht gereicht hat“, erzählte der Landespolizist aus Thüringen, „als ich die ,1’ auf der Leinwand gesehen habe, war ich überwältigt.“ Ein Jahr später verteidigte er den Titel in Altenberg. „Die beiden WM-Siege haben mir viel Sicherheit gegeben“, sagte Grotheer. Und nun hat er Olympia-Gold.

Schock: coronapositiv

Dass seine Saison noch ein Happy End nimmt, hätte Axel Jungk vor ein paar Wochen kaum geglaubt. Der Skeleton-Fahrer aus dem Erzgebirge wurde 2020 Vizeweltmeister hinter Grotheer, er verletzte sich danach und verpasste die komplette Saison. Diesen Winter kämpfte er sich wieder ran und nahm sich vor, den Aufwärtstrend bei den Winterspielen fortzusetzen – zwei Wochen vor Olympia wurde er positiv getestet. Covid-19. „Das Schlimmste war, dass ich völlig schuldlos war“, erzählte Jungk, „ich war in keiner Bar, habe ein halbes Jahr gelebt wie ein Mönch. Und dann ist Olympia plötzlich weit weg.“

Eine Zeit mit der Ungewissheit begann, ob es für die Reise nach China reichen würde bei all den restriktiven Bestimmungen – mit 31 Jahren könnte es für die Spiele 2026 womöglich nicht mehr reichen. Es reichte für Peking, nach vier negativen Tests erledigte Jungk die Einreiseformalitäten noch rechtzeitig, um sich in Yanqing die Silbermedaille abzuholen. „Ich habe gesagt: Ich will mit einer Medaille heimkommen. Es hat sich alles ausgezahlt, es ist ein unglaublich schönes Gefühl“, sagte der Oberbärenburger.