Er betreibt in Geislingen viele Quadratmeter Solarpaneele – nicht aus Ideologie heraus, sondern aus Vernunft: Anton Brobeil hat vor mehr als zehn Jahren damit begonnen, auf verschiedenen Gebäudedächern mittels Fotovoltaikanlagen Strom aus erneuerbarer Quelle zu erzeugen.
Geislingen - Rund 330 Megawattstunden hat allein die Anlage gegenüber dem Herrgottshäusle seit 2014 erzeugt – "ohne ein einziges Gramm CO2", wie Anton Brobeil zufrieden betont. Fast 92 Kilogramm des klimaschädlichen Treibhausgases oder rund 13 Liter Heizöl wurden so eingespart, sagt er.
Doch Wolken verdunkeln den sonnigen Himmel: Besitzer von Solaranlagen erhalten mit Inkrafttreten des neuen Erneuerbare-Energien-Gesetzes zum 1. Januar dieses Jahres eine weiter sinkende Einspeisevergütung.
Anlagen fallen aus EEG-Förderung
Zudem fallen Anlagen nach 20 Jahren Betrieb ganz aus der EEG-Förderung heraus und erhalten von den Netzbetreibern nur noch schwankende Börsenstrompreise bezahlt. Das waren im Mai durchschnittlich weniger als 5,2 Cent je Kilowattstunde, im Vergleich zu 5,28 bis 7,69 Cent bei EEG-geförderten Anlagen.
"Erst sind wir die Pioniere gewesen und jetzt sollen wir für die EnBW schaffen", regt Brobeil sich auf. "Das kann ja nicht sein, dass wir so abgestraft werden."
Der 74-jährige Nebenerwerbslandwirt hat vor fast elf Jahren damit begonnen, Strom mit Fotovoltaik zu erzeugen – und das nicht bereut: "Es lohnt sich immer noch." Ihm gehören heute vier Solaranlagen mit zusammen 102,44 Kilowatt Spitzenleistung. Damit könnte er sechs oder sieben Haushalte im Ort versorgen.
Die rund 225.000 Euro, die er selbst in seine Solartechnik investiert hat, sind längst wieder hereingekommen. "Meine Anlagen laufen gut." Doch Leute, die sich erst jetzt eine Anlage aufs Dach holen, müssen lange warten, bis sich diese selbst abbezahlt hat.
Brobeil hat deshalb einen Vorschlag, wie die "Sonnenstadt" Geislingen ihrem Namen gerecht werden könnte: Die Stadt könnte seiner Meinung nach Energie von den örtlichen, privaten Erzeugern zu einem fairen Preis kaufen. Der private Stromverkauf sei bereits seit 2014 erlaubt, und die Stadt habe ein Erstzugriffsrecht beim Kauf von "regionalem" Sonnenstrom, sagt er. Der tatsächliche Preis sei dann ja Verhandlungssache.
Brobeil steht zu Angebot
"Wenn ich mehr Möglichkeiten hätte, würde ich mehr machen", sagt der "Solarbauer" Anton Brobeil. Die Pläne für eine große Fotovoltaikanlage im Erlaheimer Gewann Hasenbühl verfolgt er deshalb aufmerksam: Er hofft darauf, dass die Ortschafts- und Gemeinderäte sich dafür entscheiden werden, diese als Bürgersolaranlage zu betreiben, wie das seit 2012 mehrfach und auch jüngst wieder im Gespräch gewesen ist.
Brobeil steht auch zu einem Angebot, das er schon vor längerem der Stadtverwaltung gemacht hat: Er würde sich mit 100 kW oder mehr an einer Bürgersolaranlage beteiligen. Denn er sähe es – wie so mancher im Ort – gerne, dass Gewinne aus auf Geislinger Gemarkung erzeugtem Strom Einheimischen zugute kommen und nicht an auswärtige Investoren oder eine Tochterfirma der EnBW abfließen.