Bis auf den letzten Platz, war das Sulzer Gemeindehaus beim großen Seniorennachmittag gefüllt. Foto: Priestersbach

Ganz unter dem Motto „Do guck noa! – eine Fleckenrunde mit Heide Dittus“ stand der große Seniorennachmittag vergangenes Wochenende im Sulzer Gemeindehaus. Mit Bildern weckte Dittus die historischen Flecken im Ort wieder zum Leben.

„Unser Seniorennachmittag ist immer gut besucht, und die Sulzer Senioren kommen gerne hierher“, freute sich Pfarrer Harmut Heugel am Sonntagnachmittag. Und in der Tat: Praktisch alle Stühle im evangelischen Gemeindehaus waren beim alljährlichen großen Seniorennachmittag belegt.

 

Nach einer kleinen Andacht von Pfarrer Heugel zur Begrüßung skizzierte Bürgermeister Ulrich Bünger in seinem Grußwort die aktuellen Sanierungs- und Baumaßnahmen im Wildberger Stadtteil, durch die vor allem die Ortsmitte aufgewertet werden soll.

„Wir müssen die Dinge vor Ort bewegen“, versuchte der Rathauschef, den Sulzer Senioren zudem „ein Stück Zuversicht zu vermitteln“. In diesem Zusammenhang machte er deutlich, dass es nicht weiterhelfe, immer nur das zu beklagen, was scheinbar nicht funktioniere – während die vielen Dinge, die funktionieren als selbstverständlich angesehen würden.

Dittus führt durch den Ort

Wie immer kredenzten die aktuellen Konfirmanden sowie weitere Helfer aus der Kirchengemeinde den Besuchern Kaffee und Kuchen sowie später noch einen guten Tropfen Wein. Begleitet von Thomas Dehmel am Akkordeon wurden daneben einige Lieder gesungen. Den Höhepunkt des diesjährigen Seniorennachmittags bildete dann aber eine spannende Fleckenrunde mit Heide Dittus.

Wie die Sulzer Gästeführerin und Naturschutzwartin des örtlichen Schwarzwaldvereins in Erinnerung rief, „hat man sich früher noch im Flecken ausgekannt“. Heute würden jedoch nur noch die wenigsten Sulzer die Fleckenrunde laufen – die durch die einst räumlich getrennten Ortsteile Ober- und Untersulz führt.

Früher gab es elf Gaststätten

In ihrem Bildervortrag, der mit zahlreichen historischen Aufnahmen gespickt war, startet sie auf dem Parkplatz an der Gemeindehalle zunächst in Richtung Obersulz, wo einst die 1907 abgebrannte Ölmühle stand. Oder auch das „Waldhorn“ – eines von einstmals elf Gasthäusern im Ort, von denen heute kein einziges mehr geöffnet hat.

Eine weitere Station bildete das 1866 erbaute Backhaus, das nach wie vor intensiv genutzt wird, sowie gegenüber den einstigen Gasthof „Zum Löwen“, wo „früher die hohen Tiere verkehrten“, berichtete Heide Dittus. 1932 wurde dieser Bereich von einem Hochwasser heimgesucht, als es nach starken Regenfällen zu einem Rückstau des Agenbachs kam – und das Wasser hier drei Meter hoch stand.

Weiter ging es auf dem Mostwegle entlang zur Klosterbrücke und zum Klosterbrunnen. Wie Heide Dittus in Erinnerung rief, stand früher fast an jedem Gehöft ein Brunnen. Bei den Badwiesen befand einst ein Badehaus, in dem man im 16. Jahrhundert für drei Heller baden konnte, und wo später ein alter Friedhof aus der Merowingerzeit freigelegt wurde.

Staat Tierwaagen nun Verkaufsautomaten

Ebenfalls eine interessante Aufnahme zeigte sie vom einsamen Glockenturm, der 1876 errichtet wurde und dessen Glocken von der Mesnerin noch mit der Hand geläutet wurde. Heute steht an gleicher Stelle das evangelische Gemeindehaus. Das Sulzer Waaghäusle, wo einst Schweine, Schafe oder Kälber gewogen wurden, ist heute mit Verkaufsautomaten bestückt, während auf dem Parkplatz in diesem Bereich einst die Sulzer Molkerei angesiedelt war.

Weitere spannende Stationen waren das Ehrenmal an der Michaelskirche, deren Ummauerung auf eine frühere Wehrkirche hindeutet. Am ehemaligen Pfarrhaus und dem Mühlenhof vorbei führte die Fleckenrunde schließlich zum Tierstein, dem Sulzer Wahrzeichen, wo unter Umständen in der Bronzezeit Tieropfer stattfanden.