Siemens-Chef Roland Busch, gut gelaunt, während der Pressekonferenz Foto: Sven Simon/Frank Hoermann

Siemens steht heute glänzend da – im Gegensatz zum abgespaltenen Krisenkonzern Siemens Energy. Doch der Technologieriese Siemens kann sich bei seiner Tochter nicht ganz aus der Verantwortung stehlen, meint Thomas Magenheim.

Schmuddelkinder sind selten beliebt. Das gilt vor allem auch für Unternehmensfamilien. Insofern wundert es nicht, dass Siemens mit der zur Beteiligung reduzierten Tochter Siemens Energy stark fremdelt. Aber wer ein derart großes Geschäft mit 31 Milliarden Euro Umsatz und weltweit fast 100 000 Beschäftigten an die Börse wirft – und so muss man den Vorgang vor drei Jahren bezeichnen – kann sich nicht aus der Verantwortung verabschieden.

 

Siemens steht wegen der Abspaltung so glänzend da

Siemens steht heute vor allem auch deshalb so glänzend da, weil die Energietechnik mit dem heutigen Krisenkonzern Siemens Energy abgespalten wurde. Wenn dort die Dinge nun massiv aus dem Ruder laufen, kann Siemens sich nicht auf eine Beobachterposition zurückziehen.

Der natürliche Fluchtreflex sich als erfolgreich sehender Manager weist leider genau in diese Richtung. Das gilt für den heutigen Siemens-Boss Roland Busch und vor allem für seinen Vorgänger Joe Kaeser, der heute Aufsichtsratschef von Siemens Energy ist. Für den einen ist es eine Vergangenheit, die einen nicht wirklich mehr etwas angeht. Für den anderen haben alle Schuld, nur er selbst nicht. Dabei war Kaeser die treibende Kraft des Börsengangs von Siemens Energy und dessen Fehlkonstruktion.

So muss man den Makel bezeichnen, der kein Durchregieren beim in Spanien angesiedelten Windgeschäft der damaligen Beteiligung Siemens Gamesa erlaubt hat. Als es dann dort kurz nach dem Börsendebüt rasant nach unten ging, war es mit dem Umsteuern nicht einfach. Erst diesen Sommer hat Siemens Energy den Makel behoben und die spanische Windtochter ganz übernommen.

Das ganze Ausmaß des Debakels wurde erst dieses Jahr sichtbar

Wer beim bezahlten Kaufpreis für das ausstehende Drittel der Gamesa-Anteile von vier Milliarden Euro mit Blindheit geschlagen war, ist immer noch nicht wirklich geklärt. Erst danach wurde jedenfalls trotz angeblicher Unternehmensprüfung das ganze Ausmaß des Winddebakels mit horrenden Milliardenverlusten sichtbar. Zum Vergleich: Nur mit gut doppelt so viel wird heute Siemens Energy in Gänze an der Börse bewertet. Die primär Verantwortlichen seien schon alle entlassen oder selbst gegangen, findet Kaeser. Man darf da durchaus auch anderer Meinung sein.