Nach einem Architektenwettbewerb ist der Siegerentwurf für den Krankenhaus-Neubau bei Langenwinkel gekürt worden. Geplant ist ein L-förmiges Gebäude mit zwei bis fünf Stockwerken.
Gewinner des Wettbewerbs ist ein Entwurf des Architekturbüros GMP International aus Aachen. Den Zuschlag für die Gesamtplanung des Neubaus inklusive des Klinikareals erteilte der Verwaltungsrat des Ortenau-Klinikums einstimmig Ende April. Die Planungen von GMP überzeugten das Gremium vor allem aufgrund der vorgeschlagenen Architektur sowie des Erschließungskonzepts für das gesamte Areal, heißt es in einer Mitteilung des Ortenau-Klinikums.
Mit seiner Entscheidung folgte der Verwaltungsrat einer Empfehlung des eigens für den Wettbewerb gebildeten Bewertungsgremiums, dem die Mitglieder der Lahrer Baukommission des Ortenau-Klinikums, Vertreter der Stadt Lahr sowie weitere Bausachverständige angehörten. Am Mittwoch, 15. Mai, ab 19 Uhr ist eine Infoveranstaltung in der Lahrer Mehrzweckhalle geplant, bei der die Planungen vorgestellt werden sollen (siehe Info).
L-förmiges Gebäude mit zwei bis fünf Geschossen
Das Konzept von GMP für den neuen Gesundheitscampus bei Langenwinkel sieht eine L-förmige Gebäudestruktur vor, die sich in Richtung der Stadt und zur B 415 hin öffnet und orientiert. Das Klinikgebäude gliedere sich mit seinen Nebenbauten durch seine in der Höhe gestaffelte, zwei- bis fünfgeschossigen Baukörper angemessen in die Umgebung ein, stellt das Klinikum fest. Dabei werde die Fassade in Material und Farbgebung hell und einladend gestaltet.
Der Entwurf zeichne sich zudem durch eine klare und kompakte Gebäudestruktur aus, die in zwei Hauptrichtungen erweiterbar sei und einen zentralen Freiraum mit einer Grünanlage und einem Parkplatz einfasse. „Die öffentliche Grünanlage sorgt für ein hohes Maß an außenräumlicher Qualität für das Quartier“, wird in der Mitteilung betont. Sie stelle überdies eine wichtige übergeordnete Fuß- und Radfahrverbindung dar und schaffe vielfältige Aufenthalts- und Erholungsmöglichkeiten. Eine Promenade mit Bäumen in einer Achse schaffe einen attraktiven Eingang. Flankiert werden soll die Promenade von einem Säulengang, der die verschiedenen Gebäude, die Bushaltestelle und Taxistände wettergeschützt miteinander verbindet.
Um hochwertige Entwürfe für den Klinikneubau zu erhalten, war im Dezember im Rahmen einer europaweiten Ausschreibung ein Teilnahmewettbewerb gestartet worden.
Das Baugrundstück ist rund 9,5 Hektar groß und liegt südlich der B 415 und westlich des Friedhofs Langenwinkel. Gefragt waren dabei Planungen für den Klinik-Neubau einschließlich einer Gesamt-Campus-Planung mit den ergänzenden Gebäuden – Ärztehaus, Personalwohnheim, Krankenpflegeschule, eine Vorbehaltsfläche für eine Rettungswache sowie Vorbehaltsflächen für Erweiterungen des Klinikums.
„Der Klinikneubau mit rund 330 Betten soll eine moderne, zeitgemäße, innovative und patientenorientierte Gesundheitsversorgung sicherstellen“, wird in der Mitteilung hervorgehoben. Die Gesamtinvestition für den Klinikneubau wird mit rund 283 Millionen Euro veranschlagt.
Nach dem Zuschlag für die Gesamtplanungsleistungen kann jetzt mit der Vorentwurfsplanung zum Klinikneubau wie auch mit dem Bebauungsplanverfahren gestartet werden. Die Grundlagen dafür werden seit dem vergangenen Jahr ermittelt. Baubeginn sei voraussichtlich Anfang 2027. Die Inbetriebnahme des Klinikums ist dann für Anfang 2032 vorgesehen, heißt es.
„Ich freue mich über die sehr gute Entscheidung und das sehr zügige Verfahren. Nach dem Grundsatzbeschluss im vergangenen Oktober haben wir jetzt bereits qualitativ sehr hochwertige Planungen vorliegen“, betont Landrat Frank Scherer laut der Pressemitteilung. Christian Keller, Vorstandsvorsitzender des Ortenau-Klinikums, ergänzt: „Ich bin sicher, dass wir auch in Lahr einen sehr attraktiven Klinikneubau auf dem künftigen Klinik-Campus bekommen werden.“ OB Markus Ibert sieht in den vorgelegten Planungen „einen maßgeblichen Schritt zur Verwirklichung eines zukunftsfähigen Klinikums, das die medizinische Versorgung der Menschen in Lahr und der südlichen Ortenau auf lange Sicht sicherstellt“.
Standort-Gegner überlegen sich weitere Schritte
Deutlich weniger euphorisch zeigte sich erwartungsgemäß Melanie Kappus am Montag auf Nachfrage unserer Redaktion. Die Mitinitiatoren des gescheiterten Bürgerbegehrens gegen den Klinik-Neubau in Langenwinkel findet nach dem Blick auf den Entwurf: „Solch ein großer Komplex passt an dieser Stelle einfach nicht, wie wir es immer gesagt haben.“ Zudem stört sich Kappus an einem Passus der Pressemitteilung: „Dass schon jetzt von einer möglichen Erweiterung die Rede ist, verheißt nichts Gutes. Das bestätigt leider unsere Zweifel, dass es am Ende eben doch nicht bei 9,5 Hektar bleiben wird.“ Die rund 90-köpfige Widerstandsgruppe sei nach wie vor aktiv, sagt Kappus. Man werde sich die Pläne im Detail anschauen und auch mit dem Ortschaftsrat Rücksprache halten. Für die Zukunft seien sowohl eine „Demo als auch rechtliche Schritte“ gegen das Vorhaben denkbar.
Ibert betont derweil, dass der Stadt die Beteiligung der Bürger weiter wichtig sei. Zudem gelte es, „für die Verkehrsanbindung einschließlich der Parkplatzsituation die beste Lösung zu finden“.
Infoabend
Der Siegerentwurf wird am Mittwoch, 15. Mai, ab 19 Uhr in der Mehrzweckhalle im Bürgerpark öffentlich vorgestellt. Nach einem Grußwort von OB Markus Ibert werden das Architekturbüro Gmp und Christian Keller, Vorstandsvorsitzender des Ortenau-Klinikums, das Projekt präsentieren. Außerdem können die Besucher Fragen stellen. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung i nicht erforderlich.